Innenansicht der Halle 3 bei der Frankfurter Buchmesse

Noch ist nicht entschieden, ob die Frankfurter Buchmesse 2020 stattfindet. Die Stadt ist allerdings fest entschlossen: Sie will dafür Platz abseits des Messegeländes einräumen und für Corona-Risiken geradestehen.

Dichtes Gedränge an den Messeständen, Lesungen vor großem Publikum, ausgebuchte Hotels in der Stadt: Unter normalen Umständen ist die Buchmesse in Frankfurt ein Menschen-Magnet. Gerade deswegen ist angesichts der Corona-Krise fraglich, ob die für Mitte Oktober geplante Messe in diesem Jahr überhaupt stattfindet.

Ende Mai will der Börsenverein des Deutschen Buchhandels als Veranstalter des weltweit wichtigsten Branchentreffs darüber entscheiden. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hat dagegen jetzt schon entschieden: Die Stadt will die Buchmesse durchziehen. Dafür hat sie bereits Maßnahmen ergriffen.

Weitere Hallen für mehr Platz

"Als Stadt werden wir alles tun, damit diese bedeutende Messe stattfinden kann", sagt Feldmann in einer schriftlichen Mitteilung. Der Oberbürgermeister hat bereits Nägel mit Köpfen gemacht: So habe die Stadt unter anderem mit der Messe vereinbart, dass zusätzliche Hallen genutzt werden können, um den Besuchern und Ausstellern mehr Abstand zu ermöglichen.

"Wir schaffen damit die Möglichkeit, mehr Quadratmeter dazu zu nehmen - ohne weitere Kosten für die Buchmesse. Die Messe schenkt diese Quadratmeter", betont Feldmann, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Messe Frankfurt ist.

Gesundheitsbehörden signalisieren Zustimmung

Auch die Gesundheitsbehörden hätten grünes Licht für ein Hygienekonzept gegeben, führt Feldmann aus. Zudem habe man in Absprache mit der Messe das Risiko für den Veranstalter minimiert, was etwa kurzfristige Stornierungen von Ausstellern angeht. Denn wer kann schon vorhersagen, wie die Corona-Situation im Herbst aussieht? Darüber hinaus habe die Stadt die Paulskirche sowie den Kaisersaal und den Limpurgsaal im Rathaus Römer schon einmal für Empfänge und Lesungen während der Buchmesse reserviert.

"Ich will alles in meinen Möglichkeiten tun, um die Kosten für die Buchmesse zu verringern", so Feldmann. Der RMV, auch hier sitzt der Frankfurter OB dem Aufsichtsrat vor, wolle mit der Messe ein Kombiticket für Besucher anbieten, die mit dem ÖPNV anreisen.

"Wahninniger Durst nach der Buchmesse"

Zu den Plänen Feldmanns hat sich der Börsenverein des Deutschen Buchhandels als Veranstalter noch nicht geäußert. Dort heißt es bislang nur, dass man Ende Mai entscheiden wolle und dass eine Organisation der Messe aufgrund der Corona-Pandemie "mit einem hohen Maß an Unwägbarkeiten verbunden" sei.

Der Veranstalter geht davon aus, dass auf jeden Fall auch im Oktober "noch eine ganze Reihe an Einschränkungen" bestehen werden. Es gebe aber "einen wahnsinnigen Durst nach der Buchmesse. Viele Marktteilnehmer wollen sie", sagte Börsenverein-Vorsteherin Karin Schmidt-Friderichs Anfang der Woche der Frankfurter Rundschau: "Wir werden mit Anrufen und E-Mails überhäuft." Klar sei aber schon jetzt: "Die übliche drangvolle Enge in den Messehallen wird es nicht geben."

Teils in Hallen, teils im Internet?

Möglich wäre es, die Messe teilweise in den Hallen und teilweise im Internet stattfinden zu lassen. Denkbar wäre eine "Virtualisierung" zum Beispiel beim Rechtehandel oder bei gesellschaftspolitischen Diskussionen.

Als die Leipziger Buchmesse im März kurz vor der Eröffnung abgesagt wurde, konnte man das schon mal üben. Es gab Aktionen im Internet und Einladungen im kleineren Kreis, der Preis der Leipziger Buchmesse wurde im Radio vergeben. Besser als nichts, bilanzierten die Verleger nach der "virtuellen Buchmesse", aber doch kein richtiger Ersatz für persönliche Begegnungen.

Mehr als 300.000 Besucher waren in den Vorjahren nach Frankfurt geströmt, fast 7.500 Aussteller aus über 100 Ländern angereist, die Liste der Veranstaltungen war so dick wie ein Buch. Das weltgrößte Event für Bücher soll in diesem Jahr am Abend des 13. Oktober eröffnet werden und bis 18. Oktober dauern.