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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ideen für neues Leben auf dem Dach

Platensiedlung Frankfurt-Ginnheim

Wohnraum ist knapp in unseren Städten. Warum also nicht einfach ein paar Etagen auf bestehende Wohnhäuser draufsetzen? Was auf Dächern alles möglich ist, zeigt das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt.

Dächer schützen Häuser vor Regen, Wind und Wetter. Die Fläche auf dem Dach - vor allem auf dem Flachdach - lässt sich noch für andere Zwecke nutzen: zur Energiegewinnung, als Grünfläche oder zum Weiterbau des Hauses.

Aber was tun wir Baudenkmälern an, wenn wir sie aufstocken oder die Dächer neu nutzen? Darum ging es in der international besetzten Online-Debatte des Deutschen Architekturmuseums in der Reihe "Kontext, Kontrast, Kontiunuität". hessenschau.de hat weitere Beispiele gesammelt, welche Rolle ein Dach bei Wohnraumknappheit und Klimawandel spielen kann.

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Idee 1: Aufstocken

Platensiedlung Frankfurt-Ginnheim

"Wir haben einfach das Satteldach abgenommen und zwei Etagen draufgesetzt." So einfach beschreibt der Frankfurter Architekt Stefan Forster den von ihm geleiteten Weiterbau der Platensiedlung im Stadtteil Ginnheim bei einer Online-Diskussion des Deutschen Architekturmuseums.

Durch Aufstockung und Neubau werden in der Platensiedlung 681 neue Mietwohnungen geschaffen - eine Wohltat für den angespannten Frankfurter Mietmarkt. Ergänzende Tor- und Brückenbauten verbinden die einzelnen Häuserzeilen. "So entstehen urbane Räume mit Geschäften auf der einen Seite und private Gärten auf der anderen", sagt Architekt Forster.

Bei denkmalgeschützten Gebäuden gehe er an solche Transformationen mit Respekt ran, erklärt Forster. Bei der Platensiedlung - bestehend aus schlichten Zeilenbauten der Nachkriegszeit, die von der US-Armee als Housing Area genutzt wurden - musste er allerdings keine Rücksicht auf den Denkmalschutz nehmen. "Mir geht es darum: Was kann man an dem Gebäude verbessern und was ist nützlich für die Leute?", so Forster. Dadurch könne das Gebäude in neuer Gestalt "noch vierzig oder fünfzig Jahre weiter leben".

Idee 2: Beleben

Ein Schwarz-Weiß-Bild zeigt zwei Frauen auf einer Dachterrasse. Eine von ihnen hält ein Kind auf dem Arm. Vor dem Haus ist ein kahler Baum zu sehen.

In den Siedlungen des Neuen Frankfurt, die in der Zeit des Stadtbaurats Ernst May von 1925 bis 1930 entstanden, war das Leben auf dem Dach teilweise von Anfang an mitgeplant. In der Siedlung Niederrad - wegen der gezackten Linie der Häuserfronten "Zickzackhausen" genannt - zeigen Fotografien aus der Entstehungszeit Paare und ganze Familien beim Lesen und Sonnenbaden auf dem Dach ihrer Häuser.

In der Siedlung Praunheim, die anders als andere May-Siedlungen nicht unter Denkmalschutz steht und deren Häuser an einzelne Eigentümer verkauft wurden, hat man solche Terrassen zum Teil wieder überbaut. Ein Grauen für Maria Wüllenkemper, die für Frankfurt zuständige Konservatorin des Landesamts für Denkmalpflege: "Die Bewohner haben sich nur für ihre eigenen Bedürfnisse interessiert und nicht für die Qualität der Architektur", äußert Wüllenkemper in der Online-Debatte des Architekturmuseums. "Wenn Sie da hingehen und Ernst May suchen, werden Sie ihn nicht mehr finden."

Wie viel Leben auf dem Dach möglich ist, zeigen überall in Hessen Freizeit-Nutzungen der obersten Etagen von Parkhäusern: Schlittschuhbahnen im Winter, Pool-Bars im Sommer. Studierende der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden haben sogar wabenförmige Wohnzellen aus Holz und Pappe entwickelt, die auf dem Dach eines Parkhauses gestapelt werden können. Ein Pop-Up-Studierendenwohnheim, sozusagen.

Idee 3: Begrünen

Dachgarten Bürgerhospital Frankfurt

Das Frankfurter Bürgerhospital liegt an einer belebten Straße mitten im Häusermeer des Frankfurter Nordends. Und doch haben Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende hier die Möglichkeit, durch einen kleinen Park zu wandeln.

Der wurde schon vor zwanzig Jahren auf dem Dach eines Gebäudetrakts angelegt - mit Sträuchern und Bäumen in Pflanzkübeln, Steinmauern, Wegen und Bänken, Vögel zwitschern in den Zweigen. Eine Oase in der Stadt und im Alltag der Klinik. Als das Gebäude aufgestockt wurde, musste auch der Garten einige Etagen nach oben ziehen. Da wurde er in gleicher Form wieder angelegt.

Weitere Informationen

Ausstellung "Einfach Grün - Greening the city"

Die Dachterrasse des Frankfurter Bürgerhospitals ist eins von vielen Beispielen für gelungene Stadtbegrünung, die das Deutsche Architekturmuseum bis zum 11. Juli in seiner Ausstellung "Einfach Grün - Greening the city" zeigt. Bei einem Wettbewerb können Bürgerinnen und Bürger ihre eigenen Projekte für mehr Grün in der Stadt einreichen. Die besten werden von einer Jury prämiert und in der Ausstellung gezeigt.

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Idee 4: Klima schützen

Solaranlage auf einem Einfamilienhaus

Der Streit ums Eigenheim droht zum Wahlkampf-Aufreger zu werden. Auch wenn die Grünen beteuern, sie wollten niemandem das Wohnglück im eigenen Häuschen verbieten, ist doch klar: In Zeiten des Klimawandels ist der Verbrauch an Boden und Ressourcen durch den Bau von Eigenheimen nicht mehr zeitgemäß. Die Devise lautet: So viele Menschen wie möglich auf so wenigen Quadratmetern wie nötig.

Eine Herausforderung, mit der sich Architektinnen und Architekten immer mehr auseinandersetzen - so zum Beispiel in einer Ausstellung der Universität Kassel zur "Bodenfrage", die gerade beim Bund der Architekten Hessen (BDA) in Frankfurt zu sehen ist.

Wenn es dennoch der Neubau sein soll, können Solaranlagen auf dem Dach wenigstens etwas für die klimaneutrale Energiegewinnung tun. Die Stadt Marburg hatte das mit einer Solarsatzung 2008 bei Neubauten oder Dachsanierungen sogar zur Pflicht gemacht. Der Marburger Vorstoß wurde aber vom Regierungspräsidium, Gerichten und dem Land Hessen immer wieder ausgebremst.

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