Hans Joachim Mendig (li.) traf sich in Frankfurt mit AfD-Chef Jörg Meuthen und PR-Berater Moritz Hunzinger (re.)

Mehr als 500 Filmschaffende forderten seinen Rücktritt, weil er sich mit AfD-Bundeschef Meuthen traf. Den Gefallen tat Hessens Filmförderungschef Mendig seinen Kritikern nicht. Nun hat der Aufsichtsrat entschieden.

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Ein im Juli veröffentlichtes Instagram-Foto hatte Hans Joachim Mendig zunehmend in die Kritik gebracht. Die Aufnahme aus einem Frankfurter Restaurant zeigt den Geschäftsführer der hessischen Filmförderung gemeinsam mit dem PR-Berater Moritz Hunzinger und dem AfD-Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen. Nun zieht der Aufsichtsrat der Filmförderung unter Vorsitz der hessischen Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) Konsequenzen.

Das Gremium beschloss am Dienstag in einer zweieinhalbstündigen außerordentlichen Sitzung im Ministerium für Kunst und Wissenschaft in Wiesbaden, die Zusammenarbeit mit Mendig zu beenden. Der Beschluss sei einstimmig gefasst worden, hieß es in einer aus gerade einmal zwei Sätzen bestehenden Pressemitteilung Dorns.

Eine Entscheidung, zwei Sätze

Auf welchem Weg die Zusammenarbeit beendet wird, ließ diese Erklärung offen. Auf Nachfrage wurde die Ministerin am Rande der Landtagssitzung gegenüber dem hr später etwas konkreter: Als Geschäftsführer sei Mendig nun abberufen, sagte sie. Demnach ist er vorerst noch auf der Gehaltsliste, aber schon nicht mehr in der Verantwortung. Alles andere müssten die weiteren Gespräche ergeben.

Eine Entlassung wäre mit den entsprechenden rechtlichen Hürden verbunden, ein Auflösungsvertrag wohl mit einer hohen Abfindung. Zum Rücktritt, den Kritiker von Mendig fordern, kam es nicht. Entsprechend vorsichtig blieb Dorn hinsichtlich der Begründung für eine Trennung.

"Rücktritte und Imageschaden"

Auf diese Frage erwähnte sie das Mendig-Meuthen-Treffen nicht direkt, sondern die Folgen. Themen der Aufsichtsrats-Sondersitzung seien gewesen "die Ankündigung vieler Filmschaffender, nicht mehr mit der HessenFilm zusammenarbeiten zu wollen, die Rücktritte von Jury-Mitgliedern und ein möglicher Imageschaden für das Land und die HessenFilm".

Von Mendig war am Dienstagnachmittag keine Stellungnahme zu erhalten. Er hat geltend gemacht, bei dem Treffen habe es sich um eine Privatangelegenheit gehandelt. AfD-Chef Meuthen, der das Foto auf seinem Account gepostet hatte, charakterisierte die Zusammenkunft als "konstruktiven politischen Gedankenaustausch".

Wachsender Druck, wachsende Sorge

Eine Trennung hatte sich vor der Aufsichtsratsentscheidung längst abgezeichnet. Ministerin Dorn war schon zuvor von Mendig abgerückt und hatte vergangene Woche erklären lassen: Sie beobachte die wachsende Entfremdung zwischen Mendig und Vertretern der Filmbranche "mit zunehmender Sorge".

Bei der Bekanntgabe der Nominierten für den Hessischen Film- und Kinopreis hatte Geschäftsführer Mendig am vergangenen Freitag bezeichnenderweise gefehlt.  Mehr als 550 Regisseure, Schauspieler und andere Filmschaffende hatten ihn zuvor zum Rücktritt aufgefordert. Er sei untragbar in der Position, die er seit 2016 inne hat.

Rolle missachtet?

Den Protestbrief an Dorn hatten unter anderem Iris Berben, Dominik Graf und Jasmin Tabatabai unterzeichnet. Ihr Vorwurf: Als Geschäftsführer einer Landesinstitution müsse Mendig Überparteilichkeit, Offenheit und demokratische Kultur verkörpern. Und weiter: "Mit der Demonstration seiner privaten Nähe zu Personen, die all dies strikt ablehnen, hat Mendig eindeutig seine Rolle als öffentliche Person einer Landesinstitution, die das Land Hessen vertritt, missachtet." Deshalb müsse er gehen.

Auf Distanz waren schließlich auch die Dozenten der Hessischen Film- und Medienakademie und sogar die Mitarbeiter der hessischen Filmförderung selbst in öffentlichen Stellungnahmen gegangen. hr-Intendant Manfred Krupp hatte sich irritiert über das Zusammentreffen von Mendig und Meuthen gezeigt. Der hr gibt jährlich 750.000 Euro Fördergeld in die hessische Filmförderung, sitzt in Aufsichtsrat und Fördergremien.

Rückendeckung für Mendig von der AfD

Kritik an der Aufsichtsratsentscheidung kam am Dienstag von der AfD-Landtagsfraktion. Deren Vorsitzender Robert Lambrou kritisierte den Umgang mit Mendig als "undemokratisch". Die Gründe für die Abberufung seien vorgeschoben und in Wahrheit politisch. Mendig habe sich schließlich nichts zu Schulden kommen lassen.

AfD-Fraktionsgeschäftsführer Frank Grobe kündigte an, die Entscheidung im Landtagsausschuss für Kunst und Wissenschaft zum Thema zu machen. In einer demokratischen Gesellschaft müsse es möglich sein, "Privatgespräche zu führen, ohne damit seinen Arbeitsplatz zu gefährden".

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 24.09.2019, 19.30 Uhr