Simulationen zu Neubauten von Oper und Schauspiel Frankfurt

Das Schauspiel bleibt am bewährten Platz, die Oper erhält einen Steinwurf entfernt einen Standort zwischen Bankentürmen: Frankfurts Kulturdezernentin Hartwig will mit diesem Vorschlag den jahrelangen Streit um die Städtischen Bühnen lösen.

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Vor drei Jahren offenbarte die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), dass die in Teilen marode Doppelanlage von Schauspiel und Oper am Willy-Brandt-Platz im Grunde nicht zu retten sei. Eine spätere Berechnung ergab, dass eine Sanierung rund eine Milliarde Euro kosten und dennoch Wünsche offen lassen dürfte. Für die Summe bekomme man auch einen oder zwei Neubauten.

Spätestens seitdem zerbrechen sich Kommunalpolitiker, Stadtplaner und Kulturinteressierte die Köpfe: Kann man beide Häuser nicht doch am bewährten Platz erhalten? Soll man beide Sparten trennen? Wo könnten der Neubau beziehungsweise die Neubauten stehen?

Zwei getrennte Häuser

Im Kulturdezernat hat man nun einen an sich naheliegenden Vorschlag erarbeitet, nachdem die Stadtverordneten im Januar den Neubau beider Häuser oder eine neue Doppelanlage beschlossen hatten. Einer sieht vor, dass das Schauspiel auf die andere Seite des Willy-Brandt-Platzes zieht und die Oper dort neu gebaut wird, wo jetzt noch das Sprechtheater steht.

Hartwigs Favorit ist aber diese Idee: Der Neubau der Oper entsteht wenige hundert Meter weiter anstelle der alten Sparkassen-Zentrale an der Neuen Mainzer Straße. Die Doppelanlage würde abgerissen, an ihre Stelle träten das neue Schauspielhaus und etwas mehr Stadtgrün. Das grüne Band der Wallanlagen um Frankfurts Innenstadt wurde dort einst für den Bau des Opernhauses unterbrochen. Es wäre spannend, sagte Hartwig am Mittwochabend auf einer Podiumsdiskussion im Deutschen Architektur Museum, "diesen Dreiklang zwischen Hochhäusern, Wallanlage und Kulturbauten weiterzuentwickeln".

Simulationen zu Neubauten von Oper und Schauspiel Frankfurt

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte am Mittwoch zuerst über diesen Plan berichtet und erste städtebauliche Entwürfe des damit beauftragten und renommierten Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner präsentiert. Eine Sprecherin von Kulturdezernentin Hartwig bestätigte auf Anfrage von hessenschau.de den Plan.

Laut FAZ wäre die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) bereit, den Teil ihres Geländes sehr günstig oder kostenlos abzutreten, auf dem die alte Zentrale der Frankfurter Sparkasse 1822 steht. Im Gegenzug will die Stadt demnach der Helaba Baurecht für einen bis zu 200 Meter hohen Sparkassen-Turm geben, der damit höher ausfallen dürfte als bislang geplant.

Hin zur Kulturmeile im Bankenviertel

Im Kulturdezernat weist man darauf hin, dass man damit auch nicht eine jahrelange Ausweichspielstätte für die Oper suchen müsse. Für das Schauspiel träfe das aber wohl irgendwann zu, wenn es am selben Ort abgerissen und neu gebaut werden sollte. Sollte es so kommen wie nun geplant, entstünde im Bankenviertel eine Kulturmeile mit Theater, Dependance von Museum für Moderne Kunst, geplantem Ableger des Weltkulturenmuseums, Oper und Alter Oper.

Simulationen zu Neubauten von Oper und Schauspiel Frankfurt

Zwar gibt es Bürgerinitativen und Einwendungen von Städteplanern und Architekten, wonach die Doppelanlage als herausragendes Bauwerk aus der Moderne und Zeichen einer intellektuellen Wiedergeburt nach dem Zweiten Weltkrieg zu erhalten sei. Doch die politische Entscheidung für einen Neubau ist gefallen. Womöglich lässt sich das Glasfoyer mit den Wolkenornamenten in einem Neubau erhalten. "Ich glaube, das wünschen sich auch viele Bürgerinnen und Bürger in Frankfurt", sagte Hartwig. Das Landesdenkmalamt hält das Glasfoyer für bewahrungswürdig.

Vom Tisch wäre dann auch der Wunsch vor allem innerhalb der CDU-Fraktion im Römer nach Städtischen Bühnen am Fluss nach Art der Hamburger Elbphiharmonie. Das dafür ausgeguckte Grundstück im Osthafen läge eher weitab vom Schuss - und ist auf Jahrzehnte hinaus noch an den Baustoffhandel Raab Karcher verpachtet.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 19.06.2020, 16.45 Uhr