Immenhof-Neuverfilmung

Ohne Erfahrung die Hauptrolle in einem Kinofilm ergattern: Die Schülerin Leia Holtwick aus Trebur hat es geschafft. Sie stand für die Neuauflage der "Mädels vom Immenhof" vor der Kamera - mit Bravour. Fans des Originals könnte der Film trotzdem enttäuschen.

Videobeitrag

Video

zum Video Neuer "Immenhof"-Film im Kino

hs
Ende des Videobeitrags

Nicht nur für Pferdefreunde ist sie Kult: die fünfteilige Immenhof-Reihe, die zwischen 1955 und 1972 gedreht wurde. Wie die Filme mit Peter Alexander oder Heinz Erhardt steht die Reihe für die heile Welt des Wirtschaftswunderdeutschlands der 50er und 60er Jahre. Die Schauspielerinnen Heidi Brühl und Angelika Meissner wurden durch die Filme bundesweit bekannt.

Jetzt feiert der Klassiker unter dem Titel "Immenhof - Das Abenteuer eines Sommers" ein Comeback. Und Hauptdarstellerin Leia Holtwick aus Trebur (Groß-Gerau) ist eine echte Neuentdeckung, ebenfalls mit dem Zeug zur großen Karriere (zur Kurzkritik).

Filmreife Casting-Geschichte

Dabei klingt die Geschichte, wie die 16-Jährige an die Rolle kam, selbst fast filmreif: Sie begann im April 2018, knapp zwei Monate bevor die Dreharbeiten starten sollten. Regisseurin Sharon von Wietersheim hatte schon fast 2.500 Mädchen gecastet, die Hauptrolle der Lou war aber immer noch nicht besetzt.

Eine befreundete Model-Agentin schlug der verzweifelten Regisseurin schließlich Leia Holtwick vor, die sie seit rund zwei Jahren unter Vertrag hatte. Holtwicks Familie drehte ein Probevideo, drei Tage später wurde die Schülerin zur persönlichen Vorstellung nach München eingeladen. Noch am selben Abend kam die Zusage - obwohl sie nur etwas Model-, aber keinerlei Schauspielerfahrungen hatte.

In neue Welt abgetaucht

Es folgten zwei Monate Dreh, unter anderem in der Altmark (Sachsen-Anhalt), an der Seite von Heiner Lauterbach. Zwei Monate, in denen die 1,80 Meter große Schülerin in eine neue Welt abtauchte, wie sie erzählt: "Es war ein völlig anderer Tagesablauf als gewohnt." Ein streng getakteter Tagesablauf, der aus an- und umziehen, Maske, proben, drehen und Text lernen bestand. Und das jeden Tag, zehn Stunden, außer an den Wochenenden.

Immenhof-Neuverfilmung

Geholfen habe Disziplin, erzählt Holtwick. Die kennt sie von der Leichtathletik - in ihrer Freizeit ist sie erfolgreiche Sprinterin beim TV Groß-Gerau. "Und Max von Thun hat mir sehr viele Tipps gegeben", verrät sie und ergänzt mit einem Augenzwinkern: "Dafür liebe ich ihn heiß und innig." Der Sohn des Schauspielers Friedrich von Thun steht seit 1997 regelmäßig für TV- und Kinoproduktionen vor der Kamera. Hier ist er in einer Nebenrolle zu sehen.

In ein Loch gefallen

Zurück in Trebur sei sie erst einmal in ein Loch gefallen, erinnert sich Holtwick: "Ich habe extrem viel geweint, weil ich das Team so vermisst habe." Einige Mitglieder der deutsch-belgischen Crew lebten weit weg, so dass es schwer sei, sich regelmäßig zu sehen. Außerdem sei es anfangs sehr schwer gewesen, sich wieder auf das reale Leben zu konzentrieren.

Externer Inhalt

Externen Inhalt von Youtube (Video) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von Youtube (Video). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts

"Ich muss mich wirklich bei meinen Freunden bedanken", sagt die Schülerin. "Sie hatten viel Geduld mit mir, während ich erst ankommen musste." Inzwischen lebe sie aber wieder "mehr oder weniger normal" und trainiere auch wieder für ihre Leichtathletik-Wettkämpfe.

"Schule fällt mir nicht sooo leicht zu"

Ob es nach dem Filmstart am 17. Januar weitergeht mit der Schauspielerei, das will Holtwick auf sich zukommen lassen. "Ich habe Schwierigkeiten, mich nach nur einem Film Schauspielerin zu nennen", sagt sie, "auch wenn es die Hauptrolle war."

Auf dem Programm steht in jedem Fall das Abi, Schwerpunkte sind Sport, Englisch und Kunst: "Das wird harte Arbeit für mich", verrät sie. "Die Schule fällt mir nicht sooo leicht zu." Dann könnte es "irgendetwas mit Englisch" werden, vielleicht nach einem Auslandsjahr, sagt sie. Oder eben doch die Schauspielerei: "Eine Immenhof-Fortsetzung wäre schon schön."

Weitere Informationen

Story und Kurzkritik

Die Story: Nach dem Tod ihres Vaters kämpfen die drei Schwestern Charly (Laura Berlin), Lou (Leia Holtwick) und Emmie (Ella Päffgen) um dessen Lebenswerk, den Immenhof. Außerdem haben die Mädchen Ärger mit dem Besitzer des Nachbargestüts, Jochen Mallinckroth (Heiner Lauterbach). Um den Hof zu retten lässt sich Lou auf einen Deal mit Mallinckroth ein, bei dem sie nicht nur ihre geliebte Stute Holly, sondern auch den Hof verlieren könnte.

Die Kurzkritik: Eingefleischte Immenhof-Fans müssen ganz stark sein. Der Film fühlt sich viel mehr nach Wendy oder Ostwind als nach den Originalen an. Es gibt zwar noch einzelne Elemente der Originale: Die Schwestern sind Waisen, der Hof hat finanzielle Schwierigkeiten, ein Stadtjunge kommt aufs Land.

Die vielen Islandpferde und Shetlandponys des Originals gibt es hier aber nicht. Hier geht es - einmal mehr - um ein sensibles, rebellisches Mädchen und einen schwarzen Wunderhengst (ergänzt durch eine Wunderstute), die sich gegen die Gegebenheiten des Hochleistungs-Pferdesports auflehnen.

Die Schauspieler sind dabei durch die Bank weg großartig, allen voran Leia Holtwick, die die sensible Lou glaubhaft verkörpert. Leider wirkt das Drehbuch aber, als sei es über ein Pferdefilm-Bingo zusammengestellt. Nebenplots werden kurz angerissen, aber nicht auserzählt. Das lenkt unnötig von der Hauptgeschichte ab, so dass kaum Spannung aufkommt.

Das Fazit: Vorhersehbare Geschichte mit tollen Schauspielern. Für Fans von Filmen à la Ostwind.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 19.01.2019, 19.30 Uhr