"Lichtsphären" des hessischen Künstlers Yvelle Gabriel im größten Untergrundfriedhof der Welt in Jerusalem

Zehn große Sonnen aus Glas und Stahl werden die Gänge des neuen unterirdischen Friedhofs in Jerusalem erleuchten. Geschaffen hat sie der hessische Künstler Yvelle Gabriel.

50 Millionen Dollar Baukosten, kilometerlange Gänge unter der Erde, zehntausende Gräber: Unter Jerusalems größtem Friedhof Har Hamenuchot - dem israelischen "Berg der Ruhenden" - entsteht derzeit ein rießiger, unterirdischer Friedhof. Ende Oktober wird der erste Teilabschnitt dieses Großprojektes eingeweiht.

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Graue Betonwände, Gräber soweit das Auge blickt. Die ersten Tunnelabschnitte mit zunächst 22.500 Ruhestätten verlaufen bis zu einem Kilometer tief in den Stein. Das könnte eine trostlose, kalte Angelegenheit sein - ist es aber nicht.

In den Blickachsen des neuen Untergrundfriedhofes hängen riesige Skulpturen aus Glas und Stahl, die von innen erleuchtet warmes, gelb-gold-rotes Licht verbreiten. "Ich fühle mich sehr erfüllt und beseelt von meiner Arbeit für den Friedhof. Ich will den Friedhof und den Tod mit etwas Positivem erfüllen", sagt Yvelle Gabriel.

Der Künstler aus Weinbach an der Lahn (Limburg-Weilburg) hat diese futuristisch anmutenden Lichtgebilde in Form von Dodekaedern geschaffen. Sie sollen "sinnbildlich die Aura und Lichtkraft der Sonne - der Fackel des ewigen Lebens - in die dunklen Katakomben bringen". Für das Judentum seien alle Körper kostbare Hüllen von heiligen Seelen, sagt Gabriel. Sie müssten nach ihrem Tod in einem ehrbaren Zustand aufbewahrt werden.

Deutscher Künstler, amerikanisches Glas, israelische Metallarbeit

Die Produktion der Objekte, die Arbeit des Künstlers nicht eingerechnet, hat gut eine halbe Million Dollar gekostet. "Das ist ein Prozent des Gesamtvolumens des Bauvorhabens. Ich würde mir wünschen, dass Kunst auch bei großen öffentlichen Bauvorhaben in Deutschland in dieser Höhe eingeplant würde", sagt Gabriel.

Eine Metallfirma in Lod in Israel erschuf die Metallskupturen. Das Glas für die Außenflächen stammt aus Amerika. Für seinen Auftraggeber, die "Jerusalem Burial Society", deren Chairman ein orthodoxer Jude aus Wiesbaden ist, habe es keine Rolle gespielt, dass er Deutscher ist. "Darüber bin ich sehr froh", sagt Gabriel.

"An der Schuld habe ich mich schon abgearbeitet"

Bildkombo: Yvelle Gabriel und seine Fenster und der Thora-Schrein in der Synagoge

Bei einer früheren Arbeit in Israel, dem Thora-Schrein für die orthodoxe Synagoge im Sheba-Medical-Center bei Tel Aviv, den er 2018 fertigstellte, sei das noch anders gewesen. "Da wollte ich, dass alles aus Deutschland kommt, um den Versöhnungs- und Brückenbaucharakter zu unterstreichen", sagt Gabriel. "Aber meine persönliche Versöhnung hat da schon stattgefunden, ich habe mich an der gefühlten Schuld abgearbeitet."

Für das neue Projekt sei er einfach ein Künstler, der "Licht und Liebe" zu den Toten bringen wolle. Das habe die Friedhofsgesellschaft von Anfang an ähnlich gesehen. "Kunde und Künstler erleben einfach eine wunderschöne Synergie." Die Friedhofsgesellschaft sei direkt begeistert gewesen von seiner Vision und dem Vorschlag, Lichtskulpturen in den Friedhof zu integrieren.

Und so leuchten ab dem 30. Oktober, wenn der erste Abschnitt des Friedhofs mit rund 22.500 Gräbern eingeweiht wird, Gabriels Sonnen in den unterirdischen Gängen und bringen den Toten Licht - und auch den Lebenden.

Der Künstler Yvelle Gabriel arbeitet in seinem Atelier
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Glaskünstler Yvelle Gabriel

Yvelle Gabriel lebt mit seiner Frau, vier Kindern und einem Hund in einer Hofreite in Weinbach an der Lahn (Limburg-Weilburg). Mehrere Jahre lebte er in Neuseeland, auf Lanzarote und La Palma. Heute pendelt der 50-Jährige zwischen seinem Wohnort und Atelier in Deutschland und seinem Atelier in Ramla in Israel.

Gabriel hat sich auf Glaskunst für Sakralbauten, Hospize, Kliniken und öffentliche Bauten spezialisiert. Seine Kunst zielt auf den interreligiösen Dialog besonders zwischen Juden und Christen und die Versöhnung der Religionen. Zuletzt schuf Gabriel einen Thora-Schrein und mehrere Glasfenster mit religiösen Motiven aus blauem Glas für die orthodoxe Synagoge im Sheba-Medical-Center bei Tel Aviv in Israel.

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