Foto-Ausstellung Unwort des Jahres

Das beste an einer Vernissage? Klar, die Häppchen! Die Gespräche! Und, natürlich, Bilder angucken. Weil ihnen in der Corona-Krise genau das fehlt, ist eine Gruppe von Darmstädter Fotografen für ihre Ausstellung zum "Unwort des Jahres" kreativ geworden - inklusive Häppchen to go.

Seit mittlerweile 17 Jahren ist es eine feste Verabredung: Immer im März präsentieren neun Darmstädter Fotografen ihre Interpretation des "Unwort des Jahres" in 18 Einzelbildern. Von "Herdprämie" über "Gutmensch" bis zur "Klimahysterie" arbeiten sie sich auf kreative Weise an den Begriffen ab. Jeder auf seine eigene Art, immer in zwei Bildern pro Fotograf.

Foto-Ausstellung "Unwort des Jahres 2020"

"Wir wollen zeigen, wie wir selbst dieses Wort empfinden und das mit dem Medium ausdrücken, mit dem wir das am besten beherrschen, nämlich der Fotografie", erklärt Stefan Daub. Das Ziel dabei: Spaß an und Austausch über Fotografie fördern.

Wegen der Pandemie kann die Vernissage nun zum zweiten Mal in Folge nicht wie gewohnt stattfinden. Im vergangenen Jahr fiel sie genau auf den Beginn des ersten Lockdowns. "Die Bilder hingen an den Wänden. Wir hätten nur noch die Tür aufschließen und unsere Gäste begrüßen müssen", erinnert sich Daub.

Nicht alles geht im Digitalen

Um ihren Besuchern die Bilder trotzdem zugänglich zu machen, suchten sie nach schnellen digitalen Lösungen, boten einen Livestream und virtuelle Führungen an. "Wir haben aber festgestellt, dass der digitale Raum durchaus seine Grenzen hat", sagt Daub.

Denn: "Ob ich mir ein Foto auf meinem Laptop angucke oder ob ich vor zwölf Quadratmetern Bild stehe, das ist mal ein ganz anderer Schnack. Da wirken Bilder anders oder gar nicht." Auch das Zusammensein und der Austausch mit den Besuchern sei so nur begrenzt möglich gewesen.

Die Lösung: ein hybrides Modell

Deshalb geht die Künstlergruppe in diesem Jahr einen anderen Weg. Ein hybrides Konzept soll das beste aus dem analogen und dem digitalen Raum verbinden. In Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Darmstadt stellen sie ihre Arbeiten unter freiem Himmel aus. Ab Freitag, dem 12. März, sind die neun Bildpaare auf dem Georg-Büchner-Platz in großformatigen 2,5x5 Metern zu sehen.

Foto-Ausstellung "Unwort des Jahres 2020"

Weil die Unwort-Jury in diesem Jahr erstmals zwei Worte gekürt hat, haben sich die Fotografen aufgeteilt: Fünf von ihnen interpretieren "Corona-Diktatur", vier zeigen ihre Idee von "Rückführungspatenschaften".

Schon am Vorabend präsentieren die Fotografen ihre Werke in einer Online-Vernissage. Außerdem bieten sie online Interviews mit den Machern und Einblicke hinter die Kulissen. Daub erklärt: "Wir bringen dem Besucher mehr, als nur das Bild anzuschauen, nämlich die Entstehungsgeschichte." Das sei bei ihren Ausstellungen in der Vergangenheit zu kurz gekommen.

Unterstützung vom Land

Möglich ist das alles nur, weil die Künstlergruppe mit einem Projektstipendium vom hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Bürgerstiftung Darmstadt unterstützt wird. "Wir haben großes Glück. Das wäre ohne staatliche Hilfe nur ganz schwer denkbar gewesen", so der Fotograf.

Foto-Ausstellung "Unwort des Jahres 2020"

An diesem Glück, wie Daub es ausdrückt, wollen sie nun auch andere teilhaben lassen. Die Ausstellung machen sie deshalb zu einem lokalen Projekt. Die Bilder wurden in einer kleinen Druckerei bei Darmstadt gedruckt. Damit bei der Online-Vernissage auch Stimmung aufkommt, bietet ein ortsansässiges Café eine Häppchen-to-go-Box mit Kanapees und Wein zum Abholen an. Der gesamte Erlös daraus kommt dem Gastronom zugute.

"Wir möchten etwas zurückgeben"

Auch der Ort der Freiluft-Ausstellung ist bewusst gewählt. So werde die Aufmerksamkeit der Besucher und der Medien auf das Staatstheater gelenkt, erklärt Daub. "Man läuft zwar jeden Tag am Theater vorbei, aber dort nochmal verweilen zu können wegen dieser Fotoausstellung, das gibt dem Staatstheater nochmal eine Plattform, um wahrgenommen zu werden." Außerdem sei ein Rahmenprogramm mit Schauspielerinnen und Schauspielern des Theaters geplant.

Daub freut sich: "Aus so einer kleinen Fotoausstellung ist ganz viel ins Rollen gekommen. Das ist letztendlich das, was wir möchten: Kommunikation und Austausch."

Weitere Informationen

Land vergibt Stipendien für Kulturbranche

Im Rahmen des Kulturpaket I, mit dem das Landesministerium für Wissenschaft und Kunst im vergangenen Jahr Künstlerinnen und Künstler sowie Kultureinrichtungen in der Corona-Krise unterstützte, wurden Projekt- und Arbeitsstipendien vergeben. Rund 3.600 Arbeits- und rund 1.200 Projektstipendien wurden bewilligt. Lediglich das Programm der Projektstipendien wurde voll ausgeschöpft. Für 2021 ist ein neues Unterstützungspaket mit weiteren 3.600 Brückenstipendien angekündigt.

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