Audio

20 Jahre Mathematikum

Mathematik steckt in allem - das klingt erst einmal wie die Drohung eines Mathe-Lehrers. Besucher des Mitmachmuseums "Mathematikum" in Gießen aber wissen seit 20 Jahren: Es kann durchaus Spaß machen, sich damit auseinanderzusetzen.

Seit 20 Jahren lädt das Mathematikum zum Ausprobieren und Mitmachen ein. Eine der beliebtesten Stationen: Besucherinnen und Besucher können sich in eine riesige Seifenhaut hüllen. An einer anderen Station sollen Interessierte aus Holzlatten eine kleine Brücke zusammenbauen - ganz ohne Hilfsmittel wie Kleber und Nägel. Und an einer dritten Station wird aus einzelnen Puzzleteilen nach etwas Um-die-Ecke-Denken eine Pyramide. All das gibt Einblicke in die Welt der Mathematik.

Insgesamt gibt es im Mathematikum mehr als 170 interaktive Ausstellungsstücke. "Wir wollen unsere Besucher so schnell wie möglich und so unabgelenkt wie möglich zu den mathematischen Problemen führen", sagt Museumsdirektor und Mathematiker Albrecht Beutelspacher. Das gehe besonders gut mit Experimenten. Wichtig sei auch, die Besucher - Zielgruppe sind Kinder wie Erwachsene - ernst zu nehmen. "Wir wollen sie nicht bekehren, wir sollen sie nicht belehren, sondern sie sollen ihre eigenen Erlebnisse haben. Deswegen sind alle Exponate, die wir haben, Angebote."

"Ich wollte die Lehre besser machen"

Dabei sei es gar nicht sein ursprüngliches Ziel gewesen, ein Museum zu gründen, so Beutelspacher. "Ich wollte die Lehre besser machen", erzählt er mit Blick auf seine Tätigkeit an der Uni. Die Idee, Studierende Modelle basteln zu lassen, um die darin steckende Mathematik zu erkläre, sei die Initialzündung gewesen.

Mathematikum

Die Studierenden seien begeistert und deren Ergebnisse toll gewesen. Daraus folgte die Erkenntnis: "Das reicht nicht, wenn nur wir 20 das sehen. Das müssen mehr Leute sehen. Lasst uns daraus eine Ausstellung machen." Aus der Schau, die auch auf Wanderschaft ging, wurde schließlich das Museum, zu dessen Eröffnung sogar der damalige Bundespräsident Johannes Rau kam.

Museum mit Vorbildcharakter

Bei seiner Eröffnung am 19. November 2002 war das interaktive Konzept des Museums weltweit einzigartig. Das machte die Einrichtung weit über die Region hinaus bekannt. Es sei unglaublich, dass das Mathematikum auch international renommiert sei, sagt Beutelspacher. Das zeige aber auch, dass man "eine Wissenschaft, der das niemand zugetraut hat", popularisieren und "selbst die theoretischste, abstrakteste und trockenste Wissenschaft im besten Sinne massentauglich machen könne.

Mehr als zwei Millionen Besucherinnen und Besucher kamen denn auch in den vergangenen 20 Jahren. Tatsächlich hat der Ansatz des Mathematikums auch andere Museen inspiriert, spielerisch Kenntnisse zu vermitteln - zum Beispiel das "Wortreich" in Bad Hersfeld, die "Grimmwelt" in Kassel und das "Junge Museum" in Frankfurt, das ebenfalls in diesem Jahr Geburtstag feiert - den 50. Das Haus war das erste Kindermuseum der Bundesrepublik.

Das Ziel: Jung und Alt ansprechen

Die klassischen Museen hätten von der Form, wie Themen in sogenannten Science Centern oder Erlebnismuseen wie dem Mathematikum interaktiv aufbereitet werden, viel gelernt und lernten auch weiterhin, sagt die Geschäftsführerin des Museumsverbands Hessen, Christina Reinsch. Mittlerweile gebe es hessenweit auch in Häusern mit klassischen Sammlungen viele Angebote in diesem Bereich.

"Es ist ein ganz wichtiges Grundprinzip, immer mehrere Sinne zu bedienen, dass es verschiedene Möglichkeiten des Zugangs zu einem Thema gibt", so Reinsch. Alle Besucher und Besucherinnen sollten unabhängig von ihrem Alter angesprochen werden. "Wenn man Spaß daran hat, mitzumachen, dann ist ganz viel gewonnen, da muss man gar nicht unterschieden zwischen Jung oder Alt."

Ein ganzes Jahr voller Feierlichkeiten

Das Mathematikum will zum 20-jährigen Bestehen gleich ein ganzes Jahr lang feiern. Geplant sind verschiedene Veranstaltungen sowie neue Sonderausstellungen. Dazu gehören Beutelspacher zufolge Kindervorlesungen, Ausstellungen zum Thema "Geheim" oder zu einem weiteren Jubiläum - dem 400. Jahrestag der Erfindung der Rechenmaschine. Besucherinnen und Besucher sollen sich außerdem freien Eintritt erwürfeln können.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen