Emily steht in einem dunklen Gang der Kleinmarkthalle

Der neue hr-Tatort aus Frankfurt zeigt sich im Gewand eines Agenten-Thrillers. "Funkstille" ist ein Film, der Lebenslügen und die Abgründe menschlicher Beziehungen zeigt. Spannend und durchaus nah an der Realität.

Die Story

Sebastian, 19 Jahre, wird tot in einer Fabrikhalle aufgefunden. Er ist Youtuber und dreht Videos über Lost Places. Für das Ermittlerduo Anna Janneke und Paul Brix ist im Tatort "Funkstille" schnell klar: Das war kein Unfall oder Selbstmord. Über Sebastians Vater lernen sie die Fishers kennen, eine perfekte amerikanische Nachbarsfamilie.

Weitere Informationen

Tatort "Funkstille"

Der hr-Tatort läuft am Sonntag, 20.15 Uhr, im Ersten.

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Es stellt sich raus: Sebastian war der Schwarm von Tochter Emily. Aber eine versteckte Botschaft bringt die Kommissare auf eine neue Fährte, wer für den Mord verantwortlich sein könnte.

Gretchen Fisher mit gezogener Waffe.

Auch Gretchen Fischer, die Mutter von Emily, kannte den 19-Jährigen ziemlich gut. Sie arbeitet im amerikanischen Konsulat - ihr Job ist geheim. Das stellt Janneke und Brix vor diplomatische Herausforderungen. Als bei einer Hausdurchsuchung bei Familie Fisher ein Kurzwellenempfänger gefunden wird, ist klar: Die Familie hat ein dunkles Geheimnis. Musste Sebastian deswegen sterben? Emily erfährt von Vater Raymond, dass die bisher erzählte Familiengeschichte nicht so ganz stimmt. Sie schreit ihre Eltern an: "Ist das alles Lüge, euer Leben, mein Leben?"

Der groteske Moment

Zwischen Mehl, Teig und Tomatenscheiben erfährt Sebastians alleinerziehender Vater, dass sein Sohn tot ist. Der Vater, der gerade in der heimischen Küche eine Pizza belegt, ist geschockt. Janneke (Margarita Broich) und Brix (Wolfram Koch) wollen ihn befragen, doch das geht nicht. Tomatenscheiben werden auf der Pizza verteilt, wieder heruntergenommen - ein grotesker Moment. Hilfreiche Infos bekommen die Kommissare nicht aus ihm raus. War es nur ein Unfall in der alten Fabrikhalle oder hatte Sebastian Feinde?

Die überzeugendste Rolle

Emily auf einer Party im amerikanischen Konsulat

Die Schauspielerin Emilia Bernsdorf ist der Star des zwölften Janneke- und Brix-Tatorts. Sie spielt Emily Fisher, die 17-jährige Tochter der Familie. Rebellisch, leidenschaftlich und überraschend gut verkörpert sie die Rolle. Im Film bricht für die Jugendliche eine Welt zusammen. Sie dachte, sie kenne ihre Eltern und deren Vergangenheit. Fassungslos bleibt sie am Ende der 90-Minuten zurück.

Ein Agenten-Fall als Vorbild 

Janneke und Brix ermitteln im Umfeld des amerikanischen Konsulats. Familie Fisher hat etwas zu verbergen, arbeiten die Eltern etwa für den Geheimdienst CIA? Führt die Familie ein Doppelleben, als eigentlich integrierte Nachbarsfamilie? Davon überzeugt sich das Ermittler-Duo bei Schoko-Cookies mit Milch. Dass so etwas auch im echten Leben vorkommen kann, beweist ein hessischer Fall aus dem Jahre 2011. In Marburg flog ein russisches Agentpaar auf, das mehr als 20 Jahre in Deutschland spioniert hatte. 

Janneke und Brix sind bei Familie Fisher zuhause

Fazit

Ein Frankfurter Tatort, der weniger philosophisch und experimentell daherkommt als vergangene Tatorte. Dafür erinnert er an amerikanische Serien wie "Homeland" oder "The Americans". Ein Hauch von Thriller, ein paar bizarre Szenen. Die Autoren Stephan Brüggenthies und Andrea Heller spielen einmal mehr mit dem Bild der geheimnisvollen Nachbarschaft. Die Inszenierung geht aber auf, auch dank Kameramann Johannes Monteux.

Sendung: Das Erste, 13.09.2020, 20.15 Uhr