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Audioseite Schauspiel Frankfurt zeigt den Kampf gegen das Patriarchat

Vier Frauen stehen auf einer halbrunden Bühne

Frauen, wie sieht eure ideale Welt aus? Und wie euer Feminismus? Die Suche nach Antworten zeigt das Schauspiel in Frankurt im Stück "In letzter Zeit Wut". Es eskaliert, als die vier Protagonistinnen tatsächlich die Macht bekommen, die Geschichte neu zu schreiben.

Die Bühne im Schauspiel Frankfurt zeigt ein Auditorium, erinnert an einen Uni-Hörsaal oder vielleicht einen Plenarsaal. Viel Holz und dunkles Grün. Irgendwie angestaubt. "In letzter Zeit Wut" heißt das Stück: Vier Frauen stehen da, Kirsty, Regan, Ellen und Nancy. Es ihr Arbeitsplatz in einem Social Media Konzern à la Facebook und Co. Ihre Aufgabe: Sie sortieren unerwünschte Bilder aus und verhindern, dass sie im Netz landen: Gewalt, nackte Kinder, Brüste, Penisse.

Jede hat so ihre eigene Utopie

Während die vier Frauen ihrer "wichtigen Arbeit für die Gesellschaft" nachgehen und versuchen, den Schmutz aus dem Internet fernzuhalten, debattieren sie darüber, wie eine ideale Welt aussehen müsste. Aus Frauensicht.

Über diese utopischen Gedankenspiele geraten sie in Streit, Feminismus deuten sie alle unterschiedlich. Während die Ältere unter ihnen als Antwort auf die Frage nach der Gleichberechtigung unbedingt einen Betriebsrat gründen möchte und dafür als "Königin des sozialistischen Wandkalenders" beschimpft wird, würden die anderen handeln wollen. Radikal. Alle Männer eliminieren, zack, weg und alles wird gut. Dream on.

Immerhin: ein gemeinsames Feindbild

Einig sind sich die Frauen jedoch bei der Wahl ihres unmittelbaren Hassobjektes: Horst! Horst ist ihr Chef in der Social-Media-Firma und kommt gelegentlich mal vorbei, um seine Mitarbeiterinnen zu kontrollieren und mit gönnerhaften Sprüchen zu zeigen, was für ein moderner Mann und Feminist er ist.

Er hält sich tatsächlich dafür und findet dafür ein anschauliches Bild: "Ich bin die Rose, die die Frauen am Weltfrauentag geschenkt bekommen." What the hell! Meint er das ironisch? In seiner Firma machen auf jeden Fall nur die Frauen die Drecksarbeit, und das unter prekären Bedingungen. Er könnte das ändern, tut es aber nicht. An Horst reiben sich die vier Frauen, er ist der Buhmann, das klare Feindbild, gemeinsam haben sie die Fantasie, diesen Horst und am besten alle Horsts der Welt zu eliminieren.

Endlich bietet sich die Chance

Eine Chance, wirklich etwas zu ändern, kommt in Gestalt einer künstlichen Intelligenz um die Ecke. Sieht aus wie eine Smartwatch und mit ihr können die Frauen die Realität tatsächlich neu gestalten. Wow! Wünsch Dir was ist wahr geworden! Doch was jetzt daraus machen?

Beim Rumtheoretisieren war es ein bisschen egal, dass sich die vier nicht einig sind, was die beste andere Welt für Frauen - und damit vielleicht für alle - wäre. Aber jetzt, mit dem Schlüssel in der Hand, die Geschichte zu überschreiben? Sie tun wie erwartet und rebooten mehrmals. Überschreiben das Überschriebene. Am Ende ist sogar Horst verwirrt und desillusioniert: "Ich hätte mehr Utopie erwartet." Chance bekommen - Chance vertan?

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"In letzter Zeit Wut"
von Gerhild Steinbuch
Schauspiel Frankfurt (Kammerspiel)
Premiere: 12.11.2021

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