Paulskirche in Frankfurt

Wie weiter mit der "Wiege der deutschen Demokratie"? Frankfurt diskutiert, wie die Paulskirche saniert werden soll. Eine Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum sammelt Argumente gegen die Rekonstruktion des Vorkriegsbaus.

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Paulskirche DAM
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Sie zählt mit Sicherheit zu den geschichtsträchtigsten Orten einer an Geschichte nicht gerade armen Stadt. Die Frankfurter Paulskirche gilt als Wiege der deutschen Demokratie. Als ein Gebäude, in dessen Architektur sich mehr als 170 Jahre deutscher Geschichte widerspiegeln. Demokratischer Aufbruch, Untergang, Wiederaufbau. Eine Geschichte, die sich ab kommenden Samstag im Deutschen Architekturmuseum nachvollziehen lässt, wenn die Ausstellung "Paulskirche - Ein Denkmal unter Druck" eröffnet wird.

Frankfurt im Retrofieber

Einen Versuch, die Baugeschichte von 1786 bis heute entlang der jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Strömungen darzustellen, versprechen die Macher. Gezeigt werden zahlreiche historische und aktuelle Fotos sowie Entwurfszeichnungen. Ein besonderes Augenmerk wird auf den Wiederaufbau nach 1945, sowie die Umbauten in 1960er- und 1980er-Jahren gelegt. Dazu gehörten schon damals Forderungen nach einer historischen Rekonstruktion. Und die werden auch wieder laut.

Rein architektonisch scheint in Frankfurt spätestens mit der 200 Millionen Euro teuren Rekonstruktion der Altstadtgassen zwischen Dom und Römerberg das Retrofieber ausgebrochen zu sein. Manche wünschen sich das Frankfurter Schauspiel in seiner opulenten Vorkriegsform zurück, andere eben eine originalgetreue Rekonstruktion der Paulskirche - samt Kuppel auf dem Dach und Empore im Innenraum.

Feldmann für "demokratische" Debatte

Peter Cachola Schmal, der Direktor des Architekturmuseums, spricht sich klar gegen eine Rekonstruktion des Vorkriegsbaus aus. Er empfiehlt, "das bundesrepublikanische Denkmal zu putzen und zu pflegen". Wollte man den Urzustand wieder herstellen, müsste man das Gebäude bis auf die Grundmauern abtragen und völlig neu bauen. "Einen Kompromiss zwischen Rekonstruktion und Heute gibt es nicht", sagt er.

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Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) möchte derweil über die äußere Form "demokratisch" entscheiden lassen, wie er bei der Vorbesichtigung der Ausstellung am Donnerstag sagte. Man könne nicht der Demokratie ein Denkmal setzen und dann anderen den Mund verbieten.

Feldmann hatte jüngst angeregt, die Paulskirche zu einem "Demokratiezentrum" weiterzuentwickeln. Entscheidend sei, "dass die Menschen verstehen, was der Geist der Paulskirche ist". Dass "Balustraden und Säulchen" dabei helfen, glaubt Feldmann nicht, die schlichte Form der Gegenwart sei hingegen "ein starker Hinweis".

Sendung: hr2, 06.09.2019, 07.14 Uhr