Schrift vor abgebranntem Frankfurter Goetheturm

Eine verbrannte Leiche in den Trümmern des Frankfurter Goetheturms, ein Kopf auf einem Schwimmring im Ostparkweiher und einer auf dem Schoß der Loreley-Statue. Andrea Habeney hat einen spannenden Krimi um Medikamentenfälschung geschrieben.

Die Geschichte:

Die Frankfurter Kommissarin Jenny Becker will weg aus der Stadt. Ihr Freund, Staatsanwalt Michael Biederkopf, hat sich von ihr getrennt, im Präsidium würde sie ständig auf ihn treffen. Sie lässt sich nach Koblenz versetzen. Ihre früheren Kollegen Sascha und Logo ermitteln derweil in einem Mordfall: In den rauchenden Trümmern des abgebrannten Goetheturms lag die verkohlte Leiche eines Mannes. Er war unheilbar an Krebs erkrankt und hätte bald sterben müssen. Wer bringt einen Todkranken um?

Buchcover

Jennys erster Fall in Koblenz lässt nicht lange auf sich warten. Im Rhein treibt eine kopflose Leiche. Bald wird ein Kopf auf dem Schoß der Loreley-Statue gefunden. Dann taucht ein zweiter Kopf auf - drapiert auf einem Kinderschwimmring treibt er im Frankfurter Ostparkweiher. Die dazugehörige Leiche findet sich zerstückelt auf einem Bahndamm. Überraschung: Der Frankfurter Kopf gehört zur Koblenzer Leiche, der Kopf bei der Loreley zum Frankfurter Körper. Der eine Tote war ein berühmter Onkologe, der andere ein Obdachloser.

Schließlich wird noch eine Aktivistin gegen die Schulmedizin ermordet und in ihrem Whirlpool gefunden, und es wird klar: Alle Fälle haben miteinander zu tun. Es gab allerdings einen Kollateralschaden in einem perfiden Mordplan, mit dem ein folgenschwerer Skandal vertuscht werden sollte. Jenny muss nun mit zwei Teams ermitteln - mit ihrem neuen in Koblenz und ihrem alten in Frankfurt und Darmstadt.

Kurzkritik:

"Apfelwein auf Rezept" ist der achte Band um Haberneys Kommissarin Jenny Becker. Das Buch ist gut aufgebaut, der Plot spannend, die Lösung überraschend. Den eingefleischten Lesern dieser Reihe sind die Hauptfiguren bekannt; dem Neueinsteiger bietet die Autorin Rückblicke auf vorherige Fälle, aus denen klug zu werden allerdings schwer fällt - sie sind zu vage.

Jenny und ihre Teamkollegen in Frankfurt und Koblenz sind lebendig dargestellt, vor allem natürlich die Kommissarin, die nur mühsam das Beziehungsende mit Michael verkraftet und sich mutig in ein neues Leben wagt. Ihre brillanten Einfälle und ihre Fähigkeit, ihre Kollegen unter einen Hut zu bringen und deren Kompetenzen gezielt einzusetzen, machen aus ihr eine interessante Figur. Dass sie immer wieder nach Frankfurt fahren muss, weil alle Fälle zusammenhängen, ist einer der gelungenen Kniffe der Autorin. Ein durchaus lesenswerter Regionalkrimi mit viel Flair.

Was irritiert, ist der Buchtitel. Er bezieht sich auf einen Halbsatz zu Beginn der Erzählung und hat mit dem Rest nichts zu tun.

Die Autorin:

Frau lächelt in Kamera

Andrea Habeney, Jahrgang 1964, hat in ihrer Kindheit gewiss oft das Gemalte Haus in Frankfurt gesehen, denn sie ist im Stadtteil Sachsenhausen aufgewachsen. Sie kann die Atmosphäre in der urigen Gastwirtschaft, wo sich ihre Hauptfiguren gelegentlich treffen, gut beschreiben. Studiert hat Habeney Veterinärmedizin in Gießen. 1997 promovierte sie und führte jahrelang eine eigene Tierarztpraxis. Heute arbeitet sie als Pharmareferentin in der Tiermedizin. Seit vier Jahren veröffentlicht sie auch die Fantasy-Reihe "Haus der Hüterin".