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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Freiluftpremiere in Marburg

Hessisches Landestheater Marburg

Einige Theater haben es schon getan, andere nehmen nach den Corona-Lockerungen zum Wochenende ihren Spielbetrieb wieder auf. Die Bedingungen sind allerdings sehr speziell.

"Wenn ich mir was wünschen dürfte" - so heißt die Revue, die das Hessische Landestheater Marburg ab Freitagabend auf der Schlossparkbühne spielt. Ein Wunsch der Schauspielerinnen und Schauspieler ist schon jetzt in Erfüllung gegangen: Nach wochenlangem Stillstand durch die Corona-Pandemie dürfen sie wieder auf die Bühne.

Die Bedingungen sind allerdings speziell: Proben müssen sie mit zwei Metern Abstand und Mundschutz oder Visier. Surreal, findet Schauspieler Camil Morariu: "Man kommt in den Raum, muss schauen, wie viele Leute im Raum sein dürfen, ob der Abstand eingehalten werden kann. Es ist plötzlich alles anders, als man es kennt."

"Eine andere Atmosphäre"

Die Kostüme anziehen, sich schminken und verkabeln müssen sie auch alleine - das kostet Zeit und bedeutet mehr Stress, weiß Maskenbildnerin Grit Anders: "Das ist die größte Veränderung für die Schauspieler, die ja sonst zu uns kommen und sich entspannt auf den Stuhl setzen. Die Vorarbeit, die sie leisten müssen, schafft eine andere Atmosphäre." Jeder Schauspieler hat sein eigenes Headset mit Mikro. Nach der Probe kommt es in eine Box und muss "auslüften".

Trotzdem sind alle froh, überhaupt wieder zusammen arbeiten zu können. Bei der Auswahl der Stücke war Kreativität gefragt: "Wir haben uns entschieden, einen Abend zu machen, der ganz zart, mehr Sternenhimmel als Party, etwas übers Wünschen und die Sehnsüchte erzählt", berichtet Intendantin und Regisseurin Carola Unser.

"Er soll ein Wohlfühlabend sein, zu dem man hingeht und seine eigene Weißweinschorle mitbringt und denkt: Schön, dass es wieder losgeht." Außerdem auf dem Marburger Spielplan: zwei Ein-Mann-Stücke, die die Abstandsregeln garantieren.

Spielpläne angepasst

Auch andere Theater haben die Spielpläne angepasst. "Wir haben die Stücke gesucht, von denen wir glauben, dass man sie mit Abstandsregeln gut spielen kann", sagt Thomas Bockelmann, Intendant des Staatstheaters Kassel. Ein-Mann-Stücke also wie "Moby Dick" oder Stücke mit wenigen Schauspielern, wie etwa "Verwundetes Herz" mit drei Darstellern.

Das Staatstheater Wiesbaden spielt schon seit Mitte Mai wieder. Er habe Veranstaltungen immer nur kurzfristig abgesagt und sich so alle Möglichkeiten offen gehalten, erzählt Intendant Uwe Eric Laufenberg. So habe sein Haus Mitte Mai unter anderem mit einigen Specials den Betrieb sehr schnell wieder aufnehmen können.

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Das Schauspiel Frankfurt hatte die Spielzeit eigentlich für beendet erklärt, unter den aktuellen Hygienevorschriften sei im Schauspielhaus keine der Inszenierungen des derzeitigen Repertoires möglich. Nun bietet das Haus aber einen - fast ausverkauften - Ersatzspielplan in den Kammerspielen an. Er besteht vor allem aus szenischen Lesungen. Die Oper Frankfurt wiederum hat sich auf Liederabende verlegt.

"Ökonomisch eine Katastrophe"

Auch für das Publikum ändert sich einiges. Obwohl "Wenn ich mir was wünschen dürfte" in Marburg unter freiem Himmel läuft, dürfen maximal 99 Personen zuschauen. Viele Bankreihen müssen frei bleiben - sonst passen mehrere hundert Menschen in die Schlossparkbühne.

"Wir spielen im Schauspiel vor 76 Zuschauern bei 520 Plätzen", sagt Kassels Intendant Thomas Bockelberg und blickt voraus. "Das können wir nur bis zum Sommer machen, denn ökonomisch ist es natürlich eine Katastrophe. Es ist jetzt erst einmal ein Zeichen, dass wir noch da sind." Bockelberg hofft, dass die Abstandsregeln nach dem Sommer angepasst werden.

"Theatertexte real geworden"

Wiesbadens Intendant Uwe Eric Laufenberg wünscht sich mehr Vertrauen von der Politik: "Wir würden im September wahnsinnig gern wieder normal spielen. Man kann das kein halbes oder Dreivierteljahr so weiter betreiben, geschweige denn eine ganze Spielzeit."

Die Schauspielerinnen und Schauspieler in Marburg nehmen die Situation derweil mit Humor. Camil Morariu fühlt sich manchmal, als sei er in einem Theaterstück gefangen: "Als seien Theatertexte plötzlich real geworden und in den Alltag übergegangen", sagt er.

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Hygieneregeln und Spielpläne

Da die hessischen Hygieneregeln einen Mindestabstand von 1,50 Metern zwischen den Zuschauern vorsehen, beziehungsweise eine Grundfläche von fünf Quadratmetern pro Zuschauer, bleiben viele kleinere Theater wie das Stadttheater Gießen oder freie Theater noch zu.

Die Spielpläne des Schauspiels und der Oper Frankfurt, des Hessischen Landestheaters Marburg und der Hessischen Staatstheater Kassel, Wiesbaden und Darmstadt wurden so angepasst, dass zumindest ein eingeschränkter Betrieb möglich ist.

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Sendung: hr2, 12.06.2020, 9.20 Uhr