Max Weinberg
Der Künstler Max Weinberg Bild © Max Weinberg

Er war einer von Frankfurts buntesten Paradiesvögeln: Der deutsch-israelische Künstler Max Weinberg ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Die Stadt wollte ihn in diesem Jahr mit der Goetheplakette ehren.

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Der Künstler Max Weinberg und hr2-Kunstkritikerin Stefanie Blumenbecker

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Sein Markenzeichen: kajalumrandete Augen, bunte T-Shirts, ein langer Bart und lange Haare. Sein Lebensmotto: "Ich mache immer, was mir gefällt." Der Maler Max Weinberg war eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Frankfurter Kunstszene. Kurz nach seinem 90. Geburtstag im Januar ist er am Mittwoch gestorben.

Geboren wurde Weinberg am 19. Januar 1928 in Kassel als Sohn deutsch-polnischer Eltern jüdischen Glaubens. Weinberg hatte vier Geschwister: zwei Schwestern und zwei Bürder. Einer war mit einer schweren Behinderung geboren worden, die Nationalsozialisten ermordeten ihn in der Gaskammer in Hadamar im Rahmen der "Aktion T4".

Erste Bilder auf der Straße verkauft

Die restlichen Familienmitglieder flohen 1933 zunächst nach Belgien und schließlich 1935 nach Palästina. Hier verkaufte der gerade mal 13-jährige Max seine ersten Bilder auf der Straße. Ein Studium an einer religiös orientierten Kunstschule brach er ab, weil ihm der Unterricht zu gelenkt war.

1948 wurde er in die Armee des neu gegründeten Staates Israel eingezogen, eckte aber schnell an, weil er sich weigerte, einen palästinensichen Bauern zu erschießen. Es folgten Arrest, ein Hungerstreik und die unehrenhafte Entlassung aus dem Dienst.

Vom Kunstbetrieb zu wenig gewürdigt

Mit 23 Jahren schloss er einen lukrativen Exklusivvertrag mit einem Galeristen, der ihm sämtliche Gemälde abkaufte. Mit dem Erlös finanzierte er sein Studium an der Staatlichen Akademie für Kultur und Künste in Tel Aviv.

1959 zog er zurück nach Deutschland, nach Frankfurt, wo er sich an der Städel-Abendschule im Zeichnen weiterbildete. An der eigentlichen Städelschule wurde er nicht aufgenommen. Über die Jahre zeigte er sich in Interviews immer wieder enttäuscht darüber, vom öffentlichen Kunstbetrieb zu wenig gewürdigt zu werden.

Max Weinberg
Weinberg-Kunstwerk Bild © Max Weinberg

Bilder, die an Graffiti erinnern

Eine Riesen-Fangemeinde hatte er trotzdem: wegen seiner teils großformatigen grell-bunten, expressionistischen Bilder, die an Graffiti erinnern. Er liebte abstrakte Gestalten mit vielen Augen, Beinen und Brüsten. "Kunst muss leicht und verspielt sein", pflegte er zu sagen. In seinem Atelier in der Ostparkstraße empfing Weinberg viele Schulklassen und ausländische Reisegruppen, vor allem auch aus Israel.

Zu seinem 90. Geburtstag hatte die Stadt Frankfurt eine Jubiläumsschau geplant sowie einen Empfang in der Paulskirche. Außerdem war der Künstler in diesem Jahr für die städtische Goetheplakette vorgesehen.

"Wir werden ihn vermissen"

Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann und Kulturdezernentin Ina Hartwig (beide SPD) sagten zum Tode Weinbergs, Menschen wie er seien das kreative und intellektuelle Fundament, aus dem sich die Toleranz und Offenheit dieser Stadt speisten. "Ohne Max Weinberg wäre Frankfurt nicht nur bedeutend grauer, sondern auch deutlich kälter."

Feldmann hatte Weinberg noch Stunden vor dessen Tod am Mittwochvormittag im Krankenhaus besucht, wie der Oberbürgermeister berichtete - nach einem Besuch der aktuellen Weinberg-Ausstellung "Monumente und Meilensteine eines Künstlerlebens" in der Oberfinanzdirektion Frankfurt.

Auch die Landesregierung würdigte Weinberg: "Er war ein außergewöhnlicher Künstler, der für seine Arbeit brannte und uns mit dieser Leidenschaft begeistert hat", schrieb der hessische Kunstminister Boris Rhein (CDU) in einer Mitteilung vom Donnerstag. "Seine Werke waren so außergewöhnlich wie seine Persönlichkeit. Wir werden ihn vermissen."

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Ausstellung von Max Weinberg

In der Oberfinanzdirektion Frankfurt ist Weinbergs Kunst noch bis Donnerstag, 26. April zu sehen. Die Ausstellung "Monumente und Meilensteine eines Künstlerlebens" ist geöffnet von Montag bis Donnerstag zwischen 9 und 18 Uhr, am Freitag von 9 bis 12 Uhr.

Adresse: Main Triangel, Oberfinanzdirektion, Zum Gottschalkhof 3, 60594 Frankfurt (Bus 45 ab Frankfurt-Süd, Haltestelle Deutschherrnbrücke)

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