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Frankfurt will "World Design Capital" werden

Design - das ist nicht nur die schöne und funktionale Gestaltung von Dingen. Design bedeutet auch Gestaltung unseres Lebensraums und in diesem Sinne will Frankfurt als "World Design Capital 2026" neue Maßstäbe setzen. Bürgerinnen und Bürger sind zum Mitmachen eingeladen.

Frankfurt als Design-Hauptstadt der Welt? Da muss auch die Kulturdezernentin Ina Hartwig erstmal kichern. "Frankfurt, die unterschätzte Stadt", sagt die SPD-Politikerin lachend. Dabei habe man doch die Hochhäuser, die EZB und eine zentrale Lage in Europa!

Doch bei der Bewerbung um den Titel World Design Capital geht es nicht um Häuser oder Möbel oder andere schön gestaltete Dinge. Vielmehr will sich Frankfurt zusammen mit der ganzen Rhein-Main-Region als ein Labor für die demokratische Gestaltung unserer Lebenswelt präsentieren.

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World Design Capital

Alle zwei Jahre vergibt die mit der UNESCO verbundene World Design Organization diesen Titel – und immer geht es dabei um Konzepte, die dem Begriff Design auch eine gesellschaftliche Bedeutung verleihen. Derzeit trägt die spanische Stadt Valencia den Titel, 2024 sind es die Städte San Diego und Tljuana (USA/Mexiko).

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Raum für Demokratie

Matthias Wagner K, der Direktor des Museums Angewandte Kunst in Frankfurt, leitet die Bewerbung mit dem Titel "Design for Democracy. Atmospheres for a better life". Übersetzt heiße das "Gestalten wir, wie wir leben wollen", sagt Wagner K. Es gehe darum, Atmosphären zu schaffen, in denen Demokratie gelingt.

Ein rot lackiertes Fahrzeug mit der Aufschrift "Gestalten wir, wie wir leben wollen."

Dazu müsse man auch den öffentlichen Raum verändern und neu designen. "Die Gestaltung hat eine Auswirkung auf unser Verhalten im öffentlichen Raum", meint Wagner K. "Gehe ich schnell über den Platz? Oder lasse ich mich da nieder, um mit anderen zusammen etwas zu machen?“ Bei der Gestaltung seiner Plätze habe gerade Frankfurt noch "Luft nach oben".

Ernst May steht für demokratische Tradition

Dabei habe die Rhein-Main-Region eigentlich eine reiche Tradition des Designs mit demokratischem Anspruch, betont Kulturdezernentin Hartwig. Zum Beispiel die Siedlungen des Neuen Frankfurt, die in der Zeit des Stadtplaners Ernst May vor rund 100 Jahren neue Maßstäbe setzten für soziales Bauen. "Das war ein Glücksfall für Frankfurt", sagt Hartwig, "genauso wie später das Museumsufer."

Hinzu komme die demokratische Tradition der Stadt, symbolisiert durch die Paulskirche. Auch die will Ina Hartwig bei der Bewerbung herausstellen, ebenso wie die Vielfalt der gesamten Rhein-Main-Region, die man jetzt bündeln und ein Stück weit neu erfinden müsse – auch mit Blick auf die aktuelle Krise der Demokratie. 

Der öffentlicher Raum – ein Garten

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Designer Felix Kosok: Es lebe die 069-Ästhetik!

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Der aus Frankfurt stammende Grafik-Designer und Design-Wissenschaftler Felix Kosok ist ein Unterstützer der Bewerbung. Er sagt, man könne sich den öffentlichen Raum als einen Garten vorstellen. "Wie müsste dann das Design aussehen? Wie müssten wir diesen Raum gestalten und pflegen?"

Designerinnen und Designer hätten die Fähigkeit, Dinge neu zu denken. Doch bei der Gestaltung unserer Zukunft habe jeder und jede eine Stimme. "Da müssen wir alle zu Designern werden", fordert Kosok.

Mitmachen, Mitdiskutieren und Mitgestalten

Ein Forum dafür bietet ein feuerrot lackierter Wagen, der ab sofort durchs Rhein-Main-Gebiet tourt und bis zum 23. Oktober an verschiedenen Orten zum Mitmachen, Mitdiskutieren und Mitgestalten einlädt. So soll mit der Bewerbung um den Titel World Design Capital schon jetzt eine Bewegung gestartet werden, die für die Region vielleicht noch wichtiger werden könnte als der Titel selbst.

Die Stadt Frankfurt finanziert die Bewerbung mit 500.000 Euro, der Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main mit zunächst 250.000 Euro. Für konkrete Projekt-Ideen, die aus den Demokratie-Workshops entstehen, will der Kulturfonds zusätzlich bis zu einer Million Euro bereitstellen.

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