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Audioseite Frankfurter Salsa-Tänzer sollen auf den Kulturcampus umziehen

Tänzer in der Abend-Dämmerung, im Hintergrund das Hochhaus der EZB.

Tanzende, die sich jedes Wochenende direkt an der Gedenkstätte für deportierte Juden vergnügen - dagegen hatten jüdische Vertreter protestiert. Ein Runder Tisch sollte einen alternativen Tanz-Treffpunkt finden. Ob der Kompromiss funktioniert, muss sich zeigen.

Nach einer knappen Stunde waren sich die Organisatoren der Salsa-Tänzer und die Stadt Frankfurt einig: Schon ab Samstagabend sollen die Open-Air-Tanzveranstaltungen in einen Innenhof auf dem Kulturcampus im Stadtteil Bockenheim verlegt werden.

Damit scheint der Streit erst einmal beigelegt. Die Tanzenden hatten Kritik der Jüdischen Gemeinde und des Jüdischen Museums auf sich gezogen, weil sie bislang an der Europäischen Zentralbank direkt vor dem Mahnmal für die Deportation Frankfurter Juden tanzten.

Tänzer wollen Kompromiss mittragen

Dieser Vorwurf hatte auch die Tanz-Organisatoren nachdenklich gestimmt. Daher stimmten sie der Verlegung auf das Gelände der Universität jetzt auch zu.

Auch wenn sie den neuen Ort nicht für optimal halten, wie der Frankfurter DJ Tobias Anton direkt im Anschluss an den Runden Tisch dem hr sagte: "Ich bin glücklich über den Vorschlag und trage ihn selbstverständlich mit. Ich denke aber, dass wir noch weitere Kapazitäten schaffen müssen."

Vor allem eine Frage bewegt die Tanzenden: Wie werden die Anwohner des alten Campus der Universität auf die abendlichen Open-Air-Veranstaltungen mit Musik reagieren? Eine Generalprobe am vergangenen Mittwoch verlief aus Sicht der Organisatoren nicht vielversprechend.

Kurz nach 22 Uhr erschien die Polizei und bat die Tanzenden um Einhaltung der Nachtruhe. DJ Tobias Anton sagt: "Der Innenhof ist schön groß und attraktiv für Partys. Ich glaube aber nicht, dass wir da von Anwohner-Beschwerden verschont bleiben. Die Lärm-Problematik macht das Gelände nur bedingt geeignet."

Suche nach Alternativen geht weiter

Kulturamtsleiterin Sybille Linke hält den neuen Tanz-Ort dennoch für geeignet. "Das Tanzen an der EZB entsprach einfach nicht der Würde des Ortes. Deshalb ist es gut, erst einmal die Alternative auf dem Kulturcampus auszuprobieren und zu sehen, ob sie sich etablieren lässt." Gleichzeitig wolle die Stadt nach weiteren Tanzorten suchen.

Am Ende waren beide Seiten froh, den Konflikt vorerst gelöst zu haben. Auch wenn die Tanzenden gerne am Main geblieben wären.

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