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Audioseite 25 Jahre Greser&Lenz in der Caricatura

Collage: Karrikatur eines Neonazis als Neandertaler und das Zeichner-Paar

Seit einem Vierteljahrhundert beschert das Zeichnerduo Greser und Lenz den Leserinnen und Lesern der Frankfurter Allgemeine Zeitung mit ihren Karikaturen Lachanfälle und Wutausbrüche. Das Jubiläum feiert das Caricatura Museum in Frankfurt mit einer Ausstellung.

Eine Kuh mit großem Euter, gezeichnet aus feinen Federstrichen. Hinter ihr ein riesiger Kuhfladen. Darüber schwirren zwei fröhliche Fliegen. Unter dem Bild steht: "Die gute Nachricht für Eintagsfliegen: BSE-Inkubationszeit liegt bei 10 Jahren." Das war die erste Karikatur von Greser und Lenz für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. 1996, zu der Zeit, als die Rinderseuche BSE in Großbritannien grassierte. 

Jetzt hängt die Zeichnung mit 383 anderen eingerahmt an einer der dunklen Wände des Caricatura Museums in Frankfurt. Achim Greser und Heribert Lenz sind das komische Duo, das hinter den Zeichnungen steckt. Die Ausstellung beschreibt Greser als "Witzebad zum Eintauchen".  

Weitere Informationen

"Schlimm" - Die Ausstellung

Im Caricatura Museum Frankfurt, Weckmarkt 17 
Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr 
Noch bis 21. November 2021

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Sie sei aber auch eine Chronik des vergangenen Vierteljahrhunderts, die national, international und in Hessen Relevantes heiter reflektiere. Und: "Man kann’s auch als epochalen Abschluss sehen, weil da Witze versammelt sind, über die wir seit 25 Jahren in aller Unschuld lachen und unter denen es welche gibt, die möglicherweise nicht mehr ohne Weiteres belacht werden dürfen."

 Provokation als oberstes Ziel 

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Um politische Korrektheit schert sich das Duo nicht. Ihr Motto: "Jeder Krieg hat seine Opfer, das Gleiche gilt für den guten Witz." Von Querdenkern über die Frauenquote bis hin zu Kim Jong Un oder Donald Trump sind sie täglich auf der Suche nach "wunden Punkten", erzählen die beiden. Schlendert man durch die niedrigen Gänge der Ausstellung, zeigt sich die Bandbreite der Zeichnungen, alle vereint in ihrer Provokation. 

 "Es ist natürlich eine bubenhafte Lust, Opposition einzunehmen, dort wo alle einer Meinung sind", sagt Achim Greser. "Und es macht einen Heidenspaß, jemanden zu veräppeln oder zu verarschen."  

Greser und Lenz als Business-Ehepaar 

Kennengelernt haben die beiden sich schon im Studium in Würzburg. Heute sind sie Anfang 60. Der eine groß, der andere kleiner, rundlich und mit einem Strohhut auf dem Kopf. Sie leben in Aschaffenburg. In einem Haus, mit getrennten Wohnräumen und gemeinsamer Zeichenwerkstatt. Dort feilen sie gemeinsam an Ideen, bis der nächste Witz ausgereift ist. Gezeichnet wird ganz old school mit Feder, Tusche und Aquarellfarben auf Büttenpapier. Rund 2800 Zeichnungen sind so bis heute entstanden.

Dass das Duo zur konservativen F.A.Z. finden würde, war keineswegs immer klar -  standen sie doch eigentlich den Künstlern der eher linken Neuen Frankfurter Schule und dem Satiremagazin Titanic nahe.  

Dementsprechend groß war anfangs die Skepsis, erinnert sich Heribert Lenz: "Wir haben unsere Skizzen hingeschickt am Anfang und es gab bei Titanic in der Redaktion schon Wetten, dass das nicht länger als ein paar Wochen hinhauen würde." So waren die Zeichner selbst überrascht, welche Witze schließlich genommen wurden.  

Frankfurt als "Hauptstadt des Witzes" 

Mit ihrem Stil haben Greser und Lenz die Karikaturenlandschaft geprägt. "Heute zeichnen fast alle unsere Kollegen, die für Tageszeitungen arbeiten, so wie wir", sagt Heribert Lenz. "Also richtige Witze mit Sprechblase. Das war damals noch nicht der Fall, hat dann aber Schule gemacht."

Bei seinen Ideen lässt sich das Duo von Hessinnen und Hessen inspirieren. Frankfurt ist "unsere Hauptstadt", sagen Greser und Lenz. Sie sei eine Stadt der Sensation. "Wir haben viele Beobachtungen in Gasthäusern gemacht", sagt Heribert Lenz. Da werde immer herumgefrotzelt und nicht alles müsse immer harmonisch sein. Auch komisch laut Lenz: der hessische Dialekt. "Der hat sowas Wasserabweisendes, fast schon leicht Menschenverachtendes und das kommt dem Witz sehr zugute." 

Genau wie die Hessinnen und Hessen selbst. "Das ist einfach ein wunderbarer Menschenschlag, der eine gewisse Selbstdistanziertheit hat und nicht zum Pathos neigt", beschreibt er.  

Ein Stück Zeitgeschichte 

Auf neue Inspirationen sind Greser und Lenz immer wieder angewiesen. Denn viele Themen wie Rentenreformen oder Kriegseinsätze wiederholten sich mit der Zeit. Aber trotzdem: In den 25 Jahren ist politisch und gesellschaftlich viel passiert. Und so sind die Karikaturen von Greser und Lenz auch ein Stück Zeitgeschichte. 

Sendung: hr2-kultur, Am Nachmittag, 22.07.2021, 13:00 Uhr