Murot Murmeltier Tatort
Murot und Geiselnehmer Stefan Gieseking. Bild © ARD

LKA-Ermittler Felix Murot ist zurück, und wie: Am Sonntagabend wandelt er in "Murot und das Murmeltier" auf Bill Murrays Spuren. Das sollten Sie auf keinen Fall verpassen.

Die Story: ein wahnwitziger Spaß

Dieser Tatort ist - wie der Titel schon sagt - von der US-amerikanischen Filmkomödie "Und täglich grüßt das Murmeltier" (1993) mit Bill Murray inspiriert. Hier ist es nicht 6 Uhr, sondern 7.29 Uhr, als LKA-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur) aus einem Albtraum hochschreckt. Sein Handy klingelt, am Apparat ist Assistentin Magda Wächter (Barbara Philipp): "Hallo, Wächter hier. Entschuldigen Sie die frühe Störung. Wir haben eine Geiselnahme."

Also stolpert Murot aus dem Bett, während aus der Nachbarwohnung Heavy Metal dröhnt. Im Bad Katzenwäsche, anziehen, und auf geht es zum Tatort: Ein Geiselnehmer hat sich in einer Bankfiliale verschanzt. Alles sieht nach Routine aus, bis Murot den Geiselnehmer überwältigt und aus dem Gebäude führen will: Er wird erschossen - nur um Sekunden später aus dem Bett hochzufahren und genau denselben Tag wieder zu erleben. Und wieder und wieder und wieder.

Der Hauptdarsteller: Ulrich Tukur Superstar

Murot Murmeltier Tatort
Knallt durch: Murot ermittelt im Bademantel und mit Kettensäge. Bild © ARD

Ulrich Tukur spielt bei starken Antagonisten auch mal uneitel-zurückhaltend - man erinnere sich an seine Dialoge mit Ulrich Matthes im Tatort "Im Schmerz geboren". In "Murot und das Murmeltier" ist alles anders: Der Film ist eine reine Tukur-Show.

Hier zeigt der Mann, warum er einer der renommiertesten deutschen Schauspieler ist, der mit zig Preisen überhäuft wurde: Sein Murot ist erst gelangweilt-arrogant, dann verunsichert, dann erschüttert, sarkastisch, verzweifelt, wütend und schließlich fast schon gottergeben. Allein Tukurs Spielfreude, vor der sich selbst Bill Murray verneigen dürfte, macht diesen Tatort sehenswert.

Die Regie: Dietrich Brüggemann Superstar

Überhaupt: Hut ab vor den Schauspielern, die ähnliche Szenen mit kleinen Variationen immer wieder spielen mussten. Und Hut ab vor Regisseur Dietrich Brüggemann, der dabei den Überblick behalten und das Ganze zu einem Film aus einem Guss geformt hat - inklusive selbst komponierter Musik, eingespielt vom hr-Sinfonieorchester.

Besonderen Spaß macht es, das Wiederholungs-Motiv in vielen Details zu entdecken: Da stolpert Murot immer wieder über seinen Pantoffel - um in einer Zeitschleife darüber zu steigen. Und täglich grüßt Dinner for One! Und im Radio läuft derweil ein Bericht über die Wiederholung der österreichischen Präsidentenwahl. Herrlich sind die Szenen rund um die Bank. In den Dialogen zwischen LKA, SEK und Schutzpolizei nimmt Brüggemann genüsslich ein Krimi-Klischee nach dem anderen auf die Schippe.

Die Meta-Ebene: Gruß vom Tatort-Bad-Boy

Murot Murmeltier Tatort
Lagebesprechung vor der Bank - alles sieht nach Routine aus. Noch. Bild © ARD

A Propos Klischees: Dass Krimi-Routine mit Ulrich Tukur nicht zu machen ist, dürfte sich inzwischen rumgesprochen haben. Und so grüßt er das Sonntagabend-Deutschland alle ein bis zwei Jahre mit einem Tatort, der die Grenzen des Genres mehr als ausreizt.

Die Jury des Festivals des deutschen Films in Ludwigshafen wusste das zu schätzen: Sie zeichnete den siebten Tukur-"Tatort" im vergangenen Jahr mit ihrem "Filmkunstpreis" aus. Tukurs Zeitschleifen-Tatort kommentiere auf raffinierte Weise "das Überangebot der Krimi-Produktion des Fernsehens", so das Urteil der Jury.

Die Botschaft: Jeder Tag ist ein Geschenk!

"Murot und das Murmeltier" ist aber nicht nur eine Persiflage auf das Krimi-Einerlei im Fernsehen. Im Zentrum steht dann doch eine Ermittlung. Murot muss nämlich herausfinden, wie er aus der Zeitschleife herauskommt und wie er mit dem Geiselnehmer verbunden ist. Am Ende ist nicht nur der Kommissar geläutert. Am Ende steht eine Botschaft, die das Sonntagabend-Deutschland beschwingt in die neue Arbeitswoche begleiten soll: Jeder Tag ist ein Geschenk.

Sendung: DasErste, 17.02.2019, 20.15 Uhr