Spiel supertype - Philipp Stollenmayer

Der Wettstreit um die wichtigste Auszeichnung der deutschen Computerspielebranche ist entschieden: Die Jury des Deutschen Computerspielpreises (DCP) hat am Dienstag die besten Spiele 2019 ausgezeichnet. Ein Preis geht an Philipp Stollenmayer aus Riedstadt.

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Philipp Stollenmayer aus dem südhessischen Riedstadt (Groß-Gerau) hat beim Deutschen Computerspielpreis (DCP) am Dienstag abgeräumt. Zwar ging sein Spiel "supertype", das in gleich vier Kategorien nominert war und sogar als heißer Anwärter auf die Auszeichnung "Bestes Deutsches Spiel" galt, leer aus. Dafür wurde Stollenmayers zweites Spiel "see/saw" zum "Besten Mobilen Spiel" gewählt. Der Preis ist mit 40.000 Euro dotiert.

Nie Programmieren gelernt

21 zum Teil preisgekrönte Handyspiele hat Stollenmayer schon veröffentlicht - obwohl er nie Programmieren gelernt hat: "Das habe ich mir selbst beigebracht", erzählt er. "Mein Code sieht wahrscheinlich furchtbar aus, aber so lange er funktioniert, ist ja alles okay."

Stollenmayers Konzept: eine einfache Bedienung und ein einfaches, aber liebevoll-zeichentrickartiges Design. So muss der Spieler in "Bacon - The Game" ein glitschiges Stück Schinken so werfen, dass es auf verschiedenen Gegenständen hängen bleibt.

Mit Buchstaben Punkte sammeln

Andere Spiele sind ausgefeilter, wie das nominierte "supertype": Hier geht es darum, mit Buchstaben bestimmte Punkte zu erreichen. Dafür muss der Spieler sie eintippen und herausfinden, wie genau sie fallen.

Dass auch das letztlich sogar siegreiche "see/saw" nominiert wurde, wunderte Stollenmayer ein bisschen: "Das Spiel hat einen dunklen Humor", erklärte er vor der Preisverleihung. Spieler müssen bei einem bestimmten Level ihre eigene Figur umbringen, um voranzukommen.

Ideen "kurz vor dem Einschlafen"

Die Ideen für seine Spiele hat er oft "kurz vor dem Einschlafen" erzählt er, "dann kann ich es gar nicht abwarten, morgens aufzustehen, und das Spiel zu programmieren." Seine Zielgruppe sind Menschen, die sich in der U-Bahn unterhalten wollen "oder in langweiligen Meetings oder auf dem Klo", sagt er und lacht.

Stollenmayers Konzept kommt bei den Nutzern offenbar an: Über 20 Millionen Mal wurden seine Games für Android und iOS heruntergeladen, und auch bei den seit 2004 vergebenen International Mobile Gaming Awards waren "supertype", "see/saw" und "Bacon - The Game" in diesem Jahr nominiert. "Bacon" gewann in der Kategorie "Guilty Pleasure".

"Wollte nie selbständig sein"

Nach dem Abschluss seines Master in Informationsdesign vor einem Jahr machte sich Stollenmayer selbständig. "Eigentlich wollte ich nie selbständig sein", sagt er, "aber inzwischen kann ich von meinen Spielen leben."

Viel Geld in die Entwicklung seiner Spiele investieren muss er dabei nicht. Er brauche keine Marktanalysen, Nutzertests und Ähnliches: "Ich scheine in die richtige Zeit geboren zu sein", freut er sich. "Ich kann mit meiner Kreativität Geld verdienen." Und es geht weiter: Derzeit hat er gleich zwei neue Spiele in der Pipeline.

Weitere Informationen

Der Deutsche Computerspielpreis...

... wurde 2009 erstmals verliehen. In diesem Jahr findet die Vergabe am 9. April in Berlin in inzwischen 15 Kategorien statt. Der vom Branchenverband game - Verband der deutschen Games-Branche - gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) getragene Preis ist mit insgesamt 590.000 Euro dotiert und damit die höchstdotierte Auszeichnung für digitale Spiele in Deutschland.

Prämiert werden innovative, "kulturell und pädagogisch wertvolle" Spiele, die mindestens zu 80 Prozent in Deutschland entwickelt oder hergestellt wurden. Neben Stollenmayer ist aus Hessen das Wiesbadener Studio Assemble Entertainment mit dem Spiel "Nova Nukers!" in der Kategorie "Bestes Jugendspiel" nominiert.

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