Brenda Lien

Den Newcomer-Preis beim Hessischen Film- und Kinopreis hat Brenda Lien erhalten. Die Themen der 25-Jährigen aus Dietzenbach: Gendergerechtigkeit und Kapitalismuskritik.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Brenda Lien - Newcomerin mit sozialem Anspruch

Filmstill Brenda Lien "Call of Beauty"
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In ihren Kurzfilmen geht es mal um Beauty Bloggerinnen, mal um Katzenvideos oder auch um Datensicherheit - also oft um Themen, die sich um einen virtuellen Alltag drehen. Auch um den von Brenda Lien, die nach eigener Einschätzung sehr viel im Internet unterwegs ist, vor allem auf YouTube. "Ich finde, es ist immer total interessant zu sehen, warum bestimmte Inhalte beliebt sind, was das über unsere Kultur und Gesellschaft aussagt und das verarbeite ich dann in meinen Filmen".

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Hessischer Film- und Kinopreis

Der Hessische Film- und Kinopreises feiert jedes Jahr das Kino und zeichnet sowohl Darsteller, Drehbücher als auch verschiedene Filmkategorien aus. Nach der coronabedingten Absage der Veranstaltung werden die Preisträger exklusiv im hr-fernsehen verkündet. Am Donnerstag, 22. Oktober, um 22.30 Uhr gibt es dazu ein "Hauptsache Kultur Spezial: der Hessische Film- und Kinopreis 2020".

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Mit der Videokamera der Eltern fing alles an

Die heute 25 Jährige wuchs in einem "sehr kreativen" Haushalt in Dietzenbach auf: Musik, Zeichnen oder Tanz, alles Künstlerische sei schon früh gefördert worden. "Mit elf Jahren habe ich ziemlich abgenerdet in Photoshop und 'After Effects' und so weiter und hab dann crazy Selbstportraits oder musikvideoartige Experimentalfilme gemacht".

Auf dem Frankfurter Konservatorium lernte sie Klavier, Bratsche, Geige, spielte im Orchester und bereitete sich "eigentlich ständig" auf irgendein Konzert vor. Das und der normale Unterricht seien ihr dann aber irgendwann zu blöd geworden. Als sie erfuhr, dass man an der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach auch ohne Abitur im Kunst- und Filmbereich studieren kann, und zwar sehr praxisnah, schmiss sie die Schule. "Ich habe dann gemerkt, eigentlich fühle ich mich richtig wohl, wenn ich Filme mache oder wenn ich komponiere. Da kreiere ich was, da kann ich was sagen".

Nicht bereit, Erwartungen zu erfüllen

Seither hat Brenda Lien verschiedene Kurzfilme veröffentlicht, in denen sie verschiedenste Techniken mischt. Katzenvideos etwa werden mit Zeichentrickelementen oder Malen-nach-Zahlen-Optik verfremdet. Sie experimentiere eben gerne, auch bei sich selbst und oft bewusst gegen die Erwartungen, so Lien. Privat präsentiere sie sich zum Beispiel manchmal extrem aufgestylt, mit aufwändigem Glitzer-Makeup, während sie sich im Fernsehen völlig ungeschminkt zeige. Und so leuchten ihre Haare dann auch mal in Blau, in Pink oder aktuell weißblond.

"Arbeit mit CIS-Männern geht gar nicht!"

Bei all den Experimenten habe sie auch viel über sich selbst herausgefunden, sagt Lien. Zum Beispiel, dass sie nicht mehr mit CIS-Männer arbeiten will, also mit Männern, die schon immer als Mann gelebt und sich auch schon immer über das herkömmliche Männlichkeitsbild definiert haben. Mit diesen Männern habe sie schlechte Erfahrungen gemacht. "Das passiert halt leider oft bei CIS-Männern, dass man dann doch als das kleine süße Mädchen gesehen wird, das technisch nicht so begabt ist." Sie habe viel Zeit und Energie damit verbracht, Männern zu zeigen und zu erklären, dass sie es kann. "Nein danke, das mach ich nicht mehr."

Deshalb hat sie sowohl für ihren Abschlussfilm für die Offenbacher Hochschule als auch für ihren geplanten ersten Langfilm ein besonderes Gender-Team zusammengestellt. "Das ist generell eine politische Entscheidung, weil ich natürlich weibliche Menschen und FLINT-Menschen, also Frauen, Lesben, Intersexuelle, Nonbinäre, Trans-Menschen und queere Menschen fördern will." Indem sie ausschließlich mit solchen Menschen zusammenarbeite, schaffe sie Jobs für die Community.

Aktivismus für benachteiligte Menschen

Vor und hinter der Kamera will Brenda Lien ihre selbst gesetzten Themen wie Gendergerechtigkeit oder auch Kapitalismuskritik umsetzen. Wobei das nicht heißt, dass sie sich über das Preisgeld des Hessischen Film- und Kinopreises nicht freut - im Gegenteil. "Der Preis ist mit 7.500 Euro dotiert, soviel ich weiß bar auf die Kralle. Das ist krass, weil man das zum Leben verwenden kann, also das Geld nicht an ein Projekt gekoppelt ist." Und dass sie vor allem für ihr Engagement für FLINT-Menschen ausgezeichnet wird, freue sie dabei besonders. Denn diese Menschen hätten es vor allem in der Filmbranche besonders schwer.

Sendung: hr-iNFO, 22.10.2020, 10.24 Uhr