Hans Joachim Mendig (li.) traf sich in Frankfurt mit AfD-Chef Jörg Meuthen und PR-Berater Moritz Hunzinger (re.)

Es ist normalerweise einer der wenigen Glamour-Termine der hessischen Filmbranche: Der Tag, an dem das Kunstministerium die Nominierten des Hessischen Film- und Kinopreises bekannt gibt. Doch am Freitag blickte die Branche nur auf einen Mann, der gar nicht da war.

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Seitdem bekannt wurde, dass sich Hans Joachim Mendig, Geschäftsführer der hessischen Filmförderung, im Juli mit dem AfD-Vorsitzenden Jörg Meuthen getroffen hat, schlagen die Wellen hoch. Mehr als 300 Regisseure und Schauspieler forderten in der vergangenen Woche seinen Rücktritt, auch der Bundesverband Regie distanzierte sich.

Am Freitag gab Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) nun die Nominierten (siehe Infobox) des Hessischen Film- und Kinopreises bekannt. Eigentlich einer der wenigen Glamour-Termine der hessischen Filmlandschaft und nebenbei auch der große jährliche Auftritt des Geschäftsführers der Hessenfilm und Medien GmbH, also der hessischen Filmförderung. Doch Mendig war gar nicht erst gekommen. Bislang schweigt er zu der Sache. Er gab lediglich zu Protokoll, es habe sich bei dem Treffen um eine Privatangelegenheit gehandelt.

Zu außerordentlicher Sitzung geladen

Trotzdem überschattete die Causa Mendig die Bekanntgabe in Frankfurt. Ministerin Dorn verkündete, dass sie für kommende Woche zu einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats der Hessenfilm eingeladen habe, "um über den Vertrauensverlust vieler Filmschaffender gegenüber dem Geschäftsführer der Hessenfilm, die Rücktritte von Jury-Mitgliedern und einen möglichen Imageschaden für das Land und die Hessenfilm zu sprechen." Dorn sitzt dem Aufsichtsrat der Hessenfilm vor.

Die aktuelle Debatte belaste die Hessenfilm, aber nicht spezifisch den Filmpreis, sagte Dorn weiter. Die Hessenfilm stelle nur ein Mitglied der Jury neben zahlreichen anderen, der Preis sei eine Veranstaltung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst. "Es wäre unfair gegenüber den ausgezeichneten und nominierten Filmschaffenden, wenn ihre Leistungen wegen der Kritik an einer Person nicht entsprechend gewürdigt würden", betonte Dorn.

Rücktritte und offene Briefe

Am Donnerstag hatte unter anderem hr-Redakteurin und Filmemacherin Esther Schapira getwittert, dass sie ihre Mitgliedschaft in der Vergabejury der hessischen Filmförderung ab sofort ruhen lassen wolle, da eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Mendig nicht mehr möglich sei. Er nehme in Kauf, für die AfD als "Steigbügelhalter" für deren Kulturpolitik zu dienen.

Schon zuvor hatte sich hr-Intendant Manfred Krupp irritiert über das Zusammentreffen von Mendig und Meuthen gezeigt, das letzterer als politischen Austausch bezeichnete. Der hr gibt jährlich 750.000 Euro Fördergeld in die hessische Filmförderung und sitzt in den wichtigen Fördergremien.

Mitarbeiter distanzieren sich

Auch die Professoren und Lehrbeauftragten der Hessischen Film- und Medienakademie veröffentlichten einen offenen Brief, in dem sie Mendig auffordern, sich öffentlich zu erklären. Kulturpolitische Forderungen der AfD stünden nicht in Übereinstimmung mit der Kunst- und Meinungsfreiheit.

Selbst die Mitarbeiter der Hessischen Filmförderung sahen sich am Donnerstag gezwungen, eine Stellungnahme zu veröffentlichen. Seit dem Treffen des Geschäftsführers erlebe man, "dass sich Partner von der Institution (Hessenfilm, Anm. d. Red.) abwenden, Kooperationen abgesagt werden und Jurymitglieder zurücktreten." Die Mitarbeiter distanzierten sich deshalb unter anderem von Parteien und Organisationen, die die Kunstfreiheit einschränken wollten.

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Preisvergabe und Nominierte

Die 30. Hessischen Film- und Kinopreise werden am 18. Oktober in der Alten Oper Frankfurt verliehen. Am gleichen Abend vergibt der Hessische Rundfunk (hr) den Hessischen Fernsehpreis in den Kategorien "Beste Schauspielerin" und "Bester Schauspieler".

Der Ehrenpreis des Hessischen Ministerpräsidenten 2019 geht an das Deutsche Filminstitut & Filmmuseum (DFF). "Das DFF setzt die ihm zugeschriebene Aufgabe, Filmkultur lebendig zu halten und deren Stellenwert zu vermitteln, in herausragender Weise um", heißt es in der Begründung.

Der mit 7.500 Euro dotierte Newcomerpreis gehe an die Schauspielerin und Filmemacherin Maryam Zaree. Ihr Debütfilm "Born in Evin" ist gleichzeitig in der Kategorie "Bester Dokumentarfilm" nominiert. Die beiden anderen Nominierten sind "Adelheid, Cornelius & die Töde" von Kirstin und Maren Schmitt und "Why are we creative" von Hermann Vaske.

Die Nominierten:
Als bester Spielfilm sind "Crescendo" von Dror Zahavi, "Ostwind - Aris Ankunft" von Theresa von Eltz und "Bruder Schwester Herz" von Tom Sommerlatte nominiert.

Ins Rennen um den besten Kurzfilm  gehen "Der kleine Achill" von  Sebastian Jansen, "Rea" von Joanna Bielinski und "See der Freude" von Aliaksei Paluyan.

In der Kategorie "Beste Schauspielerin" sind Emma Bading in "Play", Katharina Marie Schubert in "Falscher Hase" und Anna Schudt in "Zwischen zwei Herzen" nominiert.

Beste Schauspieler können Peter Kurth für "Tatort - Der Angriff", Jannis Niewöhner für "Jonathan" oder Uwe Ochsenknecht für "Labaule & Erben" werden.

Den Hochschulpreis bekommt Joschua Keßler für "Pech und Schwefel", die Autorin Frauke Lodders erhält den Drehbuchrpeis für "Am Ende des Sommers".

Zudem soll es einen Sonderpreis der Jury für eine herausragende Einzelleistung geben.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 20.09.2019, 16.45 Uhr