Dieter Wedel Portrait

Der ehemalige Intendant der Bad Hersfelder Festspiele ist gestorben. Dieter Wedel galt als einer der größten deutschen Regisseure, war zuletzt aber wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs in Verruf geraten.

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Regisseur Dieter Wedel ist tot

hs
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Der Regisseur und frühere Intendant der Bad Hersfelder Festspiele Dieter Wedel ist tot. Er starb bereits am 13. Juli in Hamburg nach langer schwerer Krankheit, wie seine Anwälte mitteilten. Seinen Tod gab am Mittwoch das Landgericht München bekannt. Dort war ein Strafverfahren gegen Wedel anhängig.

Das Gericht hatte eigentlich am Mittwoch verkünden wollen, ob es zum Prozess gegen Wedel kommt. Das Verfahren gegen ihn wird nach Gerichtsangaben nun eingestellt.

Vorwurf: Vergewaltigung in Luxushotel

Die Staatsanwaltschaft hatte Wedel schon im März vergangenen Jahres wegen eines Vorwurfs aus dem Jahr 1996 angeklagt. Die Schauspielerin Jany Tempel gibt an, Wedel habe sie damals in einem Münchner Luxushotel vergewaltigt - ein Vorwurf, den Wedel bestritten hat.

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Die zwei Seiten des Dieter Wedel

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Über die näheren Umstände seines Todes ist noch nichts bekannt. Über sein Geburtsdatum gab es zu seinen Lebzeiten widersprüchliche Aussagen. Geboren wurde er nach jetzigen Angaben des Münchner Gerichts am 12. November 1939. Damit war er zum Zeitpunkt seines Todes 82 Jahre alt.

Mehrteiler schrieben Fernsehgeschichte

Der in Frankfurt geborene und in Bad Nauheim aufgewachsene Wedel zählte zu den erfolgreichsten deutschen Filmemachern.

Mit seinen Mehrteilern wie "Der große Bellheim" (1993), "Der Schattenmann" (1996), "Der König von St. Pauli" (1998) und "Die Affäre Semmeling" (2002) begeisterte er ein Millionen-Publikum und schrieb Fernsehgeschichte.

Zuschauerrekorde in Bad Hersfeld

Ab 2015 war Wedel Intendant der Bad Hersfelder Festspiele. Bei dem Freilicht-Theaterfestival stellte der promovierte Theaterwissenschaftler Zuschauer-Rekorde auf und sorgte dafür, dass viel Prominenz zur Eröffnung über den roten Teppich lief.

Hersfelder Festspiele

Die Festspiel-Leitung reagierte am Mittwoch mit großer Bestürzung auf die Todes-Nachricht. Intendant Joern Hinkel, sein Nachfolger und langjähriger Weggefährte, sagte laut einer Mitteilung: "Die Bad Hersfelder Festspiele haben seinem leidenschaftlichen Einsatz und Mut sehr viel zu verdanken. Ihr Ansehen in der Theater- und Festspiellandschaft ist auf sein Ringen um künstlerische Qualität, zeitgemäße Themen verbunden mit hohem Unterhaltungswert zurückzuführen."

"Aufsehenerregende Inszenierungen"

Wedel, sagte Hinkel weiter, habe mit aufsehenerregenden Inszenierungen, der Erschließung des Stiftsparks als Foyer im Grünen und prominent besetzten Schauspiel-Ensembles bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt.

Das hatte seinen Preis: 2017 spielten die Bad Hersfelder Festspiele ein dickes Minus von 600.000 Euro ein, für das viele Stadtverordnete Wedel verantwortlich machten. Trotz eines Rekord-Etats von 7,8 Millionen Euro sei es ihm nicht gelungen, den Finanzrahmen einzuhalten, hieß es damals.

"Bei den Festspielen viel bewirkt"

Der Bad Hersfelder Bürgermeister Thomas Fehling (parteilos) zeigte sich sehr betroffen und sagte: "Ich habe Dieter Wedel in den Jahren, in denen er hier gewirkt hat, immer als einen sehr ehrenwerten, offenen, verlässlichen und empathischen Menschen kennengelernt." Er habe in Bad Hersfeld viel bewirkt, die Festspiele mit Innovationen auf ein neues Niveau gehoben und viele sehr bekannte Schauspieler auf die Bühne der Stiftsruine geholt.

Intendant Dieter Wedel spricht und gestikuliert.

Rücktritt wegen #Metoo

Von seinem laufenden Vertrag trat Wedel im Januar 2018 zurück, nachdem ihm mehrere Schauspielerinnen - darunter Tempel - im Rahmen der #MeToo-Debatte sexualisierte Gewalt vorgeworfen hatten.

Dass durch die Gewalt-Vorwürfe und Ermittlungen nun ein großer Schatten auf Wedels Lebenswerk liegt, findet Fehling "außerordentlich bedauerlich". Die Vorwürfe passten nicht zu dem, wie er Wedel wahrgenommen habe. "Es fällt mir schwer, das übereinander zu bringen."

Wedel hat sechs Kinder von sechs Frauen, darunter einen Sohn mit der 2019 gestorbenen Hannelore Elsner. Bei den Festspielen war er vor allem an der Seite seiner Frau Uschi Wolters zu sehen.

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