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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Games-Komponist Chris Hülsbeck im Porträt

Komponist Chris Hülsbeck in seinem mobilen Studio

Chris Hülsbeck ist Komponist - und zwar für ganz spezielle Musik. Er gestaltet Soundtracks für Videospiele und ist auf diesem Gebiet einer der erfolgreichsten Komponisten weltweit. Im Interview erzählt der Kasseler, warum das früher unglaublich kompliziert war.

Musik spielt nicht nur in Filmen eine große Rolle, auch für Videospiele ist sie essenziell. Denn ohne Musik fehlt einem Videospiel die emotionale Grundlage, sagt Games Komponist Chris Hülsbeck. Der Nordhesse hat Games wie "Turrican", "Giana Sisters" oder "Star Wars Rogue Squadron" vertont und zählt zu den erfolgreichsten Games-Komponisten weltweit.

Ursprünglich kommt Hülsbeck aus Kassel. Mittlerweile lebt der 53-jährige aber in den USA und hat dort seine eigene Produktionsfirma. Seine Karriere als Komponist für Videospiele hat er vor mehr als dreißig Jahren begonnen - damals noch mit dem legendären Heimcomputer Commodore C64. Mittlerweile werden seine Werke sogar schon von Orchestern aufgeführt.

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Im hessenschau.de-Interview erklärt er, welche Bedeutung Musik für Videospiele hat und wie ein Soundtrack für Games entsteht.

Szene aus Turrican: Der Kampf gegen einen Gegner.

hessenschau.de: Herr Hülsbeck, warum ist Musik für Videospiele Ihrer Meinung nach so essenziell?

Chris Hülsbeck: Es gibt da eine treffende Aussage von dem Film-Regisseur Steven Spielberg: "Musik macht 50 Prozent des Films aus." Und so ist das auch bei einem Videospiel. Die ganze Emotion kommt im Prinzip von der Musik. Man hat natürlich schöne Grafiken heutzutage und da wird viel geballert. Aber wenn es keine Musik gibt, dann fehlt einem irgendwie die emotionale Grundlage für die Szenen, die man durchspielt. Ein Videospiel ist eben ein audiovisuelles Medium. Und wenn das Audio nicht stimmt, dann funktioniert das Gesamtbild nicht.

hessenschau.de: Komponist für Games-Musik - das ist schon ein sehr spezieller Beruf. Wie kamen Sie dazu?

Chris Hülsbeck: Ich habe in meinen Teenager-Jahren die elektronische Musik entdeckt und wollte unbedingt einen Synthesizer haben, um damit Musik zu machen. Meine Familie konnte sich so teure Geräte aber nicht leisten. Irgendwann habe ich dann den Heimcomputer Commodore C64 entdeckt, der einen echten Syntheszier-Soundchip hatte. Und diesen Computer konnte ich mir mit ein bisschen Sparen dann nach einiger Zeit kaufen.

Musik damit zu machen war am Anfang aber ein bisschen kniffelig, denn ich musste erst Programmieren lernen. Aber dann habe ich überraschenderweise mit einem meiner Songs auf dem C64 einen Wettbewerb gewonnen. Daraufhin habe ich mich dann bei einer Deutschen Videospielfirma beworben und konnte dort etliche große Spiele aus den Anfängen der deutschen Videospielentwicklung vertonen. So fing es an.

hessenschau.de: Die Vertonung von Videospielen war damals in den 80er Jahren noch ein bisschen anders als heute, oder?

Chris Hülsbeck: Absolut. Früher war es so, dass man mit Hexadezimalzahlen die Musik programmieren musste. Das war sehr aufwendig und um ehrlich zu sein war man da mehr Programmierer als Komponist. Dennoch hatte ich schon ein ganz gutes Talent dafür, sehr eingängige Melodien zu finden und zu komponieren. Diese Kombination aus Programmieren und schöne Melodien finden hat mir letztlich auch zum Durchbruch verholfen. Heutzutage ist es aber einfacher. Da wird Spielemusik genauso produziert wie jede andere Musik auch: im Studio. Dort bindet man die Musik als Audio-File ein oder es wird von der CD abgespielt.

hessenschau.de: Und wie kommen Sie auf die Melodien?

Chris Hülsbeck: Von der kompositorischen Seite her ist es sehr vergleichbar mit Filmmusik. Man schaut sich eine Spielszene an und guckt, was von der Thematik her oder vom Gefühl her passt. Was soll die Spielszene ausdrücken? Was soll der Spieler dabei empfinden, wenn er die Musik hört und diese Szene spielt.

Bei dem Spiel "Turrican", das ich vertont habe, gibt es verschiedene Spielsequenzen, wo man zum Beispiel gegen einen Endgegner spielen muss. Da wird dann die Level-Musik ausgeblendet und stattdessen kommt eine sehr hektische Musik, weil man diesen Gegner bekämpfen muss. Und wenn man den geschafft hat, kommt ein kurzes Jingle das ausdrücken soll: man hat den Gegner besiegt.

hessenschau.de: Wie unterscheidet sich das von Filmmusik-Kompositionen?

Chris Hülsbeck: Der Unterschied zur Filmmusik liegt im technischen Bereich, weil ein Spiel ja interaktiv ist. Das heißt, oftmals muss sich die Musik dem Spielgeschehen anpassen. Wenn der Spieler zum Beispiel in eine bestimmte Richtung läuft, muss man eine Methode finden, wie man die Musik genau dieser Richtung anpasst. Und das, während das Spiel läuft. Das kann schon ziemlich kniffelig sein.

hessenschau.de: Ist es das, was für Sie den Reiz am Komponieren ausmacht?

Chris Hülsbeck: Das ist auf jeden Fall sehr spannend. Es kann aber manchmal auch nervig sein. Weil man muss sich wirklich in alle Situationen des Spiels reinversetzen und dann ist es eine Heidenarbeit, diese ganzen Elemente zusammenzubringen und diese dann am Ende auch in das Spiel einzubauen. Da hat man es als Film- oder TV-Komponist doch oft etwas leichter.

hessenschau.de: Wann ist für Sie ein Games-Soundtrack wirklich gelungen? Gibt es da bestimmte Kriterien?

Chris Külsbeck: Wenn die Musik im Gedächtnis bleibt. Also wenn man die Melodie, die man im Spiel erlebt hat, unter der Dusche summt. Dann habe ich als Komponist meine Arbeit richtig gemacht. Der Ohrwurm muss auf jeden Fall da sein.

hessenschau.de: Sie haben in ihrer Karriere ja einige Kult-Games vertont. Gibt es ein Werk, auf dass sie als Komponist besonders stolz sind?

Chris Hülsbeck: Ganz vorne mit dabei ist die Vertonung der Turrican-Serie. Nicht nur die originalen Spiele, die immer noch eine riesen Fangemeinde haben, aber auch die Tatsache, dass wir diese Komposition auch mit einem 80-Mann Orchester aufgenommen haben. Das ist wirklich ein Lebenstraum, der da für mich in Erfüllung gegangen ist. Und das habe ich meinen Fans zu verdanken, die das Projekt durch Crowdfunding möglich gemacht haben.

hessenschau.de: An welcher Komposition arbeiten Sie derzeit?

Chris Hülsbeck: Zurzeit konzentriere ich mich auf meine Fans und mache sogenannte "Royalty-Free-Music". Das ist Musik, die jeder frei verwenden kann, sofern man mich monatlich mit einem selbstbestimmten Geldbetrag unterstützt. Jeden Monat komponiere ich ein neues Stück. Das sind viele unterschiedliche Stilrichtungen und da ist hoffentlich für jeden meiner Fans etwas dabei. Die können meine Kompositionen dann für Youtube, in eigenen Spielen oder für andere Dinge benutzen.

hessenschau.de: Könnten Sie sich vorstellen, auch irgendwann mal Musik für Filme zu komponieren?

Chris Hülsbeck: Es ist sehr schwer, in die Filmmusik-Branche reinzukommen. Aber wer weiß, vielleicht macht ja irgendwann mal einer meiner Fans einen Hollywoodfilm und engagiert mich dann für den Soundtrack.

Das Interview führte Sophia Luft.

Sendung: hr-info, 09.10.2020, 10:15 Uhr