Drehorte in Frankfurt

Skyline, Fachwerkhäuser und das Bahnhofsviertel - Frankfurt hat viele Facetten, die gerade für Filmdrehs interessant sind. Den richtigen Ort aufzuspüren, ist die Aufgabe des Location Scouts. Teetrinken kann dabei helfen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Robert Hertel: Location Scout in Frankfurt

Eine dunkle Brücke über die Nidda wird bei Nacht gefilmt
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Robert Hertel führt Filmcrews an passende Drehorte. Der Location Scout aus Frankfurt hat schon bei einigen "Tatort"-Drehs mitgearbeitet, aber auch bei der ZDF-Serie Bad Banks und bei der Netflix-Serie Skylines. Frankfurt sei mit seiner futuristischen Skyline, dem facettenreichen Bahnhofsviertel und seiner günstigen Lage ein immer attraktiverer Schauplatz für Filmproduktionen, sagt Hertel. Viele der Drehorte habe er im Kopf, einfach weil er sich in seiner Heimatstadt sehr gut auskenne. "Ich kreiere den Spielplatz, auf dem die Kreativen sich austoben."

Für den "Tatort" einen Kiosk abfackeln

Für den "Tatort: Land in dieser Zeit" (2017) musste er jedoch etwas länger suchen. In dem Film sollte ein Kiosk abbrennen, keine leichte Aufgabe. "Die Szenenbildnerin und ich haben uns von Oberrad bis zum Riedberg einmal durch Frankfurt durchgearbeitet, aber irgendwie wurden wir nicht so richtig glücklich." Durch Zufall habe er dann mitten in der Stadt im Oeder Weg das Gelände einer ehemaligen Tankstelle entdeckt. Der perfekte Drehort war gefunden.

Teetrinken und Vertrauen aufbauen

Robert Hertel erinnert sich auch an eine besonders aufwändige Aufnahmeleitung für die Serie "Skylines", Drehort sollte ein Wettcafé sein. "In dem Viertel bin ich vorher über mehrere Wochen mal auf eine Stunde vorbei gegangen, habe mit ganz vielen Menschen Tee getrunken, ein Pläuschchen gehalten, einfach damit sie mich kennenlernen."

Als er dann mit dem Filmteam kam, hätten die Menschen keine Scheu mehr gehabt. Anwohnerinnen und Anwohner fühlten sich von einem Filmteam manchmal überrannt, weil schnell 30 bis 50 Menschen an einem Drehort zusammenkommen. "Wenn man da vorher Vertrauen schafft, funktioniert der Dreh unkomplizierter."

Frankfurt empfängt Produktionen mit offenen Armen

Frankfurt konkurriert als Filmstandort mit Städten wie Berlin, München, Hamburg oder Köln. Dass die Filmbranche in Frankfurt im Vergleich zu den anderen Städten noch nicht so floriert, empfindet Location Scout Hertel häufig als Vorteil. "Also die Leute freuen sich, wenn wir drehen. Das ist in Köln oder Berlin manchmal anders." Frankfurt habe sehr viel zu bieten, "von modernen Glaspalästen bis zum abgerockten Bahnhofsviertel". Hinzu komme die Umgebung: Taunus, Wetterau, Vogelsberg. "Man kann Großstadt und Dorf erzählen, man kann Trubel und Einsamkeit erzählen."

Manchmal muss man es auch schneien lassen können

Robert Hertel sucht die Drehorte aber nicht nur, er ist auch Motiv-Aufnahmeleiter. Das heißt, dass er rund um den Drehort alles organisiert. "Zum Beispiel haben wir in einer Reihenhaussiedlung gedreht und es sollte schneien." Und wenn der Schnee nicht gerade wie bestellt vom Himmel fällt, braucht man eine Schneemaschine und viel Wasser. "Dann bin ich Ansprechpartner für die Leute, in deren Haus wir drehen, ich informiere die Nachbarn, beantrage bei der Stadt, dass wir Parkplätze absperren dürfen, ich muss eventuell weitere Flächen anmieten, auf denen wir unser Equipment abstellen und muss organisieren, wo wir Wasser und Strom herbekommen."

Neues Ziel: Green Consultant

Längerfristig möchte Hertel daran arbeiten, die Filmdrehs als Green Consultant ökologischer zu gestalten: Mehrweg- statt Pappbecher bei den Drehs für die Crew, keine Dieselgeneratoren mehr einsetzen. Auch Kulissen könnten mehrfach genutzt und anschließend recycelt werden.

Robert Hertel vor einem großn Wassertank

Oder eben die Sache mit dem Schnee in der Reihenhaussiedlung. "Normalerweise hätte man die Schneemaschine an einen Hydranten angeschlossen. Aber dabei werden Unmengen Trinkwasser verbraucht." Deshalb habe er bei einem Landwirt einen Tank voll Regenwasser organisiert. Das sei zwar unter dem Strich teurer gewesen, aber eben auch ökologischer. "In diesem Bereich möchte ich mehr machen und mit anderen Green Consultants einen Verband gründen."

Aber erst mal macht Robert Hertel weiter als Location Scout. Im April steht der nächste Tatort an. Welche Drehorte dann gebraucht werden, weiß er noch nicht. Aber er wird die passenden finden.

Sendung: hr-iNFO, 06.02.2021, 12.25 Uhr