Filmstill "Eine Handvoll Wasser": Jürgen Prochnow und Milena Pribak alias Konrad und Thurba betrachten ein Aquarium.

Hollywoodglanz in Frankfurt: Das Lichter Filmfest wartet in diesem Jahr mit vielen Highlights auf, auch eine echte Schauspiel-Legende ist zu sehen - zumindest digital.

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hessenschau vom 27.04.2021
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Thurba ist zwölf Jahre jung, hat aber schon so viel Schlimmes hinter sich, dass es für ein ganzes Leben reicht. Nach einem Jahr Flucht strandete die Jemenitin im Jahr 2017 mit ihrer Mutter und zwei Brüdern in Hessen. Jetzt soll die Familie zurück ins Kriegsgebiet. Aber da will Thurba nicht mitmachen. Als die Abschiebung ansteht, springt sie aus dem ersten Stock ihres Wohnhauses, irrt zunächst herum und flüchtet schließlich in einen Keller.

Der gehört Konrad, einem 85-jährigen Griesgram. Als er ein Geräusch hört, bewaffnet er sich mit einer Nagelschusspistole und feuert in die Dunkelheit. Er verletzt Thurba, liefert sie aber nicht aus. Das Mädchen rührt ihn. Schließlich schlägt sie ihm einen Deal vor.

Erstklassig kuratiertes Programm

Wir sind im Film "Eine Handvoll Wasser" des Frankfurter Regisseurs Jakob Zapf. In die Rolle des Konrad ist Hollywood-Legende Jürgen Prochnow ("Das Boot") geschlüpft - und macht den Film zu einem Highlight des diesjährigen Lichter Filmfest Frankfurt International.

Cast Film "Eine Handvoll Wasser"

Vom 27. April bis 2. Mai sind bei Lichter unter anderem 18 internationale und 13 regionale Filme und Dokumentationen zu sehen - wie im vergangenen Jahr coronabedingt on demand. Auf dem erstklassig kuratierten Programm stehen oscarnominierte Filme wie "Quo vadis Aida" der bosnischen Regisseurin Jasmila Zbanic oder Dokumentationen wie "Wer wir waren" von Erfolgsregisseur Marc Bauder.

Regionale Filme mit internationalem Anspruch

Lichter rückt dabei die regionalen Filme aus Hessen in den Vordergrund - wie eben "Eine Handvoll Wasser", der unter anderem in Eschborn gedreht wurde. Einen so erfahrenen Star wie Jürgen Prochnow zu gewinnen, sei nicht so schwer gewesen wie man meinen könnte, sagt Regisseur Jacob Zapf: Prochnow sei wie die Figur des Konrad selbst als Kind aus Pommern geflohen und nach Deutschland gekommen.

"Das verbindet Konrad auch mit der Figur von Thurba", erklärt Zapf. "Deswegen war Jürgen Prochnow von Anfang an gut auf diesen Film zu sprechen und hat dann zugesagt."

Um Flucht geht es auch in dem teils in Kassel entstandenen Film "Borga" von York-Fabian Raabe. Der Film erzählt von dem Druck, der auf jungen Migranten lastet, wenn sie es nach Europa geschafft haben: Sie müssen ihre Familien in der Heimat unterstützen, koste es, was es wolle. Die Hauptrollen spielen Eugene Boateng und Christiane Paul.

"Man fragt einfach an"

Dem jungen Herborner Regisseur Christian Schäfer gelang es wiederum, den vielbeschäftigten Schauspieler Devid Striesow vom Drehbuch seines Debutfilms "Trübe Wolken" zu überzeugen. "Wenn man ein gutes Buch hat, dann fragt man einfach an" erklärt Schäfer, "man braucht sich nicht zu scheuen. Devid Striesow war begeistert von dem Buch und hat gesagt: Das mache ich!"

Devid Striesow

"Trübe Wolken" ist ein atmosphärisch dichtes Außenseiterporträt, das davon erzählt, was die Gesellschaft bei Menschen anrichten kann, die außerhalb der Norm stehen. Der 21-jährige Schauspieler Jonas Holdenrieder erhielt auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis für die Rolle ebenjenes Außenseiters Paul die Auszeichnung als "Bester Schauspielnachwuchs".

Motto von Lichter diesmal "Wandel"

Das Programm von Lichter steht in diesem Jahr unter dem Stichwort "Wandel", sagt Festivalgründer Gregor Maria Schubert. Wandel sei eine zentrale Herausforderung, der sich unsere Gesellschaft gerade im Wahljahr 2021 stellen müsse - Stichworte seien Verkehrswende, Wohnungsnot oder Digitalisierung. Diskutiert werde das Motto auch auf Online-Vorträgen, Debatten und Performances.

Die Organisation des Festivals sei wieder schwierig gewesen, da die Verleiher ihre Filme wegen der geschlossenen Kinos zurückhielten. Doch die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr hätten geholfen. "Wir haben versucht, ein Festival-Live-Feeling ins Internet zu bringen", erklärt Schubert. "Das hat gut funktioniert und aus der Erfahrung heraus haben wir noch mal eine Schippe draufgelegt."

Wer sich davon überzeugen will, kann sich auf der Seite des Lichter Filmfests registrieren. Über das persönliche Konto werden dann pro ausgewähltem Film acht Euro abgebucht. Die Tickets sind limitiert, die Filme bis 9. Mai abrufbar. Wer das Programm durchsieht, merkt sofort: Es lohnt sich.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 27.04.2021, 19.30