Michael Gutsche mit Kamera vor einem Gletscher.

Auf einem Schiff mit dem Arktiseis driften: Dieser Lebenstraum geht für den Fuldaer Fotografen Michael Gutsche nun in Erfüllung. Er besucht das Forschungsschiff "Polarstern" und freut sich auf "unglaubliche Lichtverhältnisse" am Nordpol.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fotograf Michael Gutsche: aus Fulda zur "Polarstern"

Die Polarstern im Eis.
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Zwei Herausforderungen sind klar: die Kälte und die Eisbären. Gegen die Temperaturen von bis zu -40 Grad helfen vor allem, "schnell zu sein und präzise", und eine gut eingestellte Kamera. Was die Eisbären betrifft, verlässt sich Michael Gutsche unter anderem auf das intensive Schießtraining, das er absolviert hat. So vorbereitet geht es los an diesem Donnerstag in Richtung ewiges Eis - oder eben das, was der Klimawandel vom ehedem ewigen Eis übrig gelassen hat.

Bis Mitte April wird der Fuldaer auf dem Bremerhavener Forschungsschiff "Polarstern" leben und arbeiten. Die "Polarstern" hat sich im Oktober im Arktiseis einfrieren lassen und driftet monatelang rund um den Nordpol. Ein Jahr lang will sich das schwimmende Labor in der Arktis aufhalten. In dieser Zeit erforschen Wissenschaftler auf dem Schiff den Klimawandel. Und Michael Gutsche wird für einige Wochen dabei sein, als Fotograf und als Kommunikationschef. Eingeladen hat ihn das Alfred-Wegener-Institut, das die "Polarstern" betreibt.

Auf den Spuren von Fridtjof Nansen

Die Arktis beschäftigt den 58-Jährigen schon seit vielen Jahren. "Ich habe als junger Mann mal unterm Weihnachtsbaum ein ganz tolles Buch gefunden", erzählt er. Es war der Expeditionsbericht "In Nacht und Eis" vom norwegischen Polarforscher Fridtjof Nansen. Nansen hatte sich vor 125 Jahren mit seinem Forschungsschiff "Fram" im Packeis einfrieren lassen. "Dieser Bericht hat mich unheimlich fasziniert", erzählt Gutsche. Nun kann er in die Arktis reisen.

Als das Alfred-Wegener-Institut Hansens Idee aufgriff, "da habe ich gedacht, das passt", sagt Gutsche. Schließlich bringe er "eine gewisse Expeditionstauglichkeit mit". Er sei passionierter Bergsteiger und mit Skiern schon auf über 7.500 Metern unterwegs gewesen. "Insofern bin ich kälteresistent und kann mich im rauen Expeditionsalltag behaupten, denke ich."

"Ein Traum für jeden Fotografen"

Ein Eisbrecher bringt Gutsche vom norwegischen Spitzbergen zur "Polarstern". Dort soll er dann einerseits den Arbeitsalltag fotografieren, andererseits das Schauspiel jenseits des Schiffs. So nah am Nordpol ist noch nie mit so einer Ausrüstung fotografiert worden, wie sie Gutsche mitbringt: Der Fotograf ist auf großformatige Aufnahmen spezialisiert und schafft Bilder mit mehr als 150 Millionen Pixel.

Zwar wird er dann schon zu weit nördlich sein, um Polarlichter zu sehen, aber die Landschaft, auf die Gutsche trifft, ist schließlich auch "unglaublich abwechslungsreich", wie er sagt. Nur auf den ersten Blick sei die Arktis bloß eine weiße Fläche, sagt Gutsche: "Denn diese weiße Fläche ist ja immer in Bewegung." Zumal jetzt im Polarkreis der Übergang von der Polarnacht zum Polartag beginnt. "Da hat man unglaubliche Lichtverhältnisse. Das ist für jeden Fotografen ein Traum: ein sehr weiches Licht, eine blaue Stunde über den ganzen Tag hinweg."

Im Epizentrum des Klimawandels

Aber da sind auch die Eisbären. "Es gab schon in den ersten Wochen Eisbärenkontakt", gibt Gutsche Berichte von der "Polarstern"-Besatzung wieder: "Die haben sich mal die Messinstrumente angeschaut." Zwar überwachen professionelle Eisbärenwächter die Gegend rund um das Schiff. Gutsche muss trotzdem damit rechnen, dass auch er mit den Tieren zu tun bekommt. "Ich habe mich sehr intensiv über das Verhalten von Eisbären schulen lassen", sagt er, im Zweifel habe er also eine ganze Reihe von Möglichkeiten zu reagieren. Dazu gehörte eben auch das Schießtraining. "Erschießen ist nur die letzte Lösung", betont Gutsche.

Wissenschaftler solidarisieren sich vor der "Polarstern" mit den Fridays-For-Future-Protesten.

Natürlich wird Gutsche in der Zeit bis April auch immer wieder mit dem Klimawandel zu tun haben, dessen Epizentrum in der Arktis liege. "Der geht dort in einer unglaublich schnellen Geschwindigkeit vonstatten", sagt der Fotograf. So schnell wie in der Arktis sei die Temperatur sonst noch nirgends gestiegen auf der Welt.

Zurück in die Zivilisation geht's dann übrigens durch die Luft: Entweder er und andere Crewmitglieder werden von einem Flugzeug abgeholt - wenn sich denn in der Nähe des Schiffes eine Landebahn anlegen lässt -, oder es kommt ein Weitstreckenhubschrauber.

Sendung: hr4, hessenschau für Nord- und Osthessen, 22.01.2020, 15.30 Uhr