Der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas am Mittwoch an der Universität Frankfurt.
Der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas am Mittwoch an der Universität Frankfurt. Bild © hr

Eine Veranstaltung mit dem Philosophen Jürgen Habermas an der Universität Frankfurt musste am Mittwochabend vorübergehend geräumt werden. Habermas, der gerade 90 Jahre alt wurde, reagierte verdutzt, freute sich dann aber über die zusätzliche Aufmerksamkeit.

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Philosoph Jürgen Habermas vor seinem Vortrag anlässlich seines 90. Geburtstags an der Uni Frankfurt

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zum Video Großer Andrang bei Vortrag von Jürgen Habermas in Frankfurt

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Jürgen Habermas zählt weltweit zu den am häufigsten zitierten Philosophen und Soziologen der Gegenwart. Am Mittwochabend wurde sein Vortrag an der Universität Frankfurt jäh unterbrochen - durch einen Feueralarm.

Die rund 700 Zuhörer im Hörsaal auf dem Campus Westend wurden per Durchsage aufgefordert, unverzüglich das Gebäude "auf den gekennzeichneten Fluchtwegen zu verlassen", wie die Nachrichtenagentur KNA berichtete. Weiter war in der minutenlangen, ohrenbetäubenden Durchsage zu hören: "Dieser Alarm wird automatisch ausgelöst."

Vortrag abgebrochen

Habermas, der am Dienstag seinen 90. Geburtstag feierte, reagierte wie seine Zuhörer verdutzt und brach seinen Vortrag zunächst ab. Er hatte laut Universität insgesamt rund 3.000 Zuhörer. Der Vortrag wurde in fünf weitere Hörsäle übertragen.

Die Präsidentin der Universität, Birgitta Wolff, sagte, auch wenn es sich "mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Fehlalarm" handele, müssten die Anwesenden aus rechtlichen Gründen das Gebäude verlassen - was diese taten. Auf Twitter waren Fotos von zahlreichen Menschen auf dem Campus-Gelände zu sehen.

Und dann kam der Feueralarm bei der Vorlesung von #habermas . 3000 Leute aus dem Gebäude.

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Habermas: "Dankbar für zusätzliche Publizität"

Zunächst fuhren Feuerwehrwagen auf, die bald aber das Gelände wieder verließen. Nach etwa einer halben Stunde wurden Habermas und die Zuhörer zurück in den Hörsaal gebeten. Eine Erklärung zum Grund des Alarms gab es zunächst nicht. Nach dem Ende des Vortrags sagte Uni-Präsidentin Wolff, es sei "kein Feueralarm" gewesen.

Habermas reagierte humorvoll und sagte, er sei "dankbar für die zusätzliche Publizität". Dann setzte er seinen Vortrag mit dem Thema "Noch einmal: Zum Verhältnis von Moralität und Sittlichkeit" ungerührt fort.

Enge Verbindung zur Universität Frankfurt

Habermas hat eine enge Verbindung zur Universität Frankfurt. 1964 übernahm er von Max Horkheimer (1895 bis 1973) den Lehrstuhl für Philosophie und Soziologie an der Universität Frankfurt, den er in der Zeit der Studentenproteste zunächst bis 1971 innehatte. Viele 1968er beriefen sich auf ihn und sahen ihn als geistigen Ideengeber. Als die Bewegung sich jedoch radikalisierte, übte Habermas offen Kritik an ihr.

Als maßgeblicher Protagonist der Kritischen Theorie in der Tradition Theodor Adornos und Max Horkheimers war er ein wichtiger Impulsgeber der Frankfurter Schule, einer Gruppe von Philosophen und Wissenschaftlern am Institut für Sozialforschung in Frankfurt. Habilitiert wurde er 1961 in Marburg - seine Habilitationsschrift "Strukturwandel der Öffentlichkeit" gilt bis heute als bahnbrechend. Derzeit arbeitet er an einem 1.700 Seiten starken Buch.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 20.06.2019, 19.30 Uhr