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zum Video Hobby-Regisseur dreht großen Film ohne großes Geld

Hessenschau vom 25.10.2019

Einen zweiteiligen Krimi drehen mit Schauspielern, Kamerateam, Kostümen und allem, was dazu gehört - außer viel Geld. Daran arbeitet Frank Schraml aus Flörsheim. Über 80 Darsteller aus ganz Deutschland gewann er schon für sein No-Budget-Projekt.

In Langen (Kreis Offenbach) wird ein zehnjähriges Mädchen ermordet. Eine Reiterin findet die Kinderleiche im Wald. Die Ermittlungen beginnen. Aufgrund einer Zeugenaussage wird der 29-jährige Miran Vergas zum Mordverdächtigen. Kurze Zeit später kommt er ins Gefängnis. Seine Strafe: 25 Jahre Haft. Ob er tatsächlich der Mörder ist, daran bestehen jedoch Zweifel. Sicher ist, dass die Zeit im Gefängnis sein Leben verändern wird.

Die Geschichte ist reine Fiktion, aber die Szenerie ist echt. Der Großteil des Krimis "Irrtum" spielt in der Justizvollzugsanstalt in Frankfurt-Preungesheim. Die Stimmung dort ist düster. Es gibt keine Fenster. Auf den Gängen reiht sich eine dicke Zellentür an die nächste. Überall sind stählerne Gitter angebracht.

Hauptteil des Krimis spielt in JVA Preungesheim

Vor dem Zellentrakt in einem schäbigen Innenhof starten die Dreharbeiten. Ein ganzes Team, bestehend aus knapp 20 Darstellern, zwei Kameramännern, zwei Maskenbildnerinnen, einem Fotografen und dem Regisseur Frank Schraml, ist auf Position. Die Kameraassistentin hält eine schwarze Filmklappe in die Luft und ruft: "Rolle 10, Szene 3.2, Take 1. Und bitte!" Sofort schlüpfen alle in ihre Rollen, die Szene beginnt.

Gefängnis von innen JVA Preungesheim

15 Häftlinge haben Freigang im Hof. Sie sind umzäunt von dicken Backsteinmauern und Stacheldraht. Die meisten Insassen haben eine Glatze, sind tätowiert und tragen Jogginghose. Plötzlich wird es unruhig. Einer der Häftlinge hat einen anderen wegen Drogenschmuggels verpfiffen. Es gibt einen kurzen Tumult. Ein Wärter greift ein. Die Kamera geht aus. Regisseur Schraml blickt zufrieden in die Runde.

Darsteller spielen unentgeltlich mit

Auf diesen Drehort ist Schraml stolz: "Das ist für mich ein absolutes Highlight. Es ist nicht so, dass man hier mal jederzeit einfach so drehen könnte." Normalerweise werden in dem stillgelegten Gefängnistrakt der JVA Preungesheim richtig große Filme gedreht. Doch heute haben hier knapp 30 Darsteller, die sonst eher in kleinen Rollen zu sehen sind, ihren großen Auftritt.

Im Frühjahr begann Frank Schraml aus Flörsheim (Main-Taunus) mit dem Filmprojekt "Irrtum". Das Besondere: Schraml will seinen Krimi nahezu ohne Geld produzieren. Kamera, Maske - alle am Set sind ehrenamtlich dabei. "Die Darsteller spielen alle unentgeltlich mit, einfach aus Spaß an der Freude", sagt Schraml mit einem breiten Grinsen. Weil keine Produktionsfirma hinter dem Projekt steht, gibt es kein Budget. Auftraggeber ist Frank Schraml selbst, der sein Geld mit einem Aquarien-Notdienst verdient und immer mal als Komparse oder Kleindarsteller vor einer Filmkamera steht.

Frank Schraml mit Kollege Sammy Koc

Idee zum No-Budget-Krimi kam über Nacht

Die Idee zu seinem eigenen Filmprojekt kam ihm über Nacht, wie er berichtet. Eigentlich wollten er und sein Kollege Sammy Koc ein kurzes Bewerbungsvideo drehen. Das Vorhaben, eine kurze Verhörszene zu drehen, weitete sich zu einer Idee für einen ganzen Film aus. "Danach nahm ich nachts mit dem Handy einen Text auf. Am nächsten Morgen wachte ich auf und hatte einen kompletten Krimi im Kopf", erzählt Schraml und lacht. "Und wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, ziehe ich das auch durch."

In kurzer Zeit akquirierten er und Koc Freunde und Bekannte aus der Filmbranche und hatten über 80 Freiwillige bei dem Projekt an Bord. Sie kommen aus ganz Deutschland und darüber hinaus. Christian Jeschko spielt den Gefängnisdirektor im Film. Er ist aus Österreich angereist. Ihm kommt es nicht darauf an, Geld mit dem Film zu verdienen. "Ich finde es interessant zu schauen, was dabei herauskommt, wenn Komparsen und Kleindarsteller selbst einen Film produzieren", sagt er. Außerdem sammle man bei jeder Produktion wertvolle Schauspiel-Erfahrungen.

Dreh No-Budget-Krimi

Sieben Drehtage gab es schon. Gedreht wird überwiegend in Hessen - außer in der JVA Preungesheim unter anderem in einem Wald bei Langen und in einem Hotel in Bad Nauheim (Wetterau). Mittlerweile plant Schraml seinen Film als Zweiteiler mit jeweils 90 Minuten: "Die Geschichte gibt einfach so viel her, daraus könnte man sogar eine ganze Serie machen."

5.000 Euro aus eigener Tasche bezahlt

Schraml führt Regie, hat das Drehbuch geschrieben und spielt auch eine große Rolle in "Irrtum". Er und Koc sind die Ermittler, die den Mordfall an dem Mädchen aufklären sollen. Seine vielen Aufgaben schaffe er nur dank der Unterstützung der vielen Freiwilligen, sagt der Hobbyfilmemacher: "Die Leute hier am Set reißen einen so mit. Das ist der Hammer und macht irre viel Spaß."

Frank Schraml schlägt die Regieklappe für eine Szene in einem Hotel zu.

Außerdem hat Schraml schon 5.000 Euro aus seiner eigenen Tasche in seinen Film gesteckt. Denn komplett ohne Geld geht es dann doch nicht auf einem Filmset. Kostüme, Drehorte und Verpflegung am Set sind nicht umsonst, die 5.000 Euro reichen laut Schraml nur fürs Nötigste. "Aber wer weiß", sagt er, "vielleicht gibt es ja mal einen Filmliebhaber, der unsere Arbeit hier cool findet und ein bisschen Geld dazu gibt."

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Regisseur dreht No-Budget-Film in Frankfurter Gefängnis

Dreh JVA Preungesheim
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Erster Teil soll Ende 2020 fertig sein

Der erste Teil seines Krimis soll Ende kommenden Jahres fertig sein. "Eine No-Budget-Produktion dauert eben ein bisschen länger", erklärt Schraml. Schließlich sei er auf die vielen Freiwilligen angewiesen, die - so wie er selbst auch - anderswo Geld verdienen müssten. Dafür verwirklicht Frank Schraml gerade seinen Traum - und träumt davon, dass "Irrtum" irgendwann im Fernsehen, im Kino oder auf Netflix läuft.

Sendung: hr-iNFO, 25.10.2019, 11.17 Uhr