Filmszene aus einer Horror-Comedy-Serie - eine Frau mit Blut im Gesicht leckt sich eine blutige Hand

Horrorfilme erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Hessische Filmproduzenten haben den Zeitgeist erkannt und reiten auf der Zombie-Welle mit. Womit das Genre besonders punktet? Dem Überraschungs-Effekt - gerne auch an ungewöhnlichen Orten.

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Zombie-Alarm im Fitness-Studio

Filmszene einer geplanten Horror-Fitness-Studio-Serie. Ein Mann mit gelbem Achselshirt trainiert mit an einem Gerät im Fitnesstudio.
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Wie passen Zombies und Fitnessfreaks zusammen? Ganz klar: Beide interessieren sich für eine proteinreiche Ernährung. Sonst dürften sich die Ähnlichkeiten aber in Grenzen halten. Als der Wiesbadener Film-Produzent Orlando Klaus das Drehbuch zu einer Fitness-Studio-Horror-Serie von den Autoren vorgestellt bekommt, ist er erst skeptisch. Bei der Präsentation können Klaus und sein Geschäftspartner Alexander Wipprecht sich vor Lachen dann aber nicht mehr halten.

Horrorstoff wird immer beliebter beim Publikum. Zahlen der großen Online-Filmeplattform IMDB zeigen nicht nur, dass immer mehr Horrorfilme erscheinen, sondern auch, dass sie sich bei den Nutzern der Plattform großer Beliebtheit erfreuen.

Zombies ermöglichen alle Freiheiten

Produzent Orlando Klaus, der gemeinsam mit Alexander Wipprecht die Firma BlueLaserBoys in Wiesbaden leitet, ist eigentlich kein großer Horrorfilmgucker. Doch mittlerweile weiß er die filmischen Vorteile von Zombies zu schätzen.

Die Filmproduzenten Alexander Wipprecht und Orlando Klaus

"Das Gute an Zombies ist: Sie können überall auftauchen und man muss das gar nicht richtig erklären", sagt er. Dafür treiben sie eine Geschichte an und sind ein hervorragendes Spannungsmittel, findet Klaus. Wie ein Brennglas erhöhen sie den Handlungsdruck auf die Figuren und ermöglichen den Machern filmisch unglaubliche Freiheiten.

"Horror ist ein Genre, da setzt man eh schon permanent die Logik außer Kraft", sagt Klaus. Tote sind gar nicht tot und Naturgesetze gelten nicht mehr, wenn Geister auftauchen. Die Produktion der Serie mit den Untoten im Fitness-Studio ist allerdings noch ganz im Anfangsstadium. Zurzeit wird nach einem Partner gesucht, erst dann kann mit den Dreharbeiten begonnen werden.

Gesellschaftskritik macht mit Horror gleich mehr Spaß

Auch Produzent Tonio Kellner freut sich, das erste richtige Horrorfilm-Projekt zu starten. Zusammen mit Jakob Zapf betreibt er die Produktionsfirma Neopol Film in Frankfurt. Schon die Komödie "Ach Du Scheisse", die im vergangenen Jahr gedreht wurde, hatte einige Horrorelemente. Der Film "Stitch", der sich noch im Anfangsstadium befindet, ist schon eher klassischer Horrorfilm-Stoff - aber mit gesellschaftskritischem Anspruch.

Collage: Porträtfoto Tonio Kellner, daneben das Filmplakat zu "Stitch" - ein hellgrüner Pullover, am Etikett blutige Fingerabdrücke, roter Schriftzug: Stitch

In dem Film geht es um eine junge Familie, die nach ihrer Reise in Bangladesch von einer Erscheinung heimgesucht wird. Die Mutter ist Modedesignerin, der Vater Architekt, der sein Okay für das Gebäude einer Textilfabrik gegeben hatte, die dann abgebrannt ist.

In der übergeordneten Ebene des Films gehe es um unsere Verantwortung als Konsumenten. Kellner findet, dass ein gesellschaftskritischer Stoff durch Horrorelemente gleich mehr Spaß mache. "Man kann auf eine extravagante Weise die Konsequenzen der Konflikte ausführen", sagt Kellner. Auf einer fantastischen Ebene hat man mehr Möglichkeiten, "die Dinge noch emotionaler und bunter auszuerzählen", erklärt er die Arbeitsweise.

Ein wunderbarer Ausbruch aus der Langeweile

Horrorfilme mit gesellschaftskritischem Inhalt sind auch für die Filmförderung Hessenfilm interessant. Gefördert werde alles – mit Ausnahme von Filmen, die einem reinen Gewaltexzess dienen, sagt Anna Schoeppe. Die Geschäftsführerin der hessischen Filmförderung musste bisher aber noch keinen Antrag zur Unterstützung eines Horrorfilms ablehnen.

Porträtfoto Anna Schoeppe, lächelnd, mit verschränkten Armen, dunkler Pullover, dunkelhaarige Bob-Frisur, mit Brille

Sie erklärt sich die Popularität des Genres mit einem archaischen Bedürfnis. "Die Menschen wollen sich schon immer gruseln", sagt sie und erinnert daran, wie man sich bereits als Kind am Lagerfeuer Gruselgeschichten erzählt hat. Das setze sich dann eben in solchen Filmen fort und sei auch eine Möglichkeit, aus dem eigenen kleinen alltäglichen Horror mal auszutreten. Gerade in Zeiten der Pandemie.

Dass Horrorfilme in Corona-Zeiten "einen wunderbaren Ausbruch aus dieser Langeweile" bieten konnten, sieht auch Cineast und Filmkritiker Heiko Hanel. So habe die Pandemie viel Schrecken hinterlassen und einige saßen zwei Jahre wie in einem Watte-Kokon zuhause.

Ein Genre mit Überraschungs-Effekt

Die Stärke des Horror-Genres liegt für Hanel in den großen filmischen Möglichkeiten. Die Macher könnten experimenteller und avantgardistischer sein als in anderen Genres. Ein Grund für diese mutige Herangehensweise ist, dass die Produzenten relativ alleine über ihre Filme entscheiden können. Weil das Budget meistens so niedrig ist, redeten kaum Kaufleute rein, wie der Film zu sein habe.

So erschienen in den vergangenen Jahren so skurrile Filme wie die Lederhosenzombies oder Zombiber - mit Biber-Zombies. Für Film-Experten Hanel steht deshalb fest: "Die größten Überraschungen findet man oft im Horrorfilm."

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