Städtische Bühnen Frankfurt

Die Zahlen liegen auf dem Tisch - eine Sanierung eher nicht mehr: Oper und Schauspiel in Frankfurt werden neu gebaut, über 800 Millionen Euro wird die Stadt dafür in die Hand nehmen. Die Frage nach dem Standort spaltet die schwarz-rot-grüne Koalition.

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hs
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Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) ist sauer. Eigentlich wollte sie die Zahlen und Erkenntnisse zum Themenkomplex Sanierung und Neubau der Städtischen Bühnen am Donnerstag in Frankfurt der Öffentlichkeit präsentieren. Doch am Morgen standen sie bereits bei einigen Medien online. "Ich bin darüber sehr ärgerlich", sagt sie und betont, sie plädiere unbedingt für ein geordnetes Verfahren. "Wenn das nicht klappt, suche ich auch gerne künftig den kurzen Weg in die Presse."

Vier Varianten - alle in der Innenstadt

Nach dieser Ansage präsentiert die Kulturdezernentin dann die Zahlen, die die Stabsstelle Zukunft Städtische Bühnen ermittelt hat. Sie sollen klären, was mit der Theater-Doppelanlage von Oper und Schauspiel am Willy-Brandt-Platz in der Innenstadt passiert. Die Gebäude aus den 1960er Jahren sind vollkommen marode. Zur Debatte stehen vier Varianten in der Innenstadt: Sanierung oder Neubau, entweder am jetzigen Standort oder an anderer Stelle. Alle haben nun ein Preisschild bekommen. Alle Varianten liegen bei den voraussichtlichen Kosten bei über 800 Millionen Euro.

Tabelle: Kosten Städtische Bühnen, Varianten

Die alte Theateranlage ist nicht mehr zu halten

Schon 2017 taxierte eine Machbarkeitsstudie die Kosten auf mindestens 800 Millionen Euro. Seither sind die Preise gestiegen, nun wäre es laut Stabsstelle mindestens eine Milliarde. "Die Hoffnung, dass eine Sanierung günstiger wäre, hat sich nicht bestätigt", sagt die Kulturdezernentin am Donnerstag. Sie stellt klar: Eine Sanierung komme für sie deshalb nicht mehr in Frage, weder eine einfache noch eine verbessernde. Diese Einschätzung teilt der Leiter der Stabsstelle, Michael Guntersdorf.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eine Sanierung von Oper und Schauspiel macht wenig Sinn

Ein Passant geht in der B-Ebene der U-Bahn-Station Willy-Brandt-Platz in Frankfurt am Main an Porträtfotos der Ensemblemitglieder des Schauspiels vorbei.
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Die Dezernentin will nun, dass neu gebaut wird: ein Gebäude am Willy-Brandt-Platz und ein zweites in der Nähe. "Am Willy-Brandt-Platz schlägt das künstlerische Herz der Stadt, mindestens eine Spielstätte muss hier bleiben", sagt Hartwig. Die SPD-Fraktion im Römer stützt diesen Vorschlag.

Das Theater und die Oper in ihrer jetzigen Form dürften damit Geschichte sein. "Mit fällt der Abschied von der Doppelanlage mit dem bekannten Wolkenfoyer sehr schwer", sagt Hartwig. Dieses Gebäude stehe für "etwas Gutes am richtigen Ort".

CDU will mit Oper und Schauspiel raus aus der Innenstadt

Eine klare Absage erteilt Hartwig dem Vorschlag aus der CDU-Fraktion, Oper und Schauspiel in den Osthafen zu verlegen. Die CDU brachte das Raab-Karcher-Gelände ins Spiel und legte sich fest, den Standort Willy-Brandt-Platz aufgeben zu wollen. "Ich werde ganz klar dieses Gelände nicht empfehlen", entgegnet Hartwig. Und auch kein anderes außerhalb der Innenstadt.

Eine Verlagerung von Theater und Oper an den Rand sei kontraproduktiv, findet Hartwig. Für vorstellbar hält sie es, eine der beiden Spielstätten nach Bockenheim etwa auf das Gelände des Bockenheimer Depots oder des Kulturcampus' zu verlegen. "Das ist für meine Definition noch nahe genug zum Willy-Brandt-Platz, da kommt man auch gut hin."

Der kulturpolitische Sprecher der Grünen, Sebastian Popp, sieht das am Donnerstag kritisch: "Wenn Nähe Bockenheim mit einschließt, dann müssen wir noch mal definieren, was Nähe eigentlich heißt." Die Grünen legten sich im vergangenen Jahr fest und plädieren dafür, dass sowohl Oper als auch Schauspiel am jetzigen Platz bleiben sollen.

Kommunalwahlkampfthema Städtische Bühnen?

Die Stabsstelle Zukunft der Städtischen Bühnen rechnet für Planung und Bau mit einem Zeitraum von mindestens acht Jahren. Doch bevor die Vorhaben nach EU-Recht international ausgeschrieben werden können, müssen sich die Stadtverordneten einig werden. "Wir brauchen jetzt einen Grundsatzbeschluss, damit wir planen können", fordert Hartwig. Sie erwarte einen "Schulterschluss aller Mandatsträger".

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Die Entscheidung für einen Neubau muss jetzt fallen - einmütig

Außenansicht Schauspiel und Oper, Frankfurt
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Doch genau dieser schient schwierig angesichts der unterschiedlichen Positionen. Zumal im Frühjahr 2021 Kommunalwahlen anstehen. Gibt es nicht bald einen Beschluss, könnten die Städtischen Bühnen zum Wahlkampfthema Nummer eins in Frankfurt werden. Vielleicht sind sie es bereits.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 23.01.2020, 19.30 Uhr