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Audioseite Zehnte Ausgabe der Frankfurter Immigrationsbuchmesse

Menschen stehen an einem Büchertisch

Sie schreiben oder veröffentlichen auf Deutsch, haben aber den besonderen Blick durch ihre Herkunft: Auf der Frankfurter Immigrationsbuchmesse präsentieren sich Autorinnen und Autoren, die nicht so oft gehört werden.

Unmengen von Büchern, Stände mit internationalen Autoren und interessante Lesungen, das alles in Frankfurt - klar, da denkt man erst mal an die Buchmesse im Oktober, die gerade als Ziel ausgegeben hat, dieses Jahr am Tag bis zu 25.000 Besucher zu empfangen. 

Aber zuvor gibt es noch eine Bücherschau der anderen Art: die Immigrationsbuchmesse. Sie ist kleiner, hat auch einen anderen Fokus und findet in diesem Jahr zum zehnten Mal statt. Nachdem in den vergangenen Jahren das Historische Museum Austragungsort war, ist man dieses Jahr angesichts der Corona-Unsicherheiten ins Freie umgezogen, ganz unprätentiös auf einen Bolzplatz im Frankfurter Stadtteil Heddernheim.

Hier geht es nicht nur ums Geschäft 

Mann in bengalischen Gewand filmt mit dem Smartphone

Dieser Ort passt ganz gut zu dieser Buchmesse, die bewusst ganz anders ist als die große auf dem Frankfurter Messegelände, meint ihr Gründer Hamidul Khan: "Bei der großen Oktoberbuchmesse geht's um das Copyright, wie man ein Geschäft machen kann, das ist das Ziel. Unser Thema ist Integration und die Sehnsucht nach Gleichberechtigung in Deutschland."

Oft ist das Wort Integration ja nur ein Schlagwort, ein Lippenbekenntnis. Nicht aber bei dieser besonderen Buchmesse, betont Khan. Er selbst ist in Bangladesch geboren, lebt aber seit über 40 Jahren in Deutschland. Die Veranstaltung sei ein bewusstes Sich-Einfügen: Viele Autoren und Autorinnen der Messe haben zwar eine andere Muttersprache, schreiben aber auf Deutsch. Im Gegensatz zu den meisten deutschen Muttersprachlern beschäftigen sie sich häufig mit Themen wie Immigration, Integration oder Menschenrechte.

Sichtweisen oft nur für ein kleineres Publikum 

Auf der großen internationalen Buchmesse im Oktober findet man die meisten dieser Autoren nicht, sagt Khan. Weil ihre Themen und Sichtweisen oft nur ein kleines Publikum interessiert oder weil sie in kleinen Verlagen publizieren, die sich den Stand auf der großen Messe nicht leisten können.

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10. Frankfurter Immigrationsbuchmesse

Am 4. und 5. September ab 12 Uhr im Frankfurter Stadtteil Heddernheim, auf dem Bolzplatz am Max-Kirschner-Weg, Ende Ludwig-Reinheimer-Straße. Das ganze Programm gibt es hier.

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Trotzdem sind die Themen an sich absolut lesenswert, findet Pupuze Berber, die ein großer Fan der Immigrationsmesse ist: "Klar, man könnte das auch übers Internet bestellen, aber es ist noch mal was ganz anderes, da rumzublättern, zu sehen, zu lesen. Und das sind oft Bücher, die man so im Laden gar nicht bekommt. Von daher ist die Immigrationsbuchmesse keine Konkurrenz, finde ich, das ist eine Ergänzung." Sie selbst hat türkische Wurzeln und publiziert im Literaturclub "Frauen aus aller Welt", der ebenfalls einen Programmpunkt der Messe gestaltet.

Respekt statt Rache 

Pupuze Berber

Die Immigrationsbuchmesse findet in diesem Jahr - nach der coronabedingten Absage im vorigen Jahr - zum zehnten Mal statt. Ein kleines Jubiläum also. Für das Organisationsteam Hamidul Khan auch ein Anlass, die ganze Messe in diesem Jahr dem Gedenken der Opfer des Attentats von Hanau zu widmen. "Zwei Schwestern von Opfern zum Beispiel verkörpern genau unser Anliegen. Sie sind nicht auf Rache aus, sondern wünschen respektvollen Umgang und Integration. Deshalb haben wir gesagt, diese Messe und den Immigrationspreis widmen wir den Opfern von Hanau."

Literatin Safiye Can ist Gast der ersten Stunde 

Safiye Can

Auch eine der prominentesten Autorinnen dieser Messe, die Offenbacherin Safyie Can, ist bei der diesjährigen Mini-Buchmesse wieder dabei. Can ist mittlerweile mit ihrer konkreten und visuellen Poesie ein international bekannter Star und gedenkt zum Beispiel in ihrem Gedicht 'Der Einzeltäter' der Tat von Hanau. In den Anfängen der Messe war sie die erste Prominente vor Ort. Denn der Anfang war für die Spezialmesse nicht leicht, erinnert sich Hamidul Khan: "Da waren am Anfang bei einer Lesung nur 20 und insgesamt am Tag vielleicht 150 Leute. Aber das hat sich entwickelt, inzwischen kommen sogar Minister zur Eröffnung." 

Mittlerweile besuchen jedes Jahr rund 1.000 Menschen die zweitägige Buchmesse. Das liegt aber möglicherweise nicht nur an den Lesungen und den ungewöhnlichen Büchern, sondern bestimmt zum Teil auch an dem bunten Kulturprogramm mit viel Musik, ungewöhnlichen Instrumenten und Tanz.

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