Franz Erhard Walther in Venedig 2017
Franz Erhard Walther in Venedig 2017 Bild © picture-alliance/dpa

Begraben unter Farbschichten, völlig unerwartet: Durch Zufall entdeckt ein Restaurator das Frühwerk des Fuldaer Biennale-Künstlers Franz Erhard Walther. Er spricht von einem "einmaligen Glücksfall". Glücklich ist auch der Künstler.

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Einen kunsthistorischen Glücksfall nennt es Restaurator Marcus Jehn: Er kaufte aus dem Nachlass des Frankfurter Grafik-Designers Egon Knapp Bilder und machte beim näheren Betrachten die sensationelle Entdeckung.

Unter zum Teil zentimeterdicken Farbschichten verbargen sich Frühwerke des Fuldaer Künstlers Franz Erhard Walther. Walther ist inzwischen weltberühmt, 2017 wurde er auf der Kunst-Biennale in Venedig mit dem Goldenen Löwen als bester Künstler ausgezeichnet.

Fatales Missverständnis unter Künstlern

Seit einem Jahr arbeitet der Restaurator an den Bildern und deckt die ursprünglichen Werke auf. Franz Erhard Walther experimentierte damals mit abstrakter Kunst, mit minimalen Strukturen und nur angedeuteten Rahmen. "Leere Flächen" heißt die Serie aus den 1960er Jahren. Seinerzeit sorgten sie für einen Skandal, galten als zu provokativ, Walther flog 1961 deswegen von der Städelschule.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Restaurator findet Kunstschatz unter Farbschichten

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Weil er seine Bilder nicht alle mitnehmen konnte, vertraute der heute 79-Jährige sie seinem damaligen Studienfreund Egon Knapp an, der die "Leeren Flächen" dann als Malflächen genutzt hat. "Ich vermute, das war ganz arglos von ihm", sagt Walther heute. Er vermutet, dass Knapp die Werke missverstand und dachte, das seien tatsächlich leere Flächen, die er für eigene Arbeiten nutzen könne.

Teile des Frühwerks hängen bereits im Museum

Der Restaurator erkannte die Werke mit geschultem Auge, legte sie auch dem Künstler für eine Einschätzung vor. "Das ist einmalig. So etwas wird nie wieder kommen. Die Gelegenheit, den Urheber noch persönlich kennenzulernen, ist fantastisch", sagt Jehn. Nach der Entdeckung der Werke findet der Kunstkenner weitere solche Werke auf dem Kunstmarkt - teils mit mehreren Schichten von verschiedenen Künstlern übermalt, teils durch schlechte Lagerung verdreckt.

Jehn deckt die leeren Flächen Schicht für Schicht wieder auf. "Teilweise wurden die Bilder nur umgespannt und gründlich gereinigt. Bei einigen Bildern war der Stoff durch falsche Lagerung gerissen, die sind genäht worden."

Für den Künstler schließt sich damit ein Kreis. "Ich bin sehr glücklich darüber, weil sie ein wichtiger Bestandteil meines Frühwerks sind", sagt Walther. "Die Bilder waren ja in meinen frühen Jahren verschütt gegangen." Weitere Bilder dieser Serie, die nicht verloren gingen, hängen im Museum für Moderne Kunst in Genf. Nun sollen auch die Wiederentdeckungen öffentlich gezeigt werden. Einige Aussteller hätten nach Angaben des Restaurators schon Interesse angemeldet.

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Franz Erhard Walther

Franz Erhard Walther gewann 2017 auf der Kunst-Biennale in Venedig den Goldenen Löwen als bester Künstler. Walther gilt als einer der bedeutendsten Bildhauer, Konzept-, Prozess- und Installationskünstler Deutschlands. Bis 1962 studierte Walther an der Frankfurter Hochschule für bildende Künste. Wegen der provokativen "Leeren Flächen" wird er rausgeworfen, sein Kunstverständnis passt dort nicht in die Zeit. Der 79-Jährige hatte zahlreiche internationale Ausstellungen und war mehrfach documenta-Teilnehmer. Er lehrte bis 2005 an der Hochschule der Künste in Hamburg. Nach seiner Emeritierung lebt und arbeitet Walther in seiner Geburtsstadt Fulda.

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