Stand auf der Frankfurter Buchmesse 2019

Die Corona-Pandemie wird die diesjährige Frankfurter Buchmesse nicht verhindern. Das hat der Aufsichtsrat der Buchmesse entschieden. Die Messe wird allerdings ganz anders aussehen als gewohnt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Frankfurter Buchmesse soll mit geändertem Konzept stattfinden

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Viele große Kultur-Veranstaltungen sind wegen der Verbreitung des Coronavirus schon abgesagt worden. Im März, zu Beginn der Pandemie, traf es als eine der ersten die Leipziger Buchmesse. Das soll der Frankfurter Buchmesse im Herbst nicht passieren. Geplant ist laut Aufsichtsrat, die Bücherschau vom 14. bis 18. Oktober auf dem Messegelände, dezentral in der Stadt und zeitgleich virtuell stattfinden zu lassen.

Im Vorjahr waren mehr als 300.000 Besucher nach Frankfurt geströmt und fast 7.500 Aussteller aus über 100 Ländern angereist. Die Frankfurter Buchmesse findet seit 1949 statt.

"Coronabedingt eine Sonderedition"

Ein detailliertes Gesundheits- und Hygienekonzept gewährleiste trotz der Corona-Pandemie die Sicherheit von Besuchern, Ausstellern und Mitarbeitern, teilte die Buchmesse mit. Buchmessen-Direktor Juergen Boos sagte: "In diesem Jahr ist es wichtiger als je zu vor, die Frankfurter Buchmesse durchzuführen." Die Buchmesse 2020 sei aber "coronabedingt eine Sonderedition".

Laut aktuellem Planungsstand soll die Buchmesse wie folgt ablaufen: Die Stände werden größer und die Gänge breiter sein als in den Vorjahren. Bühnenveranstaltungen sollen ins Internet oder an andere Orte abseits des Messegeländes verlegt werden. Die Zahl der Besucher wird begrenzt, auf wie viele hängt von der belegten Gesamtfläche ab.

Am Wochenende soll - Stand jetzt - auch das Lesepublikum willkommen sein. Der Einlass soll nach einer vorherigen Anmeldung samt Auskunft über den Gesundheitszustand kontaktlos erfolgen.

Weniger internationale Gäste, Ehrengast ist Kanada

Zudem dürften weniger internationale Gäste kommen: Das hänge von den dann geltenden Reisebeschränkungen ab. Wie der Auftritt des diesjährigen Ehrengasts Kanada aussehen wird, ist noch nicht entschieden. Unter dem Motto "Singular Plurality" will das Land vor allem die Mehrsprachigkeit seiner Literatur herausstellen. Man berate aktuell mit dem Ausrichter "über ein der Situation angepasstes Konzept", hieß es am Mittwoch.

Zum ersten Mal soll die Buchmesse außerdem eine Woche lang virtuell stattfinden. Geplant sei unter anderem, Neuerscheinungen und Autoren auch digital vorzustellen und Diskussionen mit den Lesern im Netz anzustoßen. Die konkreten Formate würden aktuell noch entwickelt, sagte Direktor Boos.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Gesellschafter der Frankfurter Buchmesse, hat die Entscheidung als richtigen Schritt und wichtiges Zeichen begrüßt. "Zusammen mit der Frankfurter Buchmesse werden wir den Besuchern und Ausstellern die beste Buchmesse unter den gegebenen Umständen bieten", erklärte Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis.

Zuspruch aus der Politik

Erfreut reagierten Vertreter der Landesregierung. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) sprachen in einer gemeinsamen Erklärung von einer "zukunftsweisenden Entscheidung für die Stärkung des Messestandorts Frankfurt".

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) äußerte sich erleichtert: "Es ist ein wichtiges Signal für die Stadt, die Messe, die gesamte literarische Welt und die Internationalität unserer Heimatstadt." Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) sagte, die derzeitigen Einschränkungen würden "das Erlebnis der Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr verändern". Dennoch sei es wichtig, dass "der internationale Rechtehandel so aufrechterhalten wird, Bücher vorgestellt und Debatten angestoßen werden können."

Zuvor hatte die Stadt Frankfurt den Veranstaltern bereits ihre Unterstützung zugesichert. So hatte die Stadt unter anderem mit der Messe vereinbart, dass zusätzliche Hallen genutzt werden können, um den Besuchern und Ausstellern mehr Abstand zu ermöglichen.

"Virtuellen Geisterbahnhof" befürchtet

Die Meinung bei den Verlagen war bis zuletzt gespalten: Die einen hofften, dass die Messe wenigstens in abgespeckter Form stattfindet. Die anderen glaubten, ohne internationale Aussteller und mit wenig Publikum sei die Messe keineswegs sinnvoll. Mit einem "virtuellen Geisterbahnhof" sei keinem gedient, fürchteten die einen. Die Buchmesse sei "überlebenswichtig" für die Branche, mahnten die anderen.

Der Börsenverein hat angekündigt, seine jährlichen Auszeichnungen im Rahmen der Buchmesse ebenfalls zu den geplanten Terminen zu vergeben: den Deutschen Buchpreis am 12. Oktober, den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels am 18. Oktober.

Sendungsbezug: hr2, 28.05.2020, 8.45 Uhr