Städtische Bühnen Frankfurt

Eine Initiative kämpft für den Erhalt der Frankfurter Städtischen Bühnen. Mit einer Petition wollen die Unterzeichner den vom Stadtparlament beschlossenen Komplettabriss doch noch verhindern.

Für die einen ist es eine marode Kiste mit Blechbüchsen, für die anderen das Symbol einer offenen Gesellschaft. Die einen beklagen die anrückende Abrissbirne, die anderen sehnen den Neubau herbei. Klar ist: Das gläserne Doppelgebäude am Willy-Brandt-Platz in Frankfurt, das seit den 1960er Jahren Schauspiel und Oper beherbergt, ist Geschichte, auch wenn noch nicht entschieden ist, wann wo welche Neubauten an ihre Stelle treten.

Mit einer Petition will eine Initiative den vom Stadtparlament beschlossenen Komplettabriss des Gebäudes verhindern. Das Schreiben, das am Montag in Frankfurt vorgestellt wurde, wendet sich an Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), zwei Dezernenten und den Magistrat. Zu den Initiatoren gehört der Professor für Architekturtheorie der Universität Kassel, Philipp Oswalt. Unterzeichnet hat unter anderem der Frankfurter Architekt Stefan Forster.

Sanierung wäre nicht günstiger als Neubau

Mehr als 800 Millionen Euro kommen auf die Stadt Frankfurt zu, wenn sie Schauspiel und Oper in die Zukunft führen will. Die "Stabsstelle Zukunft der Städtischen Bühnen" hatte im Januar ihren Prüfbericht vorgestellt. Dafür wurden vier Szenarien durchgerechnet: Sanierung oder Neubau, entweder am jetzigen Standort oder an anderer Stelle. Die Stabsstelle rechnet für Planung und Bau mit einem Zeitraum von mindestens acht Jahren.

Tabelle: Kosten Städtische Bühnen, Varianten

Zwei Gutachten hatten ergeben, dass eine Sanierung des Gebäudes teurer würde als die Städtischen Bühnen neu zu bauen. Die Autoren der Petition sprechen von "einem mangelhaften Verfahren, dessen Ergebnis weder plausibel noch überzeugend ist".

Parteien im Römer über Neubau uneins

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hatte gesagt: "Das kulturelle Herz der Stadt schlägt am Willy-Brandt-Platz." Dennoch könne sie eine Sanierung nicht empfehlen - das sei wirtschaftlich nicht vertretbar. Bisher ist nur der Abriss des bisherigen Gebäudes beschlossen - über den oder die Neubauten sind die Parteien im Römer uneins.

In der Petition heißt es, der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zeuge von "Geschichtsvergessenheit". "Sie entspricht einer Baupolitik, die identitätsstiftende Bauten der Stadtgeschichte auslöscht." Bei dem Doppelgebäude von ABB Architekten aus dem Jahr 1963 handle es sich um "einen der wichtigsten Nachkriegsbauten der Stadt". "Der Theaterbau hat in Frankfurt Stadtgeschichte geschrieben und Identität gestiftet."

Glasfoyer als "Bühne des öffentlichen Lebens"

Das Haus mit seinem großen urbanen Glasfoyer, "das sich der Stadt zuwendet und es als eine Bühne des öffentlichen Lebens inszeniert", sei "ein Symbol für ein neues, auf demokratische Teilhabe ausgerichtetes gesellschaftliches Selbstverständnis Westdeutschlands nach 1945".

Die Initiatoren fordern eine Überprüfung der funktionalen Anforderungen der Intendanz, eine Debatte der Stadtgesellschaft, "um zu klären, was sie von den Städtischen Bühnen erwartet", sowie eine Offenlegung des Abschlussberichts aus dem Januar.

Sendung: hr-iNFO, 09.03.2020, 17 Uhr