Hilmar Hoffmann
Frankfurts Ex-Kulturdezernent Hilmar Hoffmann ist am Freitagabend gestorben. Bild © picture-alliance/dpa

Das Museumsufer, der Wiederaufbau der Alten Oper: Jahrzehntelang hat Hilmar Hoffmann mit dem Motto "Kultur für alle" Frankfurt geprägt. Nun ist der Ex-Kulturdezernent im Alter von 92 Jahren gestorben.

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An Bekanntheit konnte es kein anderer Kulturdezernent einer deutschen Stadt mit Hilmar Hoffmann aufnehmen. Mit seinem Motto "Kultur für alle" hatte er nicht nur Erfolg in Frankfurt: Der SPD-Politiker fand auch Nachahmer und Anerkennung weit über Hessen und Parteigrenzen hinweg. Am Freitagabend brach Hoffmann auf dem Weg in eine Klinik tot zusammen. Er wurde 92 Jahre alt.

Hoffmann starb auf dem Parkplatz vor dem Elisabethenkrankenhaus in Frankfurt. Reanimationsversuche von Ärzten scheiterten. Die Polizei bestätigte am Samstagvormittag einen entsprechenden Bericht der Bild-Zeitung.

Hoffmann - Erfinder des Museumsufers

Von 1970 bis 1990 war der SPD-Politiker Kulturdezernent der Stadt Frankfurt - und das aufgrund von Leistung und Renommee in den letzten Jahren auch unter CDU-Oberbürgermeistern. Sein Leitmotiv einer Kulturpolitik für alle Bürger zog sich durch sein gesamtes Schaffen, das sich auch städtebaulich sichtbar niederschlug. Er förderte freie Theater-Gruppen, kommunales Kino und Stadtteilbibliotheken ebenso wie er sein Herzblut in Großprojekte wie das Museumsufer und den Wiederaufbau der Alten Oper steckte.

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Blick auf die Alte Oper in Frankfurt

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Der Kulturmensch: Porträt zu Hilmar Hoffmanns 90. Geburtstag

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Von 1975 bis 1990 investierte Frankfurt enorme Summen, gut 1,4 Milliarden Mark, in Kulturbauten. In Hoffmanns Frankfurter Amtszeit fiel die Eröffnung von insgesamt 15 Museen. Kultur war seiner Meinung nach "ein Lebenselexier". Sie sei nötig, "um ein ganzer Mensch zu werden". Am Schauspiel Frankfurt führte er in den 1970ern ein Mitbestimmungsmodell ein: Der Intendantenposten wurde abgeschafft, Entscheidungen fällte ein Dreierdirektorium. Es bestand aus einem Regisseur, einem Bühnenbildner und einem Schauspieler, die sich an die Beschlüsse der Vollversammlung halten mussten.

Das letzte Buch erschien im Januar

Hilmar Hoffmann und Petra Roth
Frankfurter politische Schwergewichte: Der ehemalige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann (SPD) und die ehemalige Oberbürgermeisterin der Stadt, Petra Roth (CDU). (Archivbild August 2005) Bild © picture-alliance/dpa

Wegen Differenzen mit dem damaligen Oberbürgermeister Volker Hauff (SPD) schied er 1990 freiwillig aus dem Amt, obwohl er bis 1994 gewählt worden war. Er wurde in Frankfurt Geschäftsführer der Stiftung Lesen. Von 1992 bis 2001 war er dann als Präsident des Goethe-Instituts international tätig. In dieser Zeit stemmte er sich gegen drastische Sparmaßnahmen. In dieser Rolle sei er "ein Glücksfall" gewesen, lobte Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher Hoffmann zu dessen 85. Geburtstag.

2001 nahm Hoffmann den Vorsitz der Hessischen Kulturkommission ein. 2011 schied er dann aus allen Ämtern aus - untätig blieb er bis zuletzt nicht. Im Januar 2018 kam sein 50. und letztes Buch heraus. Der Titel: "Generation Hitlerjugend: Reflexion einer Verführung." Darin setzte er sich mit seiner eigenen Vergangenheit im Dritten Reich auseinander.

Vielfach ausgezeichnet

Hoffmann wurde am 25. August 1925 in Bremen geboren. Seine Karriere begann er als Regieassistent an den Städtischen Bühnen Essen. In Oberhausen leitete er eine Volkshochschule, gründete ein Kurzfilmfest und war von 1965 bis 1970 Sozial- und Kulturdezernent.

Hoffmann erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Filmband in Gold, die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt, den Hessischen Verdienstorden, das Bundesverdienstkreuz mit Stern und den Hessischen Kulturpreis.

Reaktionen: "Er hat Frankfurt besser gemacht"

Ministerpräsident Volker Bouffier und Kulturminister Boris Rhein (beide CDU) trauern um den Frankfurter Kulturpolitiker. Er habe die Kulturlandschaft Frankfurts maßgeblich geprägt, teilte die Staatskanzlei über Twitter mit. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sagte, Hoffmanns Tod sei "ein sehr großer Verlust für die Stadt". SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel nannte Hoffmanns Arbeit auf Twitter revolutionär.

Hilmar Hoffmann hat mit klarem sozialdemokratischen Kompass den Anspruch „Kultur für alle“ formuliert. Kultur nicht als Sache von Eliten, sondern als Angebot an alle, das war auf seine Weise revolutionär. Die Kultur in Frankfurt hat er damit geprägt wie keine Zweiter. @spdde

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Auch Omid Nouripour, Bundestagsabgeordneter der Grünen aus Frankfurt, äußerte sich über Twitter: "Hilmar Hoffmann hat Frankfurt schöner, besser und großartiger gemacht. Eine Institution ist von uns gegangen. Ruhe er in Frieden." Der hessische CDU-Vorsitzende Michael Boddenberg betonte, Hoffmann habe über Parteigrenzen hinweg "großen Respekt und hohe Anerkennung genossen".