Blick auf den Gießener Papyrus.
Der Zustand des wichtigen Dokumentes ist äußerst prekär. Schuld war auch ein Wasserschaden. Bild © picture-alliance/dpa

Jetzt ist es amtlich: Der "Papyrus Gissensis", eine kaiserliche Anordnung aus dem 3. Jahrhundert nach Christus, ist Teil des Unesco-Weltdokumentenerbes. Bei der Feierstunde am Mittwoch hieß es, das Dokument stehe in einer Reihe mit der Magna Charta.

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Ein Stück Papyrus, das an der Universität Gießen verwahrt wird, gehört nun offiziell zu den wichtigsten Dokumenten der Welt. Es handelt sich um das Fragment einer rund 1.800 Jahre alten kaiserlichen Verordnung. Am Mittwochabend wurde in Gießen die entsprechende Urkunde zur Auszeichnung als Unesco-Weltdokumentenerbe verliehen.

Hessens Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) sagte, Hessen könne mit dem als "Constitutio Antoniniana" bekannten Schriftstück einen "Schatz mit weltweiter Bedeutung" vorweisen. Die Entscheidung der Unesco war bereits im Oktober bekannt geworden - gleichzeitig mit der Entscheidung, den Frankfurter Auschwitz-Prozessakten die gleiche Ehre zukommen zu lassen.

Bürgerrechte für alle Bewohner

Die Bibliothek der Gießener Universität verwahrt den wertvollen und äußerst fragilen Papyrus. Mit der "Constitutio" verlieh Kaiser Marcus Aurelius Severus Antoninus (auch Caracalla) um das Jahr 212 allen freien Bewohnern des Römischen Reiches das Bürgerrecht. Der Zustand von Papyrus Gissensis I 40 ist allerdings prekär. Die Ränder des Schriftstücks sind stark ausgefranst, nach einem Wasserschaden hat Schimmel ein Teilstück befallen. 2009 konnte es restauriert und somit der Verfall vorerst gestoppt werden.

Joachim-Felix Leonhard, Vorstandsmitglied der deutschen Unesco-Kommission, sah die "Constitutio Antoniniana" in einer Reihe mit der Magna Charta von 1215 oder der amerikanischen Verfassung von 1776: "Sie alle sind bedeutende Dokumente für die Entwicklung von Verfassung und Recht."

Das Ziel war eine Papyrussammlung

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Besichtigung möglich

Interessierte Bürger können das kostbare Schriftstück, das in einer klimatisierten Spezialvitrine lagert, am Donnerstag und Freitag anschauen.

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Die Universität werte die Entscheidung der Unesco "als einen Beleg für den besonderen Stellenwert der Papyrussammlung der Justus-Liebig-Universität Gießen", sagte Uni-Präsident Joybrato Mukherjee.

Ein Gießener Mäzen ließ um 1900 Dokumente in Ägypten ankaufen, um in Gießen eine Papyrussammlung aufzubauen. Die Stadt Gießen, die noch heute Eigentümerin des Dokuments ist, übergab im Jahr 1930 die Sammlung der Universität.