Die beiden neuen künstlerischen Leiter der documenta 15, Ade Darmawan (li.) und Farid Rakun, machen nach ihrer Vorstellung Selfies.
Die beiden neuen künstlerischen Leiter der documenta 15, Ade Darmawan (li.) und Farid Rakun, machen nach ihrer Vorstellung Selfies. Bild © picture-alliance/dpa

Masse mit Klasse: Nach dem millionenschweren Defizit der documenta 14 sollen gleich zehn Künstler dafür sorgen, dass die Schau im Jahr 2022 ein voller Erfolg wird. Ein indonesisches Kollektiv übernimmt die Leitung. Kassel darf sich auf Mitmach-Kunst freuen.

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Das indonesische Künstlerkollektiv Ruangrupa ist zur künstlerischen Leitung der Weltkunstausstellung documenta 15 (18. Juni bis 25. September 2022) berufen worden. Wie documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann am Freitag in Kassel bekannt gab, folge der Aufsichtsrat mit der Ernennung dem Vorschlag der achtköpfigen Findungskommission, die die zehnköpfige Gruppe von Künstlern und Journalisten aus Jakarta einstimmig nominiert habe. Es ist das erste Mal in der Geschichte der documenta, dass die künstlerische Leitung einem Kollektiv anvertraut wird.

Ade Darmawan, Kurator und Direktor von Ruangrupa, kündigte an, bei der Gestaltung der Ausstellung experimentell und auf Erfahrungsebene vorgehen zu wollen. Wichtig sei der Gruppe auch eine alternative Praxis. Einen zweiten Standort wie bei der documenta 14 solle es zwar nicht geben, dafür aber eine Kooperation mit Partnern an unterschiedlichen Orten.

Lokale Kooperationen geplant

"Wir haben kein Ausstellungskonzept im klassischen Sinn vorgelegt", ergänzte Gruppenmitglied Farid Rakun. Vieles wisse man noch nicht. "Wir wollen mit dem Kontext, in dem wir in Kassel leben, etwas aufbauen", kündigte er lokale Kooperationen an. In der Begründung der Findungskommission heißt es: "In einer Zeit, in der innovative Kraft insbesondere von unabhängigen, gemeinschaftlich agierenden Organisationen ausgeht, erscheint es folgerichtig, diesem kollektiven Ansatz mit der documenta eine Plattform zu bieten."

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Dieses Konzept, an dem alle teilhaben könnten, habe die Findungskommission letztlich überzeugt, hob Philippe Pirotte, Mitglied der Findungskommission, hervor. Ruangrupa sei in der Lage, verschiedene Gruppen anzusprechen, sei unkompliziert und humorvoll. "Ihre Grundidee heißt Zusammenarbeit", sagte er.

Angesichts der erstarkten rechten Kräfte im Land habe die documenta eine besondere Bedeutung, sagte Kunstministerin Angela Dorn (Grüne). Die Kunstschau war 1955 entstanden, um Werke zu zeigen, die von Nationalsozialisten als "entartet" zensiert wurde. Kunst rüttle immer wieder die Gedankenwelt und das bisher Erlebte durch, sagte Dorn: "Die documenta muss provozieren, sie muss auch immer wieder anstößig sein."

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Findungskommission bleibt an Bord

Der Aufsichtsratsvorsitzende der documenta, der Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), kündigte an, dass die Findungskommission die documenta 15 auch nach der Nominierung der künstlerischen Leitung als eine Art "Beirat" weiterhin begleiten werde. Dies sei ebenfalls ein Novum in der Geschichte der Kunstausstellung.

Da der Etat erhöht wurde, sei die documenta 15 "sehr auskömmlich" ausgestattet, sagte Geselle. Eine konkrete Zahl nannte er nicht. Der Etat der documenta 14 lag bei 34 Millionen Euro. Vor allem bedingt durch den zweiten Standort Athen hatte die documenta 14 ein Defizit von 7,6 Millionen Euro verursacht.