Museen und Galerien zu - egal: In umgebauten Hochseecontainern wollen zwei Brüder in Gießen Kunst zeigen. Dem Lockdown zum Trotz.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kunst im Glascontainer statt im Museum

Entwurf von einem Kunstcontainer in Gießen
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6 Meter lang, 2,40 Meter breit und knapp 2,90 Meter hoch - das soll die Galerie der Zukunft sein. Zumindest, wenn es nach den Zwillingsbrüdern Kai und Uwe Krieger geht. Die beiden Gießener bilden zusammen mit Joachim Pitt das Graffiti-Kollektiv 3Steps". Ihre Kunstwerke zieren zahlreiche Gebäude in Gießen und Umgebung, sie planen Events und stellten ihre Kunstwerke vor Corona in Galerien aus. "Schon im Laufe des ersten Lockdowns haben wir überlegt, was wir machen können und kamen auf die Idee von 'quARTtainer'", erklärt Uwe Krieger.

quARTainer ist eine Kombination aus "Quarantäne" und "Container"

Der Name des Projekts ist eine Kombination aus den Worten "Quarantäne" und "Container". Und im Zentrum steht wortwörtlich die Kunst. "Die Idee ist, dass die Container quasi zur Seite durch eine Fensterfront geöffnet sind. So kann man die Kunstwerke aus nächster Nähe betrachten, im öffentlichen Raum und unter frischer Luft," sagt Kai Krieger.

Und die Idee kommt an: Das Projekt wird vom hessischen Ministerium für Kultur und Wissenschaft gefördert, 18.000 Euro bekommen 3Steps im Zusammenhang mit der Initiative "Hessen kulturell neu eröffnen". Das Geld reiche für zwei Container. Um auch einen dritten Container und den nötigen Ausbau finanzieren zu können, haben die Brüder eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Insgesamt wird das Projekt knapp 50.000 Euro kosten.

Einen Raum im Raum schaffen

Von dem Geld sollen die Container ausgebaut werden. "Wir bauen das quasi um nach dem 'Room in the Box'-Prinzip: Da kommt Elektrik rein, Dämmmaterial, eine Klimaanlage, Glasfronten, so dass es im Prinzip so eine Art Schaufenstercharakter bekommt", erklärt Uwe Krieger. Wo es möglich ist, wollen die Brüder selbst Hand anlegen.

Wenn es das Budget zulässt, sollen Handwerkerinnen und Handwerker sie unterstützen. Der Standort der Container steht auch schon fest: Hinter dem Gießener Bahnhof, wo auch demnächst das Künstler-Hub, also das Atelier des Graffiti-Kollektivs entstehen soll.

Kunst braucht das reale Erleben vor Ort

Die Idee für die Container kam den Brüdern bereits während des ersten Lockdowns im Frühjahr. Sie hätten gemerkt, dass Online-Angebote nicht reichten. "Kunst ist was, was man eigentlich immer mal auch erleben muss, was auch physisch sichtbar sein muss. Das ist wie ein van Gogh in der Ausstellung: Der wirkt immer anders als im Bilderbuch", sagt Kai Krieger.

Sichtbar sollen dann aber nicht nur regionale Künstlerinnen und Künstler sein, jeder kann sich für den neuen Ausstellungsraum bewerben. "Uns ist natürlich wichtig, dass wir das ähnlich wie unsere bisherigen Shows auch kuratieren, das heißt es gibt einen bestimmten Anspruch an die bisherigen Arbeiten und auch an den Künstler, der dahintersteht," erklärt Kai Krieger.

Container auch nach Corona noch interessant

Wenn es nach den beiden Brüdern geht, sollen die ersten beiden Container bereits im Februar an ihrem neuen Stammplatz stehen und ausgebaut werden. Und im April könnte dann schon die erste Ausstellung zu sehen sein. "Und wenn hoffentlich die Pandemie irgendwann auch mal vorbei ist, dann kann man die Container natürlich auch betreten und die Kunst ganz nah erleben", sagt Uwe Krieger.

Sendung: hr2, 12.1.2021, 13.27 Uhr