Screenshots aus "Endzone - A World Apart"

Das Wiesbadener Studio "Gentlymad" war mit dem Aufbau-Strategiespiel "Endzone - A World Apart" für den Deutschen Entwicklerpreis nominiert. Das kleine Team macht einiges anders als die Großen der Branche - mit Erfolg.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Gentlymad Studios aus Wiesbaden setzen auf direktes Spieler-Feedback

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Während viele Menschen hoffen, dass 2021 ein besseres Jahr wird als das vergangene, zeichneten die Computerspiel-Entwickler von "Gentlymad Studios" aus Wiesbaden schon im April 2020 ein düsteres Zukunftsbild: In ihrem Spiel "Endzone - A World Apart" bringen Terroristen 2021 weltweit Atomkraftwerke zur Explosion.

Einige wenige Menschen fliehen in unterirdische Anlagen, die sogenannten Endzonen. 150 Jahre später wagt die Menschheit sich an die Oberfläche - und hier setzt das Aufbau-Strategiespiel an: Der Spieler wird zum Anführer der Überlebenden und muss sich in einer lebensfeindlichen Umgebung voller Radioaktivität zurechtfinden.

Screenshots aus "Endzone - A World Apart"

Das Game war für den Deutschen Entwicklerpreis in der Kategorie "Bestes Indie Game" nominiert. Zwar konnte es sich im Finale nicht durchsetzen. Für das kleine Studio - insgesamt besteht das Team nur aus elf Mitarbeitern - trotzdem eine große Ehre, wie Mitgründer und Studiochef Matthias Guntrum erzählt: "Das ist anerkennend von der Branche und deswegen ist der Preis natürlich etwas Besonderes für uns."

Neue Wege im Entwicklungsprozess

Das Studio aus Wiesbaden macht einiges anders als die Großen der Branche: Statt Spiele am laufenden Band zu entwickeln, konzentriert sich das Team jeweils auf ein Spiel - handgemacht und durchaus mit ernsten, gesellschaftlich relevanten Themen. Dass gerade "Endzone" solche Anerkennung bekommt, erfüllt Matthias Guntrum mit Stolz.

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Der Deutsche Entwicklerpreis

Der Deutsche Entwicklerpreis ist die älteste Auszeichnung für die Entwicklung herausragender Computerspiele aus deutschsprachigen Ländern. Seit 2004 wird er von der Aruba Events GmbH in 15 Kategorien vergeben. Gefördert wird der Deutsche Entwicklerpreis vom Land Nordrhein-Westfalen, der Stadt Köln, der Film und Medienstiftung NRW sowie von Verein game, dem Verband der deutschen Games-Branche. In diesem Jahr fand die Verleihung online statt.

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Gentlymad habe den großen Vorteil, viele Freiheiten zu haben. "Gerade bei diesem Titel ist alles aus unserer Feder gewachsen, und wir durften machen, was wir wollen", beschreibt Guntrum den Entwicklungsprozess. Diese Freiheit nutzten die Entwickler, um ganz neue Wege zu gehen: Sie produzierten das Spiel nicht "im stillen Kämmerlein", sondern stellten es schon vor der Veröffentlichung im sogenannten Early Access auf der Plattform Steam zum Spielen zur Verfügung - auch entgegen anfänglicher Vorbehalte der Mutterfirma, dem Indie Publisher Assemble Entertainment.

"Early Access wird sehr negativ wahrgenommen bei Spielern, weil man vermutet, da versucht jemand schon frühzeitig Geld zu machen. Aber das war bei uns nie die Intention", erklärt Guntrum. Vielmehr sei das Ziel gewesen, frühzeitig Feedback von Spielern zu erhalten und ihre Vorstellungen in das Spiel einfließen zu lassen.

Spieler-Feedback direkt umsetzen

"Es war uns wirklich wichtig, mit den Spielern zusammen etwas zu entwickeln. Dass man sich nicht so festfrisst an einer bestimmten Sache, von der man als Entwickler vielleicht glaubt, die ist ganz großartig, und im Endeffekt stellt man fest, dass es überhaupt keinen Anklang findet", sagt er.

Über die Chat-Plattform Discord findet seit der Veröffentlichung der Beta-Version im April 2020 ein offener und reger Austausch zwischen Erstspielern und Entwicklern statt, von dem die Gentlymad Studios profitieren, wie der Mitgründer sagt. "Das hat sich sehr positiv für uns ausgewirkt. Wir haben sehr viel von der Community gelernt." Das direkte Feedback der Spieler habe außerdem mehr Sicherheit im Entwicklungsprozess gegeben.

Screenshots aus "Endzone - A World Apart"

Damit die Spieler das Interesse an "Endzone" nicht verlieren, werden monatlich Neuheiten eingebaut, zum Beispiel die Möglichkeit, eine neue Weide bauen zu können. Die Story wird dadurch nicht vorweggenommen. "Das ist so ein kleines Element, was einfach reintröpfeln kann. Ich finde es ganz wichtig, die Leute motiviert zu halten und einen Grund zu geben, warum sie einfach immer wieder ins Spiel reinschauen können", sagt Guntrum. Für die Veröffentlichung des fertigen Games im Frühjahr dieses Jahres verspricht er "einen großen Knall".

Gemeinsam statt einsam

Die monatlichen Updates seien eine Kraftanstrengung gewesen. "Wir sind schon durchgeknallt, dass wir sowas überhaupt machen, auch als kleines Team", lacht Guntrum - der Name "Gentlymad", was sich mit "freundlich verrückt" übersetzt lässt, komme schließlich nicht von ungefähr. "Wir gehen das Risiko ein, wir sind verrückt, aber gleichzeitig ist es uns wichtig, was die anderen Leute davon halten, also in dem Fall, was die Spieler davon halten."

Was andere davon halten: Darum ging es natürlich auch bei der - in diesem Jahr virtuell stattfindenden - Verleihung des Deutschen Entwicklerpreises. Dass sein Team den Preis für das beste Indie Game nicht gewinnen konnte, scheint für Guntrum aber fast nebensächlich zu sein.

"In unserer Branche ist es weniger ein Gegeneinander, sondern sehr viel Miteinander. Man freut sich auch, mit den anderen zusammen nominiert zu sein." Und ohnehin hielten sich Entwickler nicht zu lange mit Erfolgen auf. "Einmal kurz zugeprostet, und jetzt geht es weiter. Sorgen wir dafür, dass es geil bleibt, was wir da machen."

Sendung: hr-iNFO, 20.01.2021, 15.23 Uhr