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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Schauspieler Frédéric Brossier über "All you need"

Zwei Männer küssen sich

Vor über dreißig Jahren sorgte der erste schwule Kuss in der "Lindenstraße" für Aufregung. Jetzt hat die ARD mit "All you need" eine Serie mit vier schwulen Hauptdarstellern gestartet. Einer davon ist der Frankfurter Frédéric Brossier.

Auf den ersten Blick könnten Langzeitstudent Vince, der geheimnisvolle Robbie, der zum Spießer mutierende Webdesigner Levo und der erst spät geoutete Familienvater Tom nicht unterschiedlicher sein - und doch verbindet sie alle eines: die Suche nach Liebe und Geborgenheit.

"All you need" ist die erste queere Serie aus Deutschland. Sie erzählt die Geschichte von vier schwulen Männern in Berlin. Einer der Hauptdarsteller ist der Frankfurter Frédéric Brossier. Seine ersten Schauspielerfahrungen machte er während seiner Schulzeit im "Jungen Ensemble" des Theaters Rüsselsheim.

Im hessenschau.de-Interview erzählt er, warum die Dreharbeiten von einem Intimitäts-Coach begleitet wurden und wie die Serie in der schwulen Community gesehen wird.

hessenschau.de: Du spielst den Robbie in der Serie "All you need". Was ist das für ein Typ?

Frédéric Brossier: Robbie ist ein sehr gefühlvoller Mann, der auf seinen Körper achtet. Er macht viel Sport und ist gleichzeitig sehr emotional und hingebungsvoll. Er ist auf der Suche nach Zugehörigkeit.

hessenschau.de: Ist das eine Figur, die Dir persönlich nahe ist?

Frédéric Brossier: Ja, absolut. Auch ich bin vor zweieinhalb Jahren nach Berlin gezogen und war da auch erstmal ein bisschen allein. Ich glaube, das geht Robbie ganz ähnlich. Außerdem war ich - wie Robbie - als Kind recht pummelig (lacht). Da sind auf jeden Fall große Berührungspunkte.

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"All you need"

Die fünf Folgen der ersten Staffel sind in der ARD-Mediathek zu finden.

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hessenschau.de: Die vier Hauptfiguren von "All you need" repräsentieren sehr verschiedene Formen von Schwulsein und von Männlichkeit. Wie kommen die miteinander klar?

Frédéric Brossier: Die sind an ganz unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben, was ein gewisses Konfliktpotential mit sich bringt. Da ist zum Beispiel Tom, der sich von seiner Ehefrau getrennt hat und nun erst outet. Er möchte die Schwulenszene entdecken, ist aber zugleich mit Levo zusammen, der sich hingegen eher setteln möchte. Aber eigentlich sind sie sich alle wohlgesonnen und verstehen sich gut.

hessenschau.de: Sex spielt eine wichtige Rolle in der Serie, die Szenen sind zum Teil sehr explizit. Ihr hattet beim Dreh einen "Intimacy Coach". Wie kann der Euch bei Sexszenen helfen?

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Frédéric Brossier: Das war sehr hilfreich. Der Intimacy Coach ist in erster Linie Ansprechpartner. Mit ihm wird geklärt, was man bereit ist zu zeigen, wie weit man bereit ist zu gehen, ob es Sachen gibt, die man nicht machen möchte. Die Sexszenen wurden auch "choreografiert", also es gab eine festgelegte Abfolge. Aber es blieb uns überlassen, wie wir dazwischen navigieren.

hessenschau.de: Muss man selbst schwul sein, um das gut spielen zu können?

Frédéric Brossier: Ob das gut gespielt ist, liegt im Auge des Betrachters. Aber ich würde sagen, man muss nicht schwul sein. Dann geht es mehr darum, sich etwas an dem Gegenüber rauszusuchen, in das man sich verlieben kann. Und dann steht die Sexualität gar nicht mehr im Vordergrund, sondern die Liebesgeschichte.

Zwei Männer prosten sich auf einer Gartenparty mit Sekt zu

hessenschau.de: Manche haben kritisiert, dass gerade die erste Folge von "All you need" Klischees zeigen würde. Welches Bild vom Schwulsein wird in der Serie vermittelt?

Frédéric Brossier: Ich will nicht ausschließen, dass hier auch ein bisschen mit Klischees gearbeitet wurde, was ich auch ganz gut finde. Es gibt ja den Spruch: Klischees sind dazu da, bedient zu werden. Aber die Figuren sind viel tiefgründiger und widersprüchlicher und deswegen lösen wir uns in der Serie dann auch sehr schnell von den Klischees.

Es gibt so viele Lebensentwürfe wie es Menschen gibt und so viele schwule Liebesbeziehungen wie es Schwule gibt. Aber es ist eben auch Fakt, dass viele schwule und queere Menschen auf Dating-Apps unterwegs sind oder in die Schwulen-Sauna gehen. Und das war uns auch wichtig, dass das gezeigt wird.

hessenschau.de: Habt Ihr dazu auch Rückmeldungen aus der schwulen Community?

Frédéric Brossier: Es gibt ganz verschiedene Stimmen. Viele freuen sich, dass das gezeigt wird, und andere sind der Meinung, dass das überzeichnet ist. Wieder andere finden, dass es in einer queeren Community noch viel mehr Strömungen gibt. In der Serie können wir nicht alles abdecken, aber es kommen ja noch weitere Staffeln.

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IDAHOBITA*

Jedes Jahr am 17. Mai wird weltweit der "Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- & Asexuellenfeindlichkeit“ (IDAHOBITA*) gefeiert. An dem sollen die vielfältigen sexuellen Orientierungen und L(i)ebensweisen sichtbar werden, ebenso wie die Vielfalt der Geschlechter.

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hessenschau.de: Was kann die Serie gesellschaftlich bewegen?

Frédéric Brossier: Ich hoffe, dass die Serie Anstoß gibt auch für andere Produktionen. Queeres Leben umgibt uns, aber es ist nicht wirklich repräsentiert in der deutschen Film- und Serienlandschaft. Natürlich gibt es auch immer wieder queere Rollen, aber selten als Hauptfiguren. Ich finde es wichtig, dass sich Menschen mit anderen sexuellen Vorlieben in Serien und Filmen auch repräsentiert sehen.

hessenschau.de: Du bist in Rüsselsheim aufgewachsen und lebst jetzt in Berlin. Die Serie spielt auch in Berlin. Könnte sie auch im Rhein-Main-Gebiet oder in Rüsselsheim spielen?

Frédéric Brossier: Es muss nicht immer Berlin sein, es könnte auch eine andere Großstadt wie Frankfurt sein. Aber in Berlin gibt es auf jeden Fall eine große Infrastruktur von homosexuellem und queerem Leben. Das gibt es in Rüsselsheim eher weniger. In Berlin hat man auf jeden Fall viel mehr Spielmöglichkeiten, diese Szene zu zeigen.

Die Fragen stellte Christoph Scheffer.

Sendung: hr2 am Morgen, 17.05.2021, 8:20 Uhr.