Leuchtkugel im Club

Mitten in der Pandemie feiert der Techno-Club Graf Karl in Kassel seine Neueröffnung - auf dem Gelände der Rave-Institution Panoptikum. Die Betreiber wollen an die Historie der elektronischen Beats anknüpfen und gleichzeitig alles anders machen.

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zum hr-fernsehen.de Video Techno-Club Graf Karl ist wieder da

Leuchtkugel im Club
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Wummernde Bässe, buntes Licht und tanzende Menschen: Im Kasseler Techno-Club Graf Karl legt DJ Willy Elliot auf. Elliot - das ist nur sein Künstlername. Abseits des Mischpults heißt er Willy Bautzmann und ist zusammen mit Tim Marth Betreiber des neu eröffneten Clubs.

Der hat jetzt schon eine Historie: Das Graf Karl ist im ehemaligen Panoptikum untergebracht, einer regelrechten Institution für Techno-Fans. Als Besucher und Veranstalter war Marth einige Male im Vorgängerclub. Nach der Schließung habe der Besitzer ihm angeboten, den Laden zu übernehmen. Darüber musste der 29-Jährige nicht lange nachdenken: "Ich bin Veranstalter, mache Veranstaltungen. Das ist das, wofür ich lebe."

"Für uns der beste Zeitpunkt"

Auf den ersten Blick wirkt es ungewöhnlich, einen Club in Zeiten von Corona zu eröffnen, zumal für Clubs weiter viele Einschränkungen gelten. "Für uns war das der beste Zeitpunkt", sagt Marth. "Wir haben Glück gehabt, dass wir Förderprogramme bekommen haben. Das hätte es ohne Corona sicher nicht gegeben."

Die Zeit im Lockdown haben Bautzmann und er für Umbauarbeiten genutzt. Dafür waren Profis verantwortlich, die schon auf dem Fusion-Festival gearbeitet haben. Im Gebäude befinden sich zwei Floors und, das ist neu, auch im Außenbereich kann getanzt werden.

Club Graf Karl Betreiber Tim Marth und Willy Bautzmann

Ungewöhnliches Hobby

Die Eröffnungsparty in der vergangenen Woche sei gut angelaufen, im Vorverkauf wurden alle 250 Tickets verkauft. Durch die 2G-Regel könne die Kapazität voll ausgereizt werden.

In erster Linie gehe es ihnen aber nicht ums Geldverdienen. Die beiden jungen Männer haben Vollzeitjobs, der Club werde "nebenbei" betrieben, wie Bautzmann sagt. Er ist Projektingenieur, Marth arbeitet bei der Telekom. Noch sehen sie den Graf Karl als Hobby, für das sie beide brennen. Ob sie eines Tages vom Club leben können, werde sich zeigen.

Techno-Metropole Kassel

Kassel kann auf eine wahre Techno-Ära zurückblicken. In den 1990er Jahren gehörte das Stammheim zu den angesagtesten Techno-Clubs Deutschlands. Als 2002 den Betreibern der Mietvertrag gekündigt wurde, ging diese Ära zu Ende. Mit dem Aus für die Clubs ARM und Panoptikum endete dann vorerst die Zeit des Technos in Kassel.

Bautzmann ist sich der Geschichtsträchtigkeit bewusst: "Das war eine wilde Zeit mit wilden Nächten - daran wollen wir anknüpfen und gleichzeitig etwas Neues schaffen."

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Wieso ausgerechnet Graf Karl?

Der Name des Clubs hat einen historischen Ursprung. Landgraf Karl hatte das Gebäude bauen lassen, das vor rund 300 Jahren eine Hammerschmiede war. In dieser Schmiede ist Kassels Wahrzeichen, der Herkules, entstanden.

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Mehr als ein Techno-Club

Techno wird im Graf Karl zwar großgeschrieben, doch Bautzmann betont, dass sie Kassel zeigen wollen, "dass der Standort und der Club viel zu bieten haben." Neben Technopartys sollen auch Rock-, Metal- oder Reggaeabende stattfinden.

Marth fügt hinzu, dass eine Kulturstätte entstehen solle. Direkt nebenan steht die Kulturfabrik Salzmann - Kultur scheint mit dem Ort eng verknüpft zu sein. Die Betreiber können sich auch kleinere Konzerte vorstellen.

Ende Dezember steht eine Kooperation mit dem Staatstheater Kassel an, der Club wird in diesem Rahmen zum Spielort. "Wir wollen Kultur schaffen, die Leute hier glücklich rausgehen sehen", so Marth.

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