Zuhause ist Geborgenheit. Oder fällt mir zuhause inzwischen die Decke auf den Kopf? Ein Kunstprojekt im virtuellen Raum zwischen Frankfurt und Tel Aviv spürt dem Begriff "Home" nach und macht Künstlerinnen im Lockdown sichtbar.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Künstlerinnen in Frankfurt und Tel Aviv starten gemeinsames Projekt

Die Künstlerin Rotem Volk liegt am Strand mit einer Tasche über dem Kopf
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Rotem Volk ist Performance Künstlerin und lebt in Tel Aviv. Sie liebt es vor einem Publikum zu stehen. Seit fast einem Jahr ist das wegen Corona nicht mehr möglich. Ihre Lage ist existenzbedrohend. Die Israelin ist eine von zwölf Stipendiatinnen, des Frankfurter Webprojekts "Home Frankfurt Tel Aviv", ein Projekt, das im Frauenreferat der Stadt Frankfurt entworfen wurde. Bis März entsteht auf der Webseite ein neuer, gemeinsamer Raum für alle beteiligten Künstlerinnen, großes gemeinsames Thema ist "Home", "Zuhause".

Essen ausfahren als Kunst-Performance

Volk hat in Tel Aviv nun als Fahrradkurierin angeheuert, sie fährt Menüs aus, die online bestellt wurden. Sie betrachtet diese Tätigkeit als Teil einer künstlerischen Performance. "Ich verstehe meine Arbeit als eine Art Ritual", sagt sie: "Das Klingeln, das Türöffnen, der Austausch und das Bezahlen." Es gehe ihr in ihrem künstlerischen Projekt vor allem um die kleinen menschlichen Gesten und Momente vor der Haustür.

Künstlerinnen trifft die Krise besonders hart

Gerade Künstlerinnen sind von der Corona Pandemie in ihrer Arbeit besonders hart getroffen, sagt "Home Frankfurt Tel Aviv"-Kuratorin Sonja Müller. "Nicht nur die finanzielle Seite, sondern die Kunst insgesamt". Kunst und Kultur brauche ein Publikum, und deswegen müssten "kreative Formate" entwickelt und seitens der öffentlichen Hand finanziert werden, "damit Künstlerinnen in dieser unschönen Zeit sichtbar bleiben".

Web-Residencies bearbeiten das Thema "home"

Müller hat zusammen mit Linda Kagerbauer vom Frauenreferat der Stadt Frankfurt zwölf Künstlerinnen in Frankfurt und Tel Aviv ausgewählt, die sich während der Corona Pandemie mit dem Thema "Home" beschäftigen. Die zwölf Stipendiatinnen dürfen bis März auf der eigens dafür geschaffenen Webseite ihre Position zum Thema "Home" darstellen. "Wobei 'home' für jede Künstlerin natürlich etwas anderes bedeutet", sagt Kuratorin Müller, die die "Web-Residencies" betreut.

Wie klingt mein zu Hause?

Die Frankfurter Künstlerin Julia Mihaly experimentiert für das Projekt mit Geräuschen: der Uhr im Wohnzimmer, dem Klackern des Kühlschranks, dem Knarzen des Holzbodens. "Zu Hause ist natürlich ein Konstrukt", sagt Mihaly. Zu Hause könne sehr vielfältig sein: ein Ort, oder Menschen, oder Objekte, die man mit sich trägt. Sie versuche, diese Aspekte akustisch und visuell zu übersetzen. Wichtig sei auch die Zusammenarbeit mit den anderen Stipendiatinnen. "Ich habe mir überlegt, wie ich in dem Gesamtprojekt mit allen Künstlerinnen partizipieren könnte." Sie habe Ortsbezüge hergestellt und sich damit beschäftigt, dass die Künstlerinnen aus zwei Städten in verschiedenen Ländern sind, Frankfurt und Tel Aviv.

"My home is my... website"

Mihaly hat von Frankfurt aus die anderen Künstlerinnen eingeladen, ebenfalls Geräusche bei sich zu Hause aufzunehmen. Diese verwebt sie zu einer Klangcollage, die sie "Mapping Home" nennt. "So entsteht ein fiktives gemeinsames 'Zuhause', wo alle unterschiedlichen ‚Zuhauses‘ oder ‚homes‘ miteinander verwoben sind".

Bis März entsteht auf der Webseite "Home Frankfurt Tel Aviv" ein neuer Raum für alle beteiligten Künstlerinnen. Die Seite bleibt online bis zum Ende des Lock Downs. Erst danach ist eine physische Ausstellung in Frankfurt geplant, zu der dann auch die Frauen aus Tel Aviv eingeladen werden sollen. Bis das so weit ist, wird Performance-Künstlerin Volk in Tel Aviv aber vielleicht noch Essen auf ihrem Fahrrad ausfahren müssen.

Sendung: hr-iNFO, 14.01.2021, 12.47 Uhr