Crescendo Filmstills

Gedreht wurde auch in Frankfurt und Wiesbaden: Im überaus sehenswerten Film "Crescendo" überwinden israelische und palästinensische Musiker gemeinsam Hass und Vorurteile. Jetzt läuft er in den Kinos an.

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zum Video Vier Fragen an Peter Simonischek

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Irgendwann sitzen und liegen alle Musiker erschöpft auf dem Boden. Dirigent Eduard Sporck (Peter Simonischek) hatte sie einander gegenübergestellt. Sie sollten sich anschreien, fünf Minuten lang. Einmal alles an gegenseitigen Vorurteilen raus lassen, was sich so angesammelt hatte.

Und so brüllten sie sich an, Israelis auf der einen, Palästinenser auf der anderen Seite: "Terroristen", "Mörder", "Bombenattentäter", "Ihr hasst uns", "Ihr zerstört unser Land", "Ihr habt meinen Cousin getötet" und so weiter und so fort. Es wird lauter und lauter, irgendwann ist nicht mehr zu hören, wer was schreit.

Orchester aus Israelis und Palästinensern

Es ist eine der stärksten Szenen des unter anderem in Frankfurt und Wiesbaden gedrehten Films "Crescendo". Vergeblich hat der berühmte Dirigent Sporck bislang versucht, aus jungen israelischen und palästinensischen Musikern ein Orchester zu formen. Das Orchester soll anlässlich einer Nahost-Friedenskonferenz ein Konzert geben und ein Zeichen gegen den Hass setzen. Ein Unterfangen, das sich bislang als Mammutaufgabe erweist.

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Und so arbeitet Sporck nicht nur als musikalischer Leiter, sondern auch als Vermittler und Therapeut. Mit wachsendem Erfolg. Als am Ende alle fertig gebrüllt haben, sitzen sich die Musiker gegenüber und erzählen von den teils schlimmen Erfahrungen, die sie oder ihre Familie mit der Gegenseite gemacht haben - und das gegenseitige Verständnis wächst.

Idealbesetzung Peter Simonischek

Peter Simonischek, Star des Wiener Burgtheaters, ist dabei eine Idealbesetzung. Natürlich und souverän gibt der Österreicher die charismatische Respektsperson mit Versöhnungsmission, die selbst eine schwere Familiengeschichte mit sich herumträgt: Sporcks Eltern waren NS-Ärzte im KZ Birkenau, und das nagt auch im Alter noch an ihm. Und doch: "Ich habe auch gedacht, zwischen Juden und Deutschen könne es keinen Frieden geben", gibt er den jungen Musikern mit auf den Weg.

Crescendo Filmstills

Die Aussage des Films sei der Grund für ihn gewesen, die Rolle anzunehmen, sagte Simonischek im Interview während der Dreharbeiten im Sommer 2018 RheinMain CongressCenter in Wiesbaden. Hier wurden aus Kostengründen die Innenaufnahmen des Castings der Musiker gedreht, die im Film in Tel Aviv stattfinden.

Nahost-Konflikt geschickt ins Spiel gebracht

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Crescendo": Ein Film, der von den leisen Tönen lebt

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Für Simonischek war also wichtig: "Dass Hoffnung genährt wird. Und dass man auch nicht müde wird, diese Hoffnung zu nähren." Hoffnung, dass Israelis und Palästinenser eines Tages zu einem friedlichen Zusammenleben finden.

Dass diese Aussage nicht didaktisch daher kommt, liegt an Simonischek, aber auch an den anderen natürlich und souverän spielenden Darstellern. Und das Drehbuch, das von Daniel Barenboims West-Eastern Divan Orchestra inspiriert wurde, ist wohl durchdacht: Über die Orchester-Mitglieder und ihre Familiengeschichten bringt es die unterschiedlichsten Aspekte des Nahost-Konflikts geschickt ins Spiel.

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"Crescendo"

"Crescendo" wurde von der HessenFilm gefördert. Der Film wurde in Wiesbaden, Frankfurt, Tirol und Tel Aviv gedreht und war 2019 für den Hessischen Film- und Kinopreis in der Kategorie "Bester Spielfilm" nominiert. Regie führte Dror Zahavi. Neben Peter Simonischek ("Toni Erdmann") sind Bibiana Beglau, Daniel Donskoy, Sabrina Amali und Götz Otto zu sehen. Kinostart ist der 16. Januar.

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Einziger Kritikpunkt ist eine recht schematisch eingeflochtene Liebesgeschichte, die der Film wahrscheinlich gar nicht gebraucht hätte. Dafür spart er sich ein Happy End und verabschiedet sich lieber mit einer zu Tränen rührenden Schlussszene. Absolut sehenswert!