Szene aus dem Dschungelbuch

Summen Sie doch spontan mal ein Lied aus einem Disney-Film. Die Musik vieler Disney-Klassiker bleibt in unserem Gedächtnis. Warum das so ist und wie Sound und Bilder zu einem emotionalen Erlebnis verschmelzen, zeigt das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt.

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zum Video "Sound of Disney“ im Filmmuseum

hs
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"Heiho, heiho, wir sind vergnügt und froh", trällern die Zwerge auf ihrem Heimweg aus der Diamantenmine, bevor sie in ihrer Hütte das vermeintlich tote Schneewittchen treffen. "Probier's mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit" - ein Ratschlag, der in vielen Lebenslagen durchaus hilfreich sein kann. Fast jeder kann diese Zeilen spontan mitsingen, dabei ist das Dschungelbuch im Original aus dem Jahr 1967, der Zwergensong aus Schneewittchen hat sogar noch 30 Jahre mehr auf dem Buckel, er stammt aus dem Jahr 1937.

Die Musikwelten aus den Disney-Filmen sind längst selbst zu Klassikern geworden. Grund genug für das Deutsche Filminstitut und Filmmuseum, den Liedern und den Sounds aus den Animationsfilmen einmal auf den Grund zu gehen. Die Schau "Sound of Disney 1928 bis 1967" widmet sich der Klangwelt der Klassiker - von den Anfängen bis zum Dschungelbuch, dem letzten Film, an dem Walt Disney noch persönlich mitgearbeitet hat. In diese Zeit fallen solche Klassiker wie "Schneewittchen", "Bambi" oder "Susi und Strolch".

Disney schafft Geräuschwelten, die hängen bleiben

Wenn wir aus einem Kinofilm kommen und unseren Freunden davon berichten, sagen wir meist: "Ich habe einen Film gesehen." Für gewöhnlich liege die visuelle Ebene im Vordergrund, erklärt Kuratorin Daria Berten. "Das ist bei Disney anders. Da kommen Geräuschwelten zum Vorschein. Die Musik bleibt hängen, die Menschen erinnern sich daran."

Weitere Informationen

The Sound of Disney 1928 bis 1967

7. August bis 10. Januar 2021
Deutsches Filmmuseum
Schaumainkai 41, 60596 Frankfurt
Öffnungszeiten: Di bis So 12 bis 18 Uhr
Eintritt: 9 Euro, ermäßigt 6 Euro

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Mit vielen Exponaten und vier interaktiven Stationen, bei denen Stimme, Geräusche, Musik und Synchronisation im Fokus stehen, können die Besucherinnen und Besucher in die Sound-Welten eintauchen. Dabei geht es nicht nur um bekannte Melodien, sondern auch um die Geräuschkulissen, die für die Filme der frühen Jahre komplett künstlich erzeugt werden mussten. "Es gab ja keine Computer, mit denen Töne entwickelt wurden", betont Berten.

So mussten zum Teil verrückte Gerätschaften erfunden werden, um die im Film gezeigten Dinge zum Leben zu erwecken. "Wie das eigentlich gemacht wurde, dürfte vielen nicht bekannt sein", weckt Kuratorin Berten die Neugierde.

Bambi (mit Schmetterling auf dem Schwanz) und Hase Klopfer

Schon am Eingang der Ausstellung sorgt eine große Soundinstallation dafür, dass individuelle Musik-Erinnerungen wachgekitzelt werden. Die dürften je nach Alter der Besucherinnen und Besucher ganz verschieden sein. Dass der Sound die Seele eines jeden Animationsfilms ist, hat Disney früh erkannt und in Perfektion umgesetzt. Los ging es 1928 mit seinem ersten Tonfilm "Steamboat Willie", der - wie viele weitere Filmausschnitte - in der Schau auch zu sehen ist. Held der Geschichte: eine menschenähnliche Maus, die die Trickfilmwelt erobern wird.

Donald Duck kommt persönlich vorbei - zumindest seine Stimme

Die Ausstellung wird in den kommenden fünf Monaten von zahlreichen Veranstaltungen begleitet. Neben Führungen und Workshops gibt es Vorträge und Konzerte. Bei Live-Veranstaltungen kann man Synchronsprecher-Legenden wie Peter Krause (seit über 30 Jahren die Stimme von Donald Duck) und Ernst Jacoby (Peter Pan) erleben, hinzu kommen Diskussionsrunden, beispielsweise zu den Geschlechterrollen oder der Entwicklung des Disney-Konzerns.

Szene aus dem Disney-Film "Pinocchio" - Meister Geppetto schnitzt an der Puppe Pinocchio, die auf der Werkbank sitzt

Dass Ausstellung und Begleitprogramm in Zeiten von Corona überhaupt stattfinden können, sorgt bei den Machern für sichtbar große Freude. "First out - last in", das sei das Schicksal der Kulturschaffenden, betont die ehemalige Kultusministerin Karin Wolff (CDU) und Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain in ihrem Grußwort.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So klingt der "Sound of Disney"

Szene aus Disneys Schneewittchen - Schneewittchen liegt im Sarg, der Prinz steht davor, die Zwerge im Halbkreis drum herum
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Kultur trage wesentlich zur Wertschöpfung in der Gesellschaft bei. Gern werde vergessen, dass der Kernbereich mit 1,3 Millionen Mitarbeitern in Deutschland in normalen Zeiten für einen Jahresumsatz von 168,3 Milliarden Euro sorge, sagt Wolff. Und so sei eine Pressekonferenz in diesen Zeiten mehr als nur die Vorstellung einer Ausstellung. "Es ist ein Zeichen dafür, dass etwas Neues anfängt."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 06.08.2020, 19.30 Uhr