Bürgermeister Olivier Thomas aus Marcoussis (2. von links) nahm das Chassériau-Gemälde aus den Händen von Beamten des BKA und der Wiesbadener Polizei entgegen
Bürgermeister Olivier Thomas aus Marcoussis (2. von links) nahm das Chassériau-Gemälde aus den Händen von Beamten des BKA und der Wiesbadener Polizei entgegen. Bild © Polizeipräsidium Westhessen

Aufatmen in der französischen Gemeinde Marcoussis: Dort war 1973 ein Gemälde des berühmten Malers Théodore Chassériau aus einer Kirche gestohlen worden. In einem Wiesbadener Auktionshaus tauchte das Werk nun wieder auf.

Die Kunst des Malers Théodore Chassériau ist nicht nur Liebhabern ein Begriff. Manche Werke des oft als Wunderkind des Klassizismus gerühmten Franzosen (1819 bis 1856) hängen im Louvre und im Musée d'Orsay in Paris und im Metropolitan Museum of Art in New York. Andere verstauben im Speicher privater Besitzer - so wie das Gemälde "Jesus chez Marthe et Maria" ("Jesus bei Martha und Maria"), das seit seinem Diebstahl im Jahr 1973 als verschollen galt und nun eher zufällig bei einer Auktion in Wiesbaden wiederentdeckt wurde.

Ein französischer Restaurator, so teilte das Polizeipräsidium Westhessen am Freitag mit, entdeckte das Gemälde auf der Webseite des Auktionshauses. Dort wurde es zum Verkauf angeboten. Weil er vom Diebstahl des Chassériau-Werks aus der Kirche der Gemeinde Marcoussis rund 25 Kilometer südlich von Paris wusste, wandte er sich an die französischen Behörden, die wiederum das Bundeskriminalamt (BKA) informierten. Das BKA beauftragte daraufhin die Wiesbadener Polizei mit der Sicherstellung des Gemäldes.

Auf dem Pariser Kunstmarkt gekauft

Der unbekannte Besitzer des Gemäldes habe von alldem nichts geahnt, berichteten die Beamten. Er gab an, es handele sich um ein Erbstück aus dem Familienbesitz. Erworben worden sei es demnach 1974 auf dem Pariser Kunstmarkt, also gar nicht weit von Marcoussis. In den vergangenen Jahren habe das Werk dann auf seinem Speicher gestanden, ehe es ihm Anfang 2019 wieder in die Hände fiel und er sich entschloss, das Gemälde zu verkaufen.

Als der Besitzer erfuhr, dass es sich um ein registriertes, nationales französisches Kulturgut handelt, habe er sofort erklärt, es der Gemeinde zu überlassen. Zur Übergabe reiste der Bürgermeister von Marcoussis, Olivier Thomas, nach Wiesbaden. Bei der Übergabe erklärte er, sich aus seiner Jugend noch gut an das Gemälde in der Kirche erinnern zu können. Er habe die Hoffnung nie aufgegeben, so Thomas, es irgendwann nach Hause holen zu können.

Werke ab 10.000 Euro aufwärts gehandelt

Der genaue Wert des Gemäldes kann nach Polizeiangaben nicht beziffert werden. Offenbar wurde es nach dem Diebstahl aus dem Orignalrahmen herausgetrennt. Auch weise es kleinere Schäden auf, und die Signatur des Malers fehle. Chassériaus Werke werden laut Polizei je nach Zustand für Summen ab 10.000 Euro auf dem Kunstmarkt gehandelt. Sein Gemälde "Diane surprise par Actéon" aus dem Jahr 1840 habe bei einer Aktion im Jahr 2006 den Rekordpreis von 538.400 Euro erzielt, berichtete die Bild-Zeitung.