56 Erstunterzeichner der Frankfurter Erklärung Die Vielen auf den Stufen vor dem Historischen Museum Frankfurt
Erstunterzeichner der "Frankfurter Erklärung der Vielen" auf den Stufen vor dem Historischen Museum Frankfurt. Bild © Katrin Kimpel (hessenschau.de)

Zahlreiche Kulturschaffende haben am Freitag die "Frankfurter Erklärung der Vielen" vorgestellt. Damit zeigen Theater, Museen, Kunst und Künstler klare Kante gegen Rechts und reihen sich in eine bundesweite Aktion ein.

Es soll glänzen, das Statement der Frankfurter Kulturschaffenden. 56 Kulturinstitutionen der Stadt haben die "Frankfurter Erklärung der Vielen" unterschrieben, die am Freitag im Historischen Museum vorgestellt wurde - und es sollen mehr werden.

Die Frankfurter Unterzeichner proklamieren damit nach ihren Kollegen aus Berlin, Hamburg, Dresden und anderen Städten und Regionen einen Text, der klar formuliert, dass sie Kulturinstitutionen und Kulturschaffende vor völkisch-nationalistischen, fundamentalistischen, populistischen oder autoritären Ein- oder Übergriffen beschützen wollen. Die Kampagne ist Teil einer bundesweiten Initiative.

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Die Vielen

Für den 19. Mai 2019 ruft der Verein Die Vielen e. V. zu bundesweiten Demonstrationen in zahlreichen Städten auf. Das Erkennungszeichen ist magentafarbene Schrift auf goldglänzendem Hintergrund. Den Verein gibt es seit 2017.

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"Wir wenden uns gegen eine Verschiebung nach rechts und auch jedes andere menschenverachtende Verhalten", sagte Sophie Osburg vom Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaften der Universität Frankfurt, als Sprecherin der 56 Erstunterzeichner der Erklärung am Freitag. "Solchen Positionen wollen und werden wir keinen Raum geben." Jede Form von Rassismus, Homo- oder Transphobie, Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus oder Islamophobie werde geächtet.

Flyer "Die Vielen" in verschiedenen Sprachen
Französisch, Arabisch und ein Bembel: Die Flyer der Frankfurter "Die Vielen" sollen Menschen aus verschiednen Sprach- und Kulturkreisen ansprechen. Die magentafarbene Schrift und der goldgelbe Hintergrund sind bundesweit einheitlich für das Projekt. Bild © Katrin Kimpel

Kulturdezernentin: "Für die Rechten sind wir Feinde"

Die Frankfurter Erklärung wurde im Vergleich zu denen anderer Städte und Regionen um den Bereich der Wissenschaft erweitert. "Für uns leisten auch diese Einrichtungen nicht nur als kunstausbildende Institutionen, sondern auch darüber hinaus für den Diskurs in dieser Stadt einen entscheidenden Beitrag", sagte Osburg.

Die Erklärung unterzeichnet haben unter anderem der Direktor des Historischen Museums, Jan Gerchow, der Intendant des Künstlerhauses Mousonturm, Matthias Pees und Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Auch das Schauspiel, die Alte Oper und zahlreiche weitere Theater und Museen sind beteiligt.

Die Kulturdezernentin betonte am Freitag, die kulturellen Institutionen der Stadt seien für alle da und müssten vor Angriffen geschützt werden. "Für die rechtsnationalen und identitären Bewegungen sind wir keine politischen Gegner, sondern Feinde." Die Kulturpolitik der offenen, pluralen Gesellschaft werde offen verabscheut.

Diversität auch in den Institutionen

Auch das Jüdische Museum Frankfurt hat sich der Erklärung der Vielen angeschlossen. In Frankfurt gebe es eine viel größere Tradition der Pluralität und der Internationalität und eine viel größere jüdische Tradition, als in anderen deutschen Städten, sagte die Direktorin des Museums, Mirjam Wenzel. "Das war mir wichtig, dass sich das in der Erklärung widerspiegelt."

Konkret hat das Jüdische Museum Programme aufgesetzt, die sich direkt an Flüchtlinge oder benachteiligte Schülerinnen und Schüler wenden. "Wir nehmen das auch sehr erst, wer bei uns arbeitet: Wir haben zwei muslimische Kolleginnen und natürlich arbeiten jüdische und nichtjüdische Kollegen zusammen", sagte Wenzel.

Denn die "Frankfurter Erklärung Der Vielen" ist auch eine Selbstverpflichtung aller Institutionen, die Arbeit in den eigenen Häusern daraufhin zu prüfen, wo auch strukturelle Diskriminierung verhindert werden kann.

Sendung: hr-iNFO Kultur, 01.02.2019, 20.35 Uhr