Die französische Historikern Emmanuelle Loyer hat in Seligenstadt (Offenbach) den mit 10 000 Euro dotierten Einhard-Literaturpreis bekommen.

Damit wurde sie am Samstag für ihre Biografie des französischen Ethnologen Claude Lévi-Strauss (1908-2009) geehrt, wie die Einhard-Stiftung am Sonntag mitteilte.

Die Malerin und Schriftstellerin Anita Albus würdigte nach den Angaben Loyers Buch als eine "ergreifende Biografie" und "kurzweilige Lektüre". Die Autorin lasse eine ganze Epoche wiederaufleben. Zur "Vielfarbigkeit und Lebendigkeit der Schilderung" trügen die geschickt in den Erzählstrang eingeflochtenen Aussagen der vielen Zeugen, Familienmitglieder, Mitarbeiter, Kollegen und Freunde von Lévi-Strauss bei.

Loyer sagte laut Mitteilung, sie habe nicht versucht, "das Tun und Lassen eines großen Mannes zu schreiben, sondern das Jahrhundert von Lévi-Strauss zu durchqueren". Der Ethnologe sei ein "ernster und exzentrischer, unruhiger und träumerischer Intellektueller" gewesen, "ein Ästhet der Kultur und der Natur", der seinen Blick auf viele Probleme der Welt von heute gerichtet habe. Trotz seiner eigenen "gebeutelten Geschichte", geprägt von zwei Weltkriegen, dem Holocaust und Jahren des Exils in den USA, vermittele sein Werk stets einen "maßvollen Optimismus".

Die Einhard-Stiftung war 1998 von Seligenstädter Bürgern zur Pflege des Andenkens an Einhard gegründet worden, den Berater und Biografen Karls des Großen. Alle zwei Jahre verleiht sie ihren Einhard-Literaturpreis für eine herausragende Biografie einer Persönlichkeit, deren Werk in einer engen Beziehung zu Europa steht. Zu den bisherigen Preisträgern zählen die Autorin Margot Friedlander, der Historiker Eberhard Weis und der Publizist Joachim Fest.