Die Grafik zeigt die Plakate, welche den Jewrovision 2019 ankündigen.
Bild © jewrovision, hessenschau.de

Der größte Tanz- und Gesangswettbewerb für jüdische Jugendliche findet in der Frankfurter Festhalle statt. Die Frankfurter Gruppe will ihren Vorjahressieg verteidigen. Schon für die Proben gelten erhebliche Sicherheitsvorkehrungen.

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Talia genießt es sichtlich, wenn sie bei den Proben mit ihrem Solopart dran ist. Die 10-Jährige trägt ein graues Shirt mit einem Regenbogen aus glitzernden Pailletten und stolziert selbstsicher über die Bühne – also, über das, was auf dem Parkett im Proberaum mit Klebestreifen als Bühne markiert ist. Im großen Veranstaltungssaal des jüdischen Gemeindezentrums im Frankfurter Westend übt sie mit ihrer Gruppe für den großen Auftritt am Samstagabend.

Talia wollte unbedingt bei der Jewrovision 2019 am 2. Februar dabei sein: "Letztes Jahr habe ich die Jewrovision im Fernsehen angeschaut und dachte mir nur: wow! Und da ich jetzt genau im Alter bin, um mitmachen zu dürfen, bin ich zum Casting gegangen.“ Denn nur Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 19 Jahren dürfen dabei sein.

Die Jewrovision

Die Jewrovision wird seit 2002 jedes Jahr in einer anderen Stadt ausgerichtet - seit sechs Jahren ist der Zentralrat der Juden in Deutschland Veranstalter. Dieses Jahr also Frankfurt - und sogar in der Festhalle. Mit knapp 4.000 Gästen rechnet der Zentralrat. Und immerhin 1.500 Kinder und Jugendliche werden auf der Bühne in Gruppen auftreten. Vergangenes Jahr hat die Gruppe aus Frankfurt gewonnen - und diesmal hat sie fest vor, den Pokal wieder mit nach Hause zu nehmen.

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Berlin gewinnt die Jewrovision 2019

Leider hat es für den Frankfurter Beitrag diesmal nicht zum Sieg gereicht. Die Glückwünsche für den Sieg gehen in diesem Jahr an das Berliner Jugendzentrum Olam. Auf den zweiten Platz kam das Jugendzentrum Kadima Düsseldorf vor Am Echad Bayern. Das Frankfurter Jugendzentrum Amichai landete auf dem guten sechsten Platz. Das gesamte Endergebnis können Sie auf der Facebook-Seite der Veranstalter sehen.

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Ein Highlight für die Kinder und Jugendlichen: Die Jury ist mit Stars besetzt, Schauspielerin Susan Sideropoulus zum Beispiel oder Moderatorin Sonya Kraus. Und der israelische Shootingstar, Eurovision-Gewinnerin Netta Barzilai, wird zur Jewrovision kommen und auftreten.

Das Motto: Chai – Leben

Schon im vergangenen Jahr hat die Gruppe aus Frankfurt den Wettbewerb Jewrovision gewonnen.
Jewrovision 2018: Frankfurt hat gewonnen. Bild © Zentralrat der Juden in Deutschland/Gregor Zielke

Die Jewrovision hat jedes Jahr ein Motto, zu dem die teilnehmenden Gruppen ein Lied und eine Choreografie entwerfen müssen. Dieses Jahr: "Chai“, das hebräische Wort für Leben. Talia erklärt: "Letztes Jahr war das Thema 'The Circle of Life'; und das Motto dieses Jahr ist wie eine Fortsetzung.“

Das Jugendzentrum der jüdischen Gemeinde Amichai organisiert den Auftritt der Frankfurter Gruppe. Shoo und Aylin, zwei echte Frankfurterinnen, haben die Choreografie entwickelt und leiten die Proben. In Trainingsanzügen feuern sie die Kinder an. Die beiden Frauen haben schon im vergangenen Jahr die Choreografie entwickelt und damit gesiegt. Seit vielen Jahren sind sie in der Jugendarbeit tätig und bringen jungen Leuten das Tanzen bei.

"Die Community hier ist so stark“, erzählt Shoo beeindruckt. Ein solches Zusammengehörigkeitsgefühl kenne sie aus dem Hip-Hop, aber kulturell habe sie so etwas noch nie erlebt. Begeistert sind die beiden Trainerinnen auch davon, wie sehr die Kinder von der Gemeinde und dem Jugendzentrum unterstützt werden.

Pro Tag drei Stunden üben

Bis zur Jewrovision wird jeden Tag drei Stunden geübt. Talia hält ein imaginäres Mikrofon in der Hand und rappt: "Mein Freund und Vorbild begleitet mich mein Leben lang. Er sagt: Komm, hab Vertrauen in dich. Glaube daran. Halt dich ran! Auf dich komm es an!“ Um sie herum stehen knapp 50 andere Kinder auf der Bühne, singen, tanzen und trommeln.

Für das Motto "Chai" hat ein eigens gegründetes Komitee das Lied geschrieben. Die jüdische Identität spielt eine große Rolle darin, so singen sie zum Beispiel: "Mit Stolz tragen wir die Kippa wieder. Habe niemals gedacht, dass ich so freiheitlich leben werde." Kippa, im Plural Kippot, bezeichnet die kleine, kreisrunde Kopfbedeckung, die gläubige Juden tragen.

Sicherheitsvorkehrungen

Die Liedzeile spielt darauf an, was auch bei der Jewrovision eine Rolle spielt: Sicherheit. Es ist nicht irgendein Gesangs- und Tanzwettbewerb – sondern eine jüdische Veranstaltung. Und sie muss deswegen unter besonderem Schutz stehen. Auch die Trainerinnen Shoo und Aylin beobachten das: "Die Kinder hier werden alle Abends von ihren Eltern direkt vor der Tür abgeholt – nicht wie bei anderen Jugendzentren, wo die Kids einfach mit der U-Bahn nach Hause fahren.“

Das Gemeindezentrum hat besondere Sicherheitsvorkehrungen. Die Straßenseite vor dem Gebäude ist mit Betonpollern abgesperrt. Es gibt einen Zaun, und ohne Sicherheitsprüfung kommt man nicht rein. Talia erzählt, dass alle Teilnehmenden ab Freitag bis Veranstaltungsbeginn zusammen in einem Hotel untergebracht werden – "es darf halt keiner fehlen, und so ist sicher, dass auch alle da sind. Es werden auch sicher ein paar Sicherheitsleute mitkommen.“

"Stolz und froh"

Für das Mädchen ist so etwas völlig normal, und sie findet die Vorkehrungen gut: "Manchmal fühlt man sich ein bisschen beengt, aber es gibt auch einfach ein sicheres Gefühl. Und zu sehen, dass wir dann alle zusammen sind, macht einen stolz und froh.“

Ein letztes Mal geht die Gruppe an diesem Abend die Aufführung durch. Jetzt sind sogar Trommler dabei. Shoo und Aylin feuern die Kinder an, am Ende applaudieren alle. Talia ist sehr zufrieden mit sich und der Gruppe. Die Frage, ob sie am Samstag mit einem Sieg rechnet, erstaunt sie zunächst, dann kommt die Antwort prompt: "Natürlich!"