Die Buchmesse kann in diesem Jahr kostenfrei besucht werden - nicht auf dem Messegelände, sondern im Internet. Auf der Webseite der Buchmesse soll sich der Großteil der Bücherschau abspielen. Die zwei Besuchertage am Wochenende wird es dennoch geben.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Die Frankfurter Buchmesse 2020 wird digital

Wehende Fahnen vor den Eingängen der Frankfurter Buchmesse
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Eigentlich sollten vom 14. bis 18. Oktober Tausende Menschen auf das Frankfurter Messegelände strömen, doch nicht in diesem Jahr: Die Corona-Pandemie zwingt die Frankfurter Buchmesse dazu, ihre Schaubühne ins Internet zu verlegen.

Alle digitalen Angebote sollen in diesem Jahr kostenfrei sein - finanzielle Unterstützung bekommt die Buchmesse vom Bund. Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters (CDU), stellt für die coronabedingte "Special Edition" der Buchmesse vier Millionen Euro zur Verfügung.

"Wir haben nun mit dem digitalen Angebot eine einmalige Chance, für die nächsten Jahren die Weichen zu stellen", erklärte Buchmesse-Direktor Juergen Boos am Dienstag. Unter dem Motto "All together now" soll die Buchmesse zu großen Teilen auf der eigenen Webseite buchmesse.de stattfinden.

Logo der Frankfurter Buchmesse "Special Edition 2020" - zwei Hände zum Herz geformt mit dem Text All together now

Besuchertage bleiben

Neben einem umfangreichen digitalen Angebot, wird es aber auch eine Buchmesse auf dem Messegelände in Frankfurt geben. Von Mittwoch bis Freitag ist das Fachpublikum unter sich, am Samstag und Sonntag finden die Publikumstage statt - unter Corona-Bedingungen. Die Eintrittspreise für diese besonderen Publikumstage werden gesenkt.

Wie die Corona-Auflagen auf der Präsenzmesse konkret aussehen werden, sei noch nicht ganz klar, denn die Vorschriften änderten sich laufend. "Wir haben ein eigenes Hygienekonzept in Kooperation mit dem Gesundheitsamt - das Konzept passt sich ständig den Gegebenheiten an", wie Juergen Boos erklärte, "zu Beginn der Planungen waren zehn Quadratmeter pro Besucher nötig, aktuell sind es drei Quadratmeter pro Besucher."

Eine gemeinsame Bühne für alle

"All together now" heißt es auch für die beliebten Medienbühnen: Anstelle vieler verschiedener Bühnen, die in den Messehallen verteilt sind, wird es in diesem Jahr eine gemeinsame Bühne unter ARD-Führung geben. Zwei Drittel der Zeit wird die Bühne von der ARD bespielt, das restliche Drittel teilen sich weitere Medienpartner, wie ZDF, 3sat oder Arte. Damit möglichst viele Besucherinnen und Besucher die Gäste live erleben können, wird die Bühne in der Festhalle stehen - alle Gespräche mit den prominenten Gästen werden live übertragen. Auch weitere Abendveranstaltungen werden in der Festhalle stattfinden, wie die ARD Buchmessennacht am Freitag, den 16. Oktober.

Wie viele Aussteller zur Messe kommen werden, wird die Buchmesse erst Mitte August bekanntgeben. Der Schwerpunkt werde wegen der Corona-Reisebeschränkungen aber naturgemäß auf Deutschland und Europa liegen. Viele europäische Länder hätten bereits Gemeinschaftsstände gemeldet, erklärte Boos. Die digitale Messe werde jedoch die internationale Dimension der Frankfurter Bücherschau widerspiegeln. "Digital bedeutet, dass wir auf der ganzen Welt stattfinden werden. Es ist wichtig für alle Autoren und Verleger, die nicht nach Frankfurt kommen können."

Der Deutsche Buchpreis und der Friedenspreis an Amartya Sen werden im Kaisersaal des Römers bzw. in der Paulskirche verliehen. Die Buchpreis-Verleihung werde jedoch ohne Publikum vor Ort stattfinden. Wie die traditionelle Eröffnungsfeier am Buchmesse-Dienstag auf dem Messegelände genau aussehen wird, sei noch in der Planung.

Bookfest wird digital, Kanada bleibt daheim

Das internationale Kultufestival Bookfest, das sonst über die gesamte Woche in der Stadt spielt, wird nun an einem Tag stattfinden: Am Buchmesse-Samstag (17. Oktober) sollen Gespräche, Performances und Diskussionsrunden an vielen Orten in der Stadt stattfinden, die dann auch live gestreamt werden.

Ehrengast Kanada musste seinen physischen Auftritt um ein Jahr verschieben. 2020 sind aber zahlreiche digitale Events geplant – sowohl im Rahmen des Publikumsprogramms als auch bei den Fachveranstaltungen der Frankfurter Buchmesse 2020.

Zuspruch für Festhalten an Messe

Ende Mai hatte der Aufsichtsrat der Frankfurter Buchmesse bereits angekündigt, trotz der Corona-Umstände an der weltweit größten Buchmesse festhalten zu wollen. Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) hatten von einer "zukunftsweisenden Entscheidung für die Stärkung des Messestandorts Frankfurt" gesprochen.

Die Schwester-Veranstaltung, die Leipziger Buchmesse, wurde zu Beginn der Pandemie im März abgesagt - der mdr hatte spontan eine virtuelle Buchmesse veranstaltet. 2019 waren mehr als 300.000 Besucher zur Buchmesse nach Frankfurt geströmt und fast 7.500 Aussteller aus über 100 Ländern angereist. Die Frankfurter Buchmesse findet seit 1949 jährlich statt.