Eine Schwarze Frau sitzt auf einem Holztisch. Sie trägt einen grauen Overall mit grün und gelb gemusterten Ärmeln. Im Hintergrund ist eine Küche zu sehen.

Sie kommt auf die Bühne und unterbricht den Oberbürgermeister: Ihr Auftritt bei der Friedenspreis-Verleihung des Deutschen Buchhandels hat Mirrianne Mahn bundesweit bekannt gemacht. In der Frankfurter Stadtpolitik kämpft sie für barrierefreie Kultur.

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Zum Artikel auf hr-inforadio.de Kulturpolitikerin Mirrianne Mahn: "Bei Diversität geht es nicht nur um Hautfarbe"

Mirrianne Mahn
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Nur knapp zwei Minuten dauerte ihr Auftritt in der Paulskirche, doch er hat sie bundesweit bekannt gemacht.

Als der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sich bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels zur Debatte um Rechtsextremisten auf der Buchmesse positionierte, kam ungeplant Mirrianne Mahn, Stadtverordnete für die Fraktion der Grünen, an das Podium.

Als Schwarze Frau - so formulierte es Mirrianne Mahn dort - müsse sie das Paradox ansprechen, dass eine Schwarze Frau den Friedenspreis bekommen solle, während "Schwarze Frauen auf genau dieser Buchmesse nicht willkommen waren, weil nicht dafür gesorgt wurde, dass sie sich sicher fühlen". 

Viel Anerkennung, aber auch Drohungen

Viel Anerkennung, aber auch Kritik habe sie seitdem zu hören bekommen. Zu schaffen machten ihr Drohungen und rassistische Beleidigungen, die sie bis heute nicht nur per Mail und in den sozialen Netzwerken erreichten, sondern auch im direkten Kontakt.

Sie habe nicht für einen Boykott der Buchmesse plädiert und auch nicht gefordert, rechte Verlage nicht mehr zur Buchmesse einzuladen, betont Mahn. Aber über die prominente Platzierung von Rechtsextremen direkt neben Fernsehbühnen müsse gesprochen werden. 

Peter Feldmann (SPD) und Mirrianne Mahn (Grüne)

Aktivismus kein Widerspruch zu politischer Arbeit

Sie würde es wieder tun, den Gang ans Rednerpult der Paulskirche bereue sie nicht. Eine solche Form des politischen Aktivismus steht für Mirrianne Mahn nicht im Widerspruch zu ihrer Rolle als neu gewählte Stadtverordnete im Frankfurter Römer: "Es muss für mich zusammengehen, weil ich vor allem erstmal Mirrianne Mahn bin", stellt sie fest.

1989 in Kamerun geboren, aufgewachsen im Hunsrück, ist Mirrianne Mahn heute in Frankfurt zu Hause. Hier hat sie studiert, einen Food Truck betrieben, zwei Kinder erzogen, Theater gespielt. Seit einem Jahr ist sie Diversitätsbeauftragte des Kinder- und Jugendtheaterzentrums der Bundesrepublik mit Sitz in Frankfurt.

Erst geärgert, dann in die Kommunalpolitik gegangen

Im September 2020 trat Mahn der Partei der Grünen bei und beschloss, in der Kommunalpolitik aktiv zu werden. Sie habe sich geärgert über den Umgang der Stadtverordneten mit den Morden von Hanau.

Dass laut Aktionsplan der Stadt von Rassismus betroffene Kinder und Jugendliche in Filmen ihre Erfahrungen schildern sollten, fand Mahn "unter aller Sau". So würden diese Jugendlichen retraumatisiert. "Sie gehören empowert", meint Mirrianne Mahn, "wir müssen uns hinter sie stellen. Aber sie sind nicht dazu da, kostenlose Bildungsarbeit zu leisten."  

Ein halbes Jahr nach ihrem Eintritt bei den Grünen wurde Mirrianne Mahn ins Stadtparlament gewählt. Da ist sie auch Vorsitzende des Kulturausschusses, leitet die Sitzungen der Kulturpolitikerinnen und -politiker aller Fraktionen mit der Kulturdezernentin. "Immer wieder werde ich gefragt: Warum bist du denn nicht im Ausschuss für Diversität? Und ich denke, warum sollte ich da rein?", so Mahn.

"Wenn du es dir vorstellen kannst, kannst du es auch sein"

Diversität sei für sie eben "kein Randthema", sondern eins, das in allen Politikbereichen eine Rolle spielen müsse - natürlich auch in der Kultur. "Und ich brenne für die Kultur", sagt sie. Geschichten für eine immer diversere Stadtgesellschaft zu erzählen - gerade mit Blick auf das jugendliche Publikum - das sei ihr Ziel beim Theater.

Eine Schwarze Frau steht vor einer grauen Wand. Sie trägt ein weißes T-Shirt und stemmt die Arme in die Seiten.

Und das ist auch in der Kulturpolitik ihr Ziel. "Ich möchte, dass das kleine Mädchen im Rollstuhl sich vorstellen kann, die Heldin der Geschichte zu sein. Ich möchte, dass der kleine Schwarze Junge sich vorstellen kann, der Held der Geschichte zu sein, ohne in der Opferrolle zu sein. Wenn du es dir vorstellen kannst, dann kannst du es auch sein." 

Kulturinstitutionen müssten barrierefrei werden

Gerade die etablierten Kultureinrichtungen müssten ihre elitäre Ausstrahlung überwinden, wenn sie relevant bleiben wollten: "Allein wie Museen aussehen, wie das Schauspiel aussieht, wie die Alte Oper aussieht - das gibt marginalisierten Gruppen das Gefühl, dass das nicht ihre Räume sind."

Daher finde sie es gut, dass die neuen Häuser für Schauspiel und Oper in Frankfurt, wenn sie denn eines Tages gebaut werden, auch tagsüber geöffnet und wirkliche Treffpunkte sein sollen.

Diversität, das habe eben nicht nur mit Hautfarbe zu tun, sondern mit Barrierefreiheit in jeder Hinsicht und mit der Begegnung verschiedener Perspektiven. Dafür streitet die Kulturpolitikerin Mirrianne Mahn auf allen Bühnen, die sich ihr bieten.  

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